Nach Beschwerde: Vatikan setzt Pfarreienreform in Trier aus
Kleruskongregation schreibt Bischof Stephan Ackermann

Nach Beschwerde: Vatikan setzt Pfarreienreform in Trier aus

Rom stoppt vorerst die geplante Pfarreienreform im Bistum Trier: Grund seien Beschwerden einer Priestergemeinschaft sowie ein Antrag "einiger Gläubiger" zur Überprüfung der Pläne. Das Ganze geschieht nur einen Tag, nachdem Bischof Stephan Ackermann die entsprechenden Dekrete zur Umsetzung veröffentlicht hat.

Trier - 22.11.2019

Der Vatikan hat die geplante Pfarreienreform im Bistum Trier vorerst gestoppt. Die römische Kleruskongregation habe den Vollzug des "Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013-2016" ausgesetzt, "damit der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte eine sorgfältige Durchsicht und Prüfung des Gesetzes durchführen kann", teilte die Diözese am Donnerstag mit. Die Nachricht habe Bischof Stephan Ackermann am selben Tag erreicht. Auslöser war demnach die Beschwerde der Priestergemeinschaft "Unio Apostolica" bei der Kleruskongregation. Zudem liege dem Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte der Antrag einiger Gläubiger aus dem Bistum vor, die Übereinstimmung des Umsetzungsgesetzes mit dem universalen Kirchenrecht zu prüfen.

Ackermann werde nun – wie von der Kongregation erbeten – zu der Beschwerde der Priestergemeinschaft Stellung nehmen, hieß es weiter. Generalvikar Ulrich von Plettenberg werde zugleich zusammen mit den Verantwortlichen im Bischöflichen Generalvikariat prüfen, welche Konsequenzen die Aussetzung des Vollzugs habe und welche Maßnahmen nötig seien. Für die Seelsorge vor Ort habe das römische Schreiben keine direkten Auswirkungen. Die Mitarbeitenden des Bistums würden informiert, so das Bistum.

Als erste Maßnahme seien geplante Pfarreiratswahlen ausgesetzt worden, teilte das Bistum am Freitag mit. Deren Durchführung würden gegen die verfügte Aussetzung verstoßen, hieß es zur Begründung. Betroffen seien die für das Wochenende geplanten Wahlen in Neuwied (Freitag), Völklingen und St. Wendel (Samstag) und Idar-Oberstein (Sonntag).

Erst am Mittwoch Dekrete veröffentlicht

Erst am Mittwoch hatte Ackermann die Dekrete veröffentlicht, mit denen die ersten 15 der 35 "Pfarreien der Zukunft" der Diözese zum 1. Januar 2020 offiziell errichtet werden sollten. Gleichzeitig sollten die bisherigen Pfarreien auf den Gebieten aufgelöst werden. Die Beschlüsse sollten im Anschluss den amtierenden Pfarrern sowie den Pfarreigremien, Verwaltungsräten und Verbandsvertretungen zugestellt werden. Die reformkritische Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" rief die Gläubigen gleichzeitig zu Beschwerden auf.

Die geplante Pfarreienreform des Bistums sieht vor, dass die 887 Pfarreien und 172 Pfarreiengemeinschaften durch 35 sogenannte Pfarreien der Zukunft ersetzt werden. "Kirchengemeinde vor Ort" hatte wiederholt gegen die Pfarreienreform protestiert und unter anderem eine Befragung von 500 Katholiken im Bistum veröffentlicht, wonach sich 61 Prozent dafür aussprachen, als Kompromiss vorerst bei der aktuellen Struktur bleiben zu wollen.

Das Bistum Trier kritisierte die Umfrage und sprach von einem "tendenziösen Vorgehen" der Initiative und einer "nicht aussagekräftigen" Art der Befragung. Das Bistum betont, dass es bei den Reformen primär um eine Neuausrichtung des kirchlichen Lebens als Frucht der Diözesansynode (2013-2016) gehe. Neben strukturellen seien vor allem auch die inhaltlichen Neuerungen von Bedeutung. Hierzu hätten mehrere Gruppen bis zum Sommer gearbeitet und Vorschläge vorgelegt. Diese würden im Herbst und Winter beraten und dann in die Umsetzung gebracht. (tmg)

22.11., 10:50 Uhr: Ergänzt um Absatz 3.

Brief der Kleruskongregation

Hier finden Sie den Brief der Kleruskongregation im Wortlaut.