Erzbischof Georg Gänswein
Reinhold Nann begrüßt Aufgabenverschiebung des Erzbischofs

Deutscher Bischof kritisiert Gänswein: "In Machtspiele verstrickt"

Die Form ist ungewöhnlich: Der aus Freiburg stammende Bischof Reinhold Nann hat Georg Gänswein in einem als "Nachruf" bezeichneten Blogeintrag scharf kritisiert. Darin schreibt er auch aus der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar.

Lima/Freiburg - 11.02.2020

In ungewöhnlicher Form kritisiert der deutsche Bischof und Prälat von Caraveli in Peru, Reinhold Nann (59), Erzbischof Georg Gänswein (63), weil dieser im Vatikan "tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt" sei. In seinem aktuellen Internetblog mit dem Titel "Georg Gänswein – Ein Nachruf" begrüßte es Nann, dass sich der wie er selbst aus dem Erzbistum Freiburg stammende Gänswein bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. konzentriere. Dafür trete er nicht mehr als Präfekt des päpstlichen Hauses "immer strahlend lächelnd hinter dem Papst" auf: "Nun ist damit Schluss – endlich."

Franziskus habe Gänswein "die Flügel beschnitten", so Nann weiter. Er selbst habe schon länger den Eindruck, "dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kräftig manipuliert und für ihre Intrigen einspannt. Und der Drahtzieher bei all dem kann eigentlich nur der Sekretär gewesen sein." Nun habe er sich "überreizt", genau wie vorher schon Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amt als Präfekt der Glaubenskongregation Papst Franziskus nicht verlängert habe.

Reinhold Nann ist Bischof und Prälat von Caravelí in Peru.

Er bete jeden Tag für Papst Franziskus, betonte Bischof Nann, "dass er die Böcke von den Schafen im Vatikan unterscheiden kann und im Heiligen Geist die Kurie und die Kirche erneuert". Der 2017 von Franziskus zum Bischof ernannte Geistliche ergänzte, Gänswein sei schon in der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar "hart im verbalen Angriff" und "extrem konservativ" gewesen. In einer deutschen Pfarrei wäre Gänswein "durch seine polarisierende Art untragbar gewesen".

Nann ging vor mehr als 20 Jahren nach Peru und arbeitete dort als Pfarrer in Armengemeinden der Hauptstadt Lima sowie im Andenhochland und im Amazonasgebiet. Im Mai 2017 wurde er von Franziskus zum Prälaten der Territorialprälatur Caravelí ernannt und im August desselben Jahres zum Bischof geweiht. Der Vatikan hatte vor wenigen Tagen bestätigt, dass Gänswein sich bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär von Benedikt XVI. konzentriere. Von einer Entlassung oder Beurlaubung als Präfekt des Päpstlichen Hauses sei aber nichts bekannt.

Zuvor hatten "Die Tagespost" und andere Medien berichtet, Gänsweins Ablösung sei unter anderem auf die "unglückliche Präsentation" eines Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat zurückzuführen, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz beisteuerte. Die Publikation wurde von vielen als Affront gegen Franziskus aufgefasst. (bod/KNA)