Corona: Erstmals Generalaudienz des Papstes nur als Video zu sehen
Franziskus wendet sich an alle Erkrankten und Helfer

Corona: Erstmals Generalaudienz des Papstes nur als Video zu sehen

Das gab es in der Geschichte noch nie: Weil seit Dienstag auch Petersdom und -platz abgeriegelt sind, konnte die päpstliche Generalaudienz am Mittwoch erstmals nur im Video-Stream verfolgt werden – und Franziskus sprach dabei auch das Coronavirus an.

Vatikanstadt - 11.03.2020

Erstmals ist eine Generalaudienz des Papstes am Mittwoch nur als Video-Stream in Internet und Fernsehen übertragen worden. Wegen der Coronavirus-Krise in Italien sind dort alle Versammlungen verboten, weswegen auch der Petersplatz gesperrt ist. Anders als das Mittagsgebet am Sonntag wurde die Papst-Ansprache nicht auf die Großbildschirme auf dem Platz übertragen. Franziskus hielt seine Ansprache aus der Bibliothek des Apostolischen Palastes. Von dort wurde sie live über kirchliche TV-Sender und Internetportale übertragen. Wie sonst auch trugen Kurienmitarbeiter eine Zusammenfassung dessen, was der Papst gesagt hatte, in acht Sprachen vor. Dabei saßen die Sprecher sowie zwei weitere Mitarbeiter des Päpstlichen Hauses mit dem Kirchenoberhaupt in einem Kreis. Am Ende wandte Franziskus sich eigens an alle Kranken und dankte "von Herzen allen Mitarbeitern in den Krankenhäusern, den Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern sowie Freiwilligen" für ihren Einsatz. Ihnen allen sei er besonders nahe. Ebenso dankte er Christen und anderen Gläubigen für Gebet und Solidarität.

Im Hauptteil seiner Ansprache setzte der Papst seine Reihe über die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu fort. Diesmal ging es um die dritte Aussage: "Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden." Hunger und Durst, so Franziskus, seien elementarste, überlebensnotwendige menschliche Bedürfnisse. In diesem Sinne sei auch das Verlangen nach Gerechtigkeit zu verstehen. Damit ist nach Aussage des Papstes keinesfalls Rache gemeint, auch wenn Menschen durch Ungerechtigkeiten oft schwer verletzt würden. Darüber hinaus, so Franziskus weiter, gebe es einen seelischen Durst nach Wahrheit und Gutem, der aus dem Innersten jedes Menschen komme; dies sei ein Verlangen nach Gott. Um dieses zu stillen, habe Jesus seine Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes verkündet. In diesem Sinn sei das christliche Evangelium "die größte Gerechtigkeit, die man dem Herzen der Menschheit anbieten kann". Das Verlangen nach solcher Gerechtigkeit müsse in jedem Menschen geschützt und gefördert werden, vor allem in Kindern und Heranwachsenden.

Vatikan bietet wegen Viruskrise Mietminderung an

Unterdessen bot der Vatikan gewerblichen Mietern seiner Immobilien in Rom an, wegen der Coronakrise den Mietzins vorübergehend zu senken. Wie das Presseamt des Vatikan am Dienstag mitteilte, wolle man damit die wirtschaftlichen Folgen der von der Regierung verfügten Beschränkungen im Kampf gegen Covid-19 mildern. Durch die jüngsten Erlasse der Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte leiden unter anderem Tourismus und Gastronomie unter teils erheblichen Einbußen. Die Vatikanische Güterverwaltung APSA und die Missionskongregation "Propaganda Fide" seien bereit, entsprechende Anträge entgegenzunehmen, teilte der Vatikan mit. Die beiden Einrichtungen des Heiligen Stuhls verfügen über umfangreichen Immobilienbesitz in der Stadt. Seit rund zwei Wochen gibt es weniger Touristen in Rom. Seit Dienstag sollen Menschen in ganz Italien ihr Haus nur noch zur Arbeit verlassen oder um Notwendiges einzukaufen. Bars und Restaurants müssen um 18 Uhr schließen. Auch gibt es teilweise Kurzarbeit, manche Menschen sind zudem derzeit arbeitslos.

Am Dienstag hatte der Vatikan zur Eindämmung des Coronavirus Petersplatz und Petersdom bis zum 3. April geschlossen. Papst Franziskus feiert derzeit auch seine Frühmessen in der vatikanischen Casa Santa Marta ohne Gäste. Nach den jüngsten Erlassen der italienischen Regierung hatte schon am Wochenende der Vatikan eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. So bleiben ab sofort die Vatikanischen Museen ebenfalls bis 3. April geschlossen. Wie der Vatikan am Sonntag mitteilte, betrifft dies auch die übrigen Museen und Ausgrabungen wie jene unter dem Petersdom, die Päpstlichen Villen in Castel Gandolfo oder Museen anderer Papst-Basiliken in Rom. Die Katakomben waren schon zuvor geschlossen worden. Am Freitag war der erste - und laut Presseamt bisher einzige - Fall einer bestätigten Infektion mit dem Covid-19-Virus im Vatikan bekannt geworden. Nach Bekanntwerden des Falls hatten zuerst Apostolische Bibliothek und Archiv sowie die Archive im Staatssekretariat verkündet, dass sie ab Montag bis auf Weiteres schließen. Auch die Päpstlichen Universitäten sind geschlossen. (tmg/KNA)