Bischof Stephan Ackermann steht in einem Kreuzgang in Trier
Bischof Ackermann stellt Pläne in nachsynodalem Schreiben vor

Bistum Trier: 35 Pastorale Räume statt 35 Großpfarreien

Vor gut fünf Jahren hatte die Trierer Diözesansynode für eine Reform der Pfarreien votiert – doch der Weg dahin ist steinig: Proteste vor Ort und Interventionen aus Rom verzögerten das Projekt. In einem nachsynodalen Schreiben stellt Bischof Stephan Ackermann nun den neuen Plan vor.

Trier - 03.03.2021

Im Bistum Trier sollen statt Großpfarreien 35 Pastorale Räume entstehen, die aus noch zu fusionierenden größeren Pfarreien als bisher bestehen sollen. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten nachsynodalen Schreiben von Bischof Stephan Ackermann hervor, in dem der Bischof die Grundentscheidungen für die Errichtung der neuen territorialen Struktur vorstellt, nachdem die ursprünglichen Pläne von 35 Großpfarreien nach einer Intervention des Vatikan Ende 2019 zurückgenommen werden mussten. Bereits im November hatte das Bistum die Grundzüge der nun vorgestellten Pläne präsentiert. Ackermann halte es nach wie vor für "richtig und notwendig, dass es für eine Zukunftsfähigkeit unserer Pfarreien eine deutlich verbindlichere und damit wirksamere Vernetzung und Zusammenarbeit geben muss, damit die Pfarreien den ihnen zugewiesenen Auftrag im Sinne einer stärker erkennbaren missionarischen und diakonischen Kirche wahrnehmen können".

Statt 35 Pfarreien soll nun dieselbe Zahl Pastoraler Räume mit demselben Zuschnitt wie die ursprünglich geplanten Pfarreien errichtet werden, die allerdings aus mehreren Pfarreien bestehen sollen. Die Leitung der Pastoralen Räume wird von einem bis zu dreiköpfigen Team aus Hauptamtlichen ausgeübt, das von einem Pfarrer "in kollegialer Weise" geleitet wird. Eine Beteiligung von bis zu zwei Ehrenamtlichen an der Leitung wird für einen späteren Zeitpunkt angestrebt.

Zugleich fordert der Bischof die Pfarrer und Gremien der bisherigen Pfarreien auf, Pfarreifusionen vorzubereiten. Derzeit gibt es in Trier gut 900 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften zusammengeschlossen sind. Die neuen Pfarreien sollen "vorzugsweise" aus den bisherigen Pfarreiengemeinschaften entstehen, aber auch neue größere oder von den bisherigen Strukturen abweichende Zuschnitte sind denkbar. Gegenüber katholisch.de betonte die Bistumssprecherin Judith Rupp,dass darüber hinaus bewusst keine genauen Vorgaben zu den Pfarreifusionen gemacht wurden, um möglichst freie und für die Situation vor Ort passende Lösungen zu ermöglichen. Dieser Prozess soll spätestens bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Die neuen Pastoralen Räume sollen dann auch schrittweise die bisherigen Dekanate ablösen.

Ackermann sieht sich durch Pfarreien-Instruktion bestätigt

Die administrativen Aufgaben der Pfarreien, die bisher auf Ebene der Pfarreiengemeinschaften durch Kirchengemeindeverbände organisiert wurden, sollen künftig auf Ebene der Pastoralen Räume angesiedelt sein. Die neuen Kirchengemeindeverbände der Pastoralen Räume sind auch Empfänger der diözesanen "Schlüsselzuweisungen", also der finanziellen Mittel, und entscheiden über die Verteilung im Pastoralen Raum. Die Zusammenschlüsse von Pfarreien und die Errichtung der neuen Räume soll am 1. Januar 2022 beginnen.

In seinem Schreiben sieht Ackermann die Stoßrichtung der von der Trierer Diözesansynode (2013–2016), auf die die Pfarreienreform zurückgeht, durch die Pfarreien-Instruktion der Kleruskongregation aus dem vergangenen Jahr bestätigt. "Mit der Betonung des missionarischen und diakonischen Einsatzes sowie der lokalen und sozialräumlichen Orientierung, die dazu auffordern, eine selbstgenügsame Binnenschau des pfarrlichen Lebens zu überschreiten, berührt sich die Vision der Synode mit den Perspektiven, die die Instruktion entfaltet", so Ackermann. Schon zuvor hatte er betont, dass die Grundausrichtung der Diözesansynode weiterhin bei dem Reformprozess leitend sein soll.

Die Diözesansynode hatte ursprünglich die Errichtung von etwa 60 Großpfarreien empfohlen. Im Nachgang der Synode wurde diese Zahl auf 35 reduziert. Die Pläne zur Pfarreienreform stießen im Bistum auf massiven Widerstand und Proteste. Dies führte schließlich zu verschiedenen Interventionen bei den römischen Behörden, die Gehör fanden und zur vorläufigen Rücknahme der Dekrete zur Errichtung neuer Pfarreien führten, mit denen die ersten 15 Großpfarreien zum 1. Januar 2020 hätten errichtet werden sollen. Bemängelt wurde vor allem die Rolle des Pfarrers als Teil eines Leitungsteams mit Laien und die Stellung der anderen Priester in den Großpfarreien. Nach dem vorläufigen Stopp aus Rom kamen der Bischof und die Kleruskongregation im vergangenen Jahr in Gesprächen zu dem Ergebnis, dass von dem ursprünglich vorgesehenen Plan ganz abgesehen werden müsse. (fxn)