Jesus in der Wüste
Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Zwischen wilden Tieren und dienenden Engeln

Ausgelegt! - Der Evangelist Markus gibt nur wenig Einblick in die Versuchung Jesu, doch was er sagt, lässt Pfarrer Christoph Kreitmeir aufhorchen. Inmitten der Anfechtung und Entsagung eröffnet Jesus eine neue Wirklichkeit Gottes: Der Weg zum paradiesischen Zustand führt durch die Wüstenerfahrung.

Von Christoph Kreitmeir |  Ingolstadt - 20.02.2021

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Impuls von Christoph Kreitmeir

Kurz, knapp und knackig, so kommt das heutige Evangelium daher, kein Wort zu viel, auf den Punkt gebracht: Jesus in der Wüste, schweren Versuchungen ausgesetzt, dem Satan Aug in Aug, bei wilden Tieren und Engel dienten ihm. Und nachdem sein "Vor-Gänger" Johannes der Täufer ausgeliefert worden war, ging Jesus an die Öffentlichkeit und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes und unserer not-wendigen Umkehr. Die drei teuflischen Versuchungen, denen Jesus ausgeliefert war, werden bei Markus ganz anders als bei Matthäus und Lukas nicht genauer beschrieben.

Mich bewegt die Formulierung: "Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm." Diese Worte haben es in sich! Am Anfang, so sagt es die Bibel, gab es einen paradiesischen Zustand, wo der Mensch – Adam und Eva – sich problemlos mit Animal (Tier) und Angelus (Engel) verband bis die Urversuchung, nämlich dass der Mensch wie Gott sein wollte, ihn aus dem Paradies vertrieb.

Jesus begibt sich in die Wüste, er setzt sich dem aus, was weiß Gott paradiesfern ist, geht durch Versuchung, Leere, Anfechtung und ich weiß nicht was noch alles und kommt gereinigt und geistig gestärkt aus der Tiefe der Auseinandersetzung mit dem inneren und äußeren Schattenreich hervor. Angstfrei tritt er an die Öffentlichkeit und bringt erlösende Worte von der Anderwelt Gottes und der nötigen Umkehr des Menschen hin zum Leben ans Licht.

Jesus lebte bei den wilden Tieren… Tiefenpsychologisch gesehen setzte er sich den wilden animalischen Trieben in sich aus, durchlebte und durchlitt sie, gab ihnen aber nicht nach. Deshalb dienten ihm auch die Engel, was psychologisch wieder so viel bedeutet, dass seine geistige Dimension, seine gottebenbildliche Natur durch diese Auseinandersetzung gestärkt wurde und gleichzeitig ihm half, dem Triebhaften nicht zu erliegen. Der Mensch ist das Bindeglied zwischen animalischer und engelgleicher Natur und beide Naturen tragen wir Menschen auch in uns selbst: das Tier und den Engel.

Nach all der Entfremdung seit der Vertreibung aus dem Paradies lebt durch Jesus, dem neuen Adam, der Mensch erneut in Harmonie mit der Natur und unter dem Schutz Gottes. Der Evangelist Markus möchte uns diesen Zustand des neuen messianisch-paradiesischen Reiches, das schon durch die wunderschönen Visionen vom Wolf beim Lamm, vom Panther beim Böcklein und vielem mehr bei Jesaja (Jes 11,1–10) vorweggenommen wurde, erneut in Erinnerung rufen. Mit und durch Jesus wird diese Vision wahr, sie bekommt Hand und Fuß. Durch Wüstenerfahrungen erleben auch wir die Chance, uns selbst zu begegnen, Gott näher zu kommen und erlösende Visionen zu entdecken, zu verkünden und zu leben.

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Markus (Mk 1,12–15)

In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Der Autor

Der Priester Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.