Eine alt-katholische Diakonin wird in einer Kirche in Rom zur Priesterin ordiniert.
Gut ein Drittel Priesterinnen in der Church of England

Erstmals mehr Frauen als Männer in anglikanischer Kirche ordiniert

Erst seit 1994 gibt es anglikanische Priesterinnen – und es werden immer mehr. Erstmals wurden nun mehr Frauen als Männer geweiht, und auch bei den Leitungspositionen wächst ihr Anteil. Doch eine Gruppe bleibt gering repräsentiert.

London - 23.06.2020

Zum ersten Mal wurden 2019 in der anglikanischen Kirche mehr Frauen als Männer ordiniert. Laut der im Juni veröffentlichten Statistik zum kirchlichen Dienst in der Church of England waren im Berichtszeitraum 51 Prozent der Neuordinierten Frauen. Insgesamt wurden in diesem Jahr 570 Kleriker ordiniert. Damit steigt auch der Frauenanteil insgesamt auf 32 Prozent. Vier Jahre zuvor lag er noch bei 28 Prozent. Der Trend eines immer weiblicheren Klerus setzt sich fort: Bei den Personen, die ihre Ausbildung aufgenommen haben, sind bereits 54 Prozent Frauen. Auch in Führungspositionen wächst der Frauenanteil, wenn er auch noch unter dem Gesamtanteil liegt. Der Statistik zufolge waren 27 Prozent der Leitungspositionen vom Domkapitel aufwärts weiblich besetzt, vier Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 19 Prozent. Seit 1994 werden in der Church of England Frauen zu Priesterinnen geweiht, die erste Bischöfin wurde 2015 geweiht, nachdem die Synode nach jahrelangen Debatten das Bischofsamt für Frauen geöffnet hatte.

Eine Frau mit grauem ärmellosen Shirt und Priesterkragen während einer Unterhaltung.

Eine Priesterin während einer Generalsynode der "Church of England" im Gespräch.

In einer Stellungnahme zur Statistik würdigt Bischof Chris Goldsmith, der den Arbeitsbereich "Geistliches Amt" in der Church of England leitet, die Entwicklungen: "Insgesamt erzählen die Zahlen eine echte Fortschrittsgeschichte, die in planvollem und koordiniertem Handeln vor Ort und auf nationaler Ebene gründet". Erfreulich sei insbesondere, dass die Zahl der Ordinationen 2019 so hoch lag wie zuletzt 1991. Mit Blick auf Frauen in Leitungspositionen stellt der Bischof fest, dass vor allem in den Domkapiteln Frauen stärker unterrepräsentiert sind als an der Kirchenspitze.

96 Prozent des Klerus sind weiß

Die Bischöfin von Derby, Libby Lane, die als erste Frau die Bischofsweihe empfing, kommentiert angesichts der Zahlen, dass Frauen nun "eine Gott sei Dank weithin sichtbare Präsenz im Klerus der Kirche von England haben". Es gebe aber immer noch unterrepräsentierte Gruppen. Lane, die im vergangenen Jahr auf 25 Jahre im Priesteramt zurückblickte, bete dafür, dass die Lernerfahrungen der Frauenordination dabei helfen, auch andere unterrepräsentierte Gruppen besser in die Kirche einzubinden, um die "großartige Vielfalt unseres Landes abzubilden".

Der Anteil schwarzer, asiatischer und anderer Mitglieder von Minderheiten ist noch verhältnismäßig gering. Unter vier Prozent der hauptberuflichen Geistlichen gehören einer Minderheit an, bei den Personen, die ihre Ausbildung beginnen, sind es 7,8 Prozent. "In den vergangenen Jahren ist die Vielfalt in unserem Klerus gestiegen, aber wir sind solange nicht zufrieden, bis unsere Seelsorger tatsächlich ein Abbild der ganzen Kirche und der Menschen sind, denen sie dienen", so Goldsmith.

Die Church of England publiziert jedes Jahr eine Statistik zum kirchlichen Dienst. Insgesamt gibt es in der anglikanischen Kirche über 20.000 Kleriker. Die hauptberuflichen Priester haben ein Durchschnittsalter von 52,5 Jahren. Ihre Zahl blieb nach einem Rückgang in vorherigen Jahren im Vergleich zu 2018 etwa konstant. 310 Pensionierungen standen 570 Ordinationen entgegen. Neben dem diözesanen Klerus leben gut 8.000 Menschen in verschiedenen Formen des Ordenslebens in der Kirche Englands. (fxn)