"Verrotte in der Hölle, Pell": Kathedrale nach Freispruch beschmiert
Kardinal wirkte fünf Jahre in Melbournes Bischofskirche

"Verrotte in der Hölle, Pell": Kathedrale nach Freispruch beschmiert

Der Freispruch des australischen Kardinals im Missbrauchsprozess erhitzt die Gemüter: Nun wurde eine ehemalige Wirkungsstätte George Pells mit Graffiti-Schmähungen besprüht. Der jetzige Oberhirte zeigt sich "nicht völlig überrascht".

Melbourne - 09.04.2020

Die Patrickskathedrale im australischen Melbourne ist nach dem Freispruch George Pells Opfer von Vandalismus geworden. Unter anderem seien umgedrehte Kreuze sowie die Aufforderung, Pell solle "in der Hölle verrotten" an das Gebäude gesprüht worden, berichtet der US-Pressedienst CNA am Donnerstag. Pell stand dem Erzbistum Melbourne von 1996 bis 2001 vor.

Der jetzige Oberhirte Peter Comersoli zeigte sich im australischen Radio zwar verärgert, aber "nicht völlig überrascht". Es gebe bei diesem Thema "nach wie vor so starke Emotionen", sagte er. Unter anderem waren auch Worte wie "Kinderschänder" oder "Keine Gerechtigkeit" an die Kirche gesprüht worden. Die Diözese will die Sicherheit um das Gotteshaus nun vorübergehend erhöhen. Zudem hatten Unbekannte ein Dreirad an den Zaun des Klosters gebunden, in das sich Pell nach seinem Freispruch zurückgezogen hatte - wohl als Anspielung auf die ihm vorgeworfenen Vergehen an Minderjährigen.

Am Dienstag hatte der Oberste Gerichtshof Australiens den ehemaligen Präfekten des vatikanischen Wirtschaftssekretariats in letzter Instanz vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an zwei Chorknaben in den 1990er Jahren freigesprochen. Im Dezember 2018 war der Kardinal noch zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil wurde im vergangenen Sommer bestätigt. Nach mehr als 400 Tagen im Gefängnis kam Pell noch am Dienstag frei. Vor seiner Tätigkeit an der Kurie war der Australier Erzbischof von Melbourne sowie von 2001 bis 2014 Erzbischof von Sidney. (cph)