Französische Bischöfe sehen Wiedereinführung "Alter Messe" kritisch
Abkapselung und Spaltung befürchtet

Französische Bischöfe sehen Wiedereinführung "Alter Messe" kritisch

Der Vatikan wollte wissen, wie sich die Feier der Messe in der außerordentlichen Form bewährt hat. Die Antwort der französischen Bischöfe ist nun bekannt: Sie sehen sie überwiegend kritisch – gerade die Abkapselung ihrer Anhänger macht ihnen Sorgen.

Paris - 28.01.2021

Durch die vereinfachte Zulassung der Feier der Messe in der außerordentlichen Form sehen die französischen Bischöfe die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Kirche. Wie aus den Rückmeldungen der Bischofskonferenz auf eine Umfrage der Glaubenskongregation deutlich wird, die die Vereinigung "Paix Liturgique" veröffentlicht hat, gebe es durch das Nebeneinander der Messe in zwei Formen "zwei Welten, die sich nicht treffen". Das Motu Proprio Summorum Pontificum, mit dem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der Messe in ihrer letzten Form vor der Liturgiereform vereinfacht hatte, sei zwar gut gemeint gewesen, trage aber nicht die erhofften Früchte, so die Bischöfe.

Insgesamt haben 87 von 92 Diözesen Antworten auf den Fragebogen eingereicht, den die römische Glaubenskongregation im April 2020 an die Bischöfe gesandt hatte, um Rückmeldungen zur Umsetzung von Summorum Pontificum zu sammeln. Nur in vier Diözesen werden gar keine Messen in der außerordentlichen Form gefeiert, in den meisten Diözesen gibt es ein bis zwei Messorte, an denen zwischen 20 und 70 Personen zur Gottesdienstgemeinde gehören. Unter den Gläubigen gebe es häufig monarchistische und rigoristische Tendenzen. Einige Diözesen haben auch Personalgemeinden oder Pfarrkuratien speziell für die Feier der Messe in außerordentlicher Form eingerichtet. In 24 Diözesen werden die Messen von der Petrusbruderschaft getragen, in 18 von Diözesanpriestern, darunter ein emeritierter Bischof, in 16 durch das "Institut Christus König und Hoherpriester". Weitere kleinere Gemeinschaften sind in einzelnen Bistümern verantwortlich.

Konflikte beruhigt, aber nicht aus der Welt geschafft

Hochburgen der außerordentlichen Form sind die Bistümer Fréius-Toulon mit zehn Messorten, Paris mit sechs Pfarreien, in denen 1.100 bis 1.300 Personen teilnehmen, sowie Versailles mit sieben Standorten, an denen insgesamt 17 regelmäßige Sonntagsgottesdienste gefeiert werden. Wo die Messe in ihrer außerordentlichen Form gefeiert wird, werden in der Regel auch die anderen Sakramente nach dieser Ordnung gespendet. Schätzungen zufolge zelebriert etwa ein Prozent der Priester weltweit die Messe in außerordentlicher Form.

Einige Bischöfe berichten von Spannungen. Zwar hätte die einfachere Zulassung die Situation beruhigt, die zugrundeliegenden Spaltungen jedoch nicht beigelegt. Es sei zwar wichtig, die Form anzubieten, um eine weitere Kirchenspaltung und Abwanderung zur Piusbruderschaft zu verhindern. Eine Rückkehr von Anhängern der Piusbruderschaft in die Gemeinschaft der Kirche lasse sich aber nicht verzeichnen. Vereinzelt wurde zwar rückgemeldet, dass durch die beiden zugelassenen Formen des römischen Ritus eine Offenheit für andere Spiritualitätsformen entstanden sei, mehrheitlich werden jedoch Abkapselungstendenzen beklagt. De facto gebe es durch das Motu Proprio einen "Bi-Ritualismus" in der Kirche. "Die Eucharistie, die verbinden soll, trennt", drückt es ein Bischof aus. Positiv wurde außerdem bemerkt, dass die außerordentliche Form Chancen für eine größere Einheit mit den Ostkirchen biete. In der Aufzählung der Bischöfe überwiegen die negativen Erfahrungen mit der außerordentlichen Form die positiven deutlich.

Mehr Beteiligung am Leben der Diözese gewünscht

An Verbesserungen wünschen sich die Bischöfe vor allem eine stärkere Beteiligung der Anhänger der außerordentlichen Form am Leben der Diözese. Wünschenswert wäre für sie auch, durch einen gemeinsamen liturgischen Kalender und eine einheitliche Leseordnung für beide Formen eine größere Einheit zu schaffen. Insgesamt sprechen sich die Bischöfe aber gegen eine Weitergeltung der Erlaubnis aus dem Motu Proprio aus.

Zuvor hatte die internationale Vereinigung "Una Voce" die Ergebnisse einer weltweiten Befragung von Laien zur Feier der außerordentlichen Form vorgelegt. Die Abfrage unter den Mitgliedern der Vereinigung, die sich für die außerordentliche Form einsetzt, kam zu dem Ergebnis, dass vor allem Familien und Männer stärker erreicht würden. Auch die französischen Bischöfe geben an, dass unter den Feiernden der außerordentlichen Form vermehrt junge Familien mit vielen Kindern seien.

Auf Wunsch von Papst Franziskus hat die Glaubenskongregation im März 2020 Bischöfe weltweit zur Feier der vorkonziliaren Messform befragt. Der Papst sei daran interessiert, wie das Motu Proprio Summorum Pontificum umgesetzt werde. Aufgrund der Formulierung der Fragen sorgte die Umfrage unter Vertretern der außerordentlichen Form für Unruhe. Unter anderem wurde gefragt, ob die Feier einem echten pastoralen Bedürfnis entspringe oder nur auf das Betreiben einzelner Priester zurückzuführen sei. Zwei Drittel der französischen Bischöfe sehen ein echtes pastorales Interesse hinter den Feiern. (fxn)