Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer während eines Interviews in Regensburg am 21. Juli 2016.
Bischofskonferenz müsse gegen solche Versuche intervenieren

Voderholzer schreibt Bätzing: Demokratisierung der Kirche stoppen

Vorbehalte gegen eine Demokratisierung der Kirche äußert Bischof Rudolf Voderholzer in einem Brief an den DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing. Man müsse gegen solche Versuche intervenieren. Der Bischof bezieht sich dabei auf einen Textentwurf zum Synodalen Weg.

Regensburg - 04.02.2021

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat Vorbehalte gegen eine grundsätzliche Demokratisierung der katholischen Kirche. In einem Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), den Limburger Bischof Georg Bätzing, fordert Voderholzer die Bischofskonferenz zur Intervention gegen solche Versuche auf. Der Bischof bezieht sich auf einen Textentwurf, der bei einem Online-Hearing des Synodalen Weges diskutiert und im September in dessen Plenum eingebracht werden soll. Sein Schreiben trägt das Datum vom 2. Februar und liegt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor.

Er sei vom theologischen Niveau des Textes "schockiert", schreibt Voderholzer. Er biete eine "ideologisch verzerrte Sicht", die sich durch einzelne Korrekturen nicht verbessern lasse. Die Bischofskonferenz müsse bei ihrer Frühjahrsvollversammlung erörtern, "was getan werden kann, um den Schaden möglichst gering zu halten und nicht schon wieder eine römische Ermahnung zu erhalten".

Inhaltlich bemängelt Voderholzer unter anderem eine in dem Text formulierte "gleichberechtigte Teilhabe" der Laien mit "verbrieften Rechten" auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens einschließlich der Lehre und der Leitung. Offenbar seien inzwischen breite Kreise in der Kirche der Auffassung, dass Skandale und Erosionsprozesse durch das Fehlen demokratischer Strukturen bedingt seien. Daher rechnet Voderholzer damit, "dass der Text von einer großen Mehrheit innerhalb des Synodalen Weges begrüßt werden wird".

Es würden falsche Hoffnungen geschürt

Damit jedoch, so der Bischof, würden falsche Hoffnungen geschürt. Die katholische Kirche könne diese "von ihrem Wesen her niemals" erfüllen, auch ein neues Konzil könne derartiges nicht beschließen. Theologisch gehe der Text "von einem gegenüber dem Lehramt der vergangenen Jahrhunderte fundamental anderen Schrift-, Amts- und Kirchenverständnis aus".

Voderholzer fügt hinzu, er sei sich sicher, "dass alle Beteiligte am Synodalen Weg mit aufrichtigem Herzen versuchen, die Zukunft der Kirche positiv mitzugestalten". Deshalb mache er auch niemandem persönlich einen Vorwurf. Die theologische Tragweite des Vorgangs erfordere aber die von ihm vorgeschlagene Befassung durch die Bischofskonferenz, um deren Zusammenhalt sich Bätzing als Vorsitzender bemühe. Die Glaubenskommission der Bischofskonferenz solle auf der Basis von "mindestens zwei Gutachten von Beratern" Handlungsempfehlungen formulieren.

Nach geltendem Kirchenrecht sind die Bischöfe und der Papst verantwortlich für das kirchliche Lehramt. Die Mitwirkungsmöglichkeit der Laien, auch der Theologen, ist begrenzt. Voderholzer ist stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission der DBK sowie stimmberechtigtes Mitglied der Römischen Glaubenskongregation, deren Entscheidungen in dogmatischen Fragen weltweit maßgebend sind.

Der Regensburger Bischof gehört zu den deutlichsten Kritikern des Synodalen Wegs. Eine Reihe von Forderungen seien zum Gegenstand hoher Erwartungen geworden, "sie stehen aber klar im Widerspruch zur Lehre der Kirche und deshalb bergen sie die Gefahr der Spaltung", sagte Voderholzer im vergangenen September. Davor hatte er bereits die Wissenschaftlichkeit der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und damit die Diskussionsgrundlage des Reformprozesses infrage gestellt. Zudem wandte er sich gegen die Abhaltung von Regionenkonferenzen und stimmte gegen die Satzung des Synodalen Wegs. Am Dienstag beklagte er in einer Predigt "Stimmungsmache gegen Bischöfe" in der Gesellschaft und wandte sich gegen Kräfte, "die die Kirche nach den Vorstellungen eines demokratisch regierten Gemeinwesens umgestalten und neu erfinden wollen". In einem auf der Internetseite seines Bistums am Mittwoch veröffentlichten Brief kritisierte er die Zusammensetzung der Online-Versammlung des Synodalen Wegs und stellte die Teilnahme einiger Angemeldeter infrage. (tmg/KNA)