Gerhard Feige im Portrait
Ziel der "vollen sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit"

Bischof Feige: Reformprozesse in der Kirche wichtig für Ökumene

Reformbestrebungen wie der Synodale Weg hätten auch im Blick auf die Ökumene großes Potenzial, betont der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Der Ökumenebeauftragte der DBK hofft, dass etwa eine stärkere Betonung der Synodalität den Dialog beflügelt.

Weimar/Magdeburg - 21.07.2021

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sieht in den katholischen Reformbestrebungen "zukunftsweisendes Potenzial für die Ökumene". In einem Gastbeitrag für die in Weimar erscheinende Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (Ausgabe 25. Juli) verweist er auf den "Synodalen Weg" in Deutschland und den von Papst Franziskus eröffneten weltweiten synodalen Prozess. Dort würden "Perspektiven hin zu einer Betonung des Bischofskollegiums in der Gemeinschaft mit dem Papst und hin zu einer Stärkung der Stimme des ganzen Gottesvolkes erkennbar", schreibt der Ökumenebischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Noch sei jedoch "nicht absehbar, wohin diese Aufbrüche führen", räumt er zugleich ein.

Feige äußert die Hoffnung, "dass eine Bewegung, die der Synodalität mehr Gewicht gibt, auf unterschiedliche Weise den ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie und mit den evangelischen Traditionen beflügeln wird". Er wünscht sich, "dass die Stärkung der Synodalität innerhalb der katholischen Kirche einhergeht mit der Suche nach kirchen- und konfessionsübergreifenden synodalen Strukturen". Ziel solle sein, "die bereits gegebene Einheit noch sichtbarer zu machen und auf dem Weg zur vollen sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit, die das Ziel der Ökumene ist, weiter voranzukommen".

"Nicht unberührt von Entwicklungen"

Die Ökumene bleibe aber "nicht unberührt von Entwicklungen, die sich zurzeit innerhalb der Kirchen vollziehen", so Feige weiter. So sei die katholische Kirche "nicht nur hierzulande in einer tiefen Krise". Das hänge mit dem sexuellem Missbrauch durch Geistliche und Säkularisierungstendenzen zusammen, "die den christlichen Glauben und mit ihm die Kirchen sowie allgemein Religion und Glaube radikal infrage stellen". Angesichts dessen stünden die Kirchen "vor vergleichbaren Herausforderungen".

Den bereits bestehenden Kontakten zwischen den Konfessionen stellt Feige ein gutes Zeugnis aus. "Die Ökumene in Deutschland lebt", betont er. Das gelte für das Miteinander der Gläubigen und für die Kontakte der Kirchenleitungen, zwischen denen "wertvolle und verlässliche Beziehungen" entstanden seien. Ein ähnliches Bild zeigten auch die ökumenischen Kontakte der katholischen Kirche auf Weltebene. Feige ruft dazu auf, die theologischen Diskussionen intensiv weiterzuführen, "um bislang erreichte Annäherungen bewusst zu halten und weiter zu vertiefen". (KNA)