Deutlich mehr Diakoninnen als Priesterinnen

Schwedische Kirche hat erstmals mehr Frauen als Männer im Klerus

Aktualisiert am 22.07.2020  –  Lesedauer: 

Stockholm ‐ Als über Priesterinnen in der Kirche von Schweden zum ersten Mal diskutiert wurde, glaubte man noch, dass es dafür eh keine Kandidatinnen geben würde. Das hat sich gründlich geändert, zeigen neueste Zahlen.

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Die lutherische Schwedische Kirche hat erstmals mehr Klerikerinnen als Kleriker. Der noch unveröffentlichten Statistik des kirchlichen Arbeitgeberverbands SKAO zufolge, die der Kirchenzeitung Kyrkans Tidning vorliegt, gab es 2019 1.533 weibliche und 1.527 männliche Kleriker. Im Vorjahr waren es noch 1.483 Männer und 1.433 Frauen. Die Zahlen beziehen sich auf Priester und Diakone. Im Priesteramt beträgt der Frauenanteil allerdings nur 37 Prozent, bei den Diakonen sind es 89 Prozent. Insgesamt übten in der Kirche mehr Frauen traditionell männlich dominierte Berufe aus als umgekehrt.

"Auch wenn wir schon weit gekommen sind, gibt es immer noch auf dem Geschlecht basierende Machtaspekte. Solange es Voreingenommenheiten auf Grundlage des Geschlechts gibt, müssen wir weiter daran arbeiten", so Erik Gyll, der bei der Kirche für die methodische Auswertung der Daten zuständig ist. Immer noch gebe es Unterschiede in der Bezahlung. Zwar verdienten Männer in der Regel mehr als Frauen, es gebe aber auch Berufsgruppen, in denen es umgekehrt sei: Männliche Priester verdienen im Schnitt 2.200 Kronen (230 Euro) mehr als weibliche, während Vikarinnen 800 Kronen (85 Euro) mehr als ihren männlichen Kollegen zur Verfügung stehen.

Frauenordination seit 1958

In den kirchlichen Gremien gebe es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer sind bei der Leitung der Kirchenvorstände überrepräsentiert, Frauen bei den Pfarrgemeinderäten. Während die Synodenmitglieder ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis haben, hatten Männer in der Synode 61 Prozent der Redebeiträge.

In der Schwedischen Kirchen wurde die Frauenordination 1958 eingeführt. Laut der Pastoraltheologin Frida Mannerfelt sei bei der Debatte um die Einführung regelmäßig das Argument vorgebracht worden, dass es an Frauen mit Priesterberufung mangeln würde. Die Entwicklung habe dieses Argument entkräftet: Gab es 1970 erst 54 Priesterinnen, stieg die Zahl bis 1977 schon auf 220. Die Schwedische Kirche ist die ehemalige Staatskirche Schwedens. Zu der evangelisch-lutherischen Kirche gehören 57,7 Prozent der Bevölkerung, das entspricht etwa 5,9 Millionen Mitgliedern. Sie wird geleitet von der Erzbischöfin von Uppsala Antje Jackelén.

Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in anderen Kirchen der Reformation. In der anglikanischen Church of England wurden 2019 erstmals mehr Frauen als Männer ordiniert. 51 Prozent der Neuordinierten waren Frauen, 54 Prozent der Kleriker in Ausbildung sind weiblich. Insgesamt beträgt der Frauenanteil im Klerus dort 32 Prozent, vier Jahre zuvor lag er noch bei 28 Prozent. Bei der letzten Erhebung in der Evangelischen Kirche Deutschlands wies die Pfarrdienststatistik 2014 einen Frauenanteil von 37 Prozent bei den ordinierten Theologen im aktiven Dienst aus. Laut einer Sprecherin der EKD steigt der Anteil der Frauen kontinuierlich an. (fxn)