Unzufriedenheit über Synodalen Weg: Voderholzer startet neue Homepage
Seite soll alternative Ideen zum Reformprozess bieten

Unzufriedenheit über Synodalen Weg: Voderholzer startet neue Homepage

"Die Zusammensetzung der Foren der Synode und ihre Diskussionskultur erschweren einen angemessenen Dialog": Aus Unzufriedenheit über den Synodalen Weg startet der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eine neue Webseite – mit Alternativvorschlägen.

Regensburg - 03.09.2021

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer startet aus Unzufriedenheit mit dem Synodalen Weg eine eigene Internetseite mit alternativen Texten zum kirchlichen Reformprozess. Die Seite www.synodale-beitraege.de ist am Freitag online gegangen. "Die Zusammensetzung der Foren der Synode und ihre Diskussionskultur erschweren einen angemessenen Dialog", heißt es in einer Mitteilung der Diözese. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte vorab darüber berichtet.

Der erste Beitrag auf der Internetseite ist ein 36 Seiten langes Dokument mit dem Titel "Vollmacht und Verantwortung". Die Autoren sind die Theologin und Journalistin Alina Oehler, die Theologieprofessorin Marianne Schlosser aus Wien, der Augsburger Weihbischof Florian Wörner und der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. Sie zeigen sich "unzufrieden mit dem Inhalt des in ihrem Forum diskutierten und verabschiedeten Textes", heißt es in der Mitteilung des Bistums. Es bezieht sich auf das Synodalforum zum Thema "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche".

Spaltungen in der Kirche

In dem Text heißt es, der kirchliche Missbrauchsskandal stehe "in keinem gesicherten Zusammenhang" mit der Sexualmoral oder den Machtstrukturen innerhalb der Kirche. "Eine solche Verquickung der Interessen dient nicht dem ernsten Anliegen, mit dem der Synodale Weg begonnen wurde." Die Autoren würden die Gefahr von Spaltungen "innerhalb der deutschen Kirche ebenso wie in ihrem Verhältnis zum Vatikan und zur Weltkirche" sehen. Sie schlagen vor, dass sich Klerus und Laien "von Gottes Wort auf einen Weg der echten Umkehr und geistlichen Erneuerung führen lassen".

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Die Verfasser befürworten angesichts sinkender Mitgliederzahlen eine "strukturelle Erneuerung angesichts sichtbarer Mängel", lehnen aber eine demokratische Gewaltenteilung ab, da dies mit der "Kirchenleitung nicht zu vereinbaren" sei. Von Vertretern der Kirche fordern sie jedoch "ein Handeln, das durch Transparenz und Verlässlichkeit sowie nicht zuletzt durch persönliche Glaubwürdigkeit und moralische Integrität gekennzeichnet ist". Die Autoren fordern zudem eine bessere Kommunikation in der Kirche und Anlaufstellen für Menschen, die Opfer von Machtmissbrauch innerhalb der Kirche geworden sind. Gemeindemitglieder sollten bei der Ernennung von Pfarrern die Möglichkeit bekommen, ihre Erwartungen an einen Kandidaten gegenüber der Bistumsleitung zur Sprache zu bringen.

Der am Freitag veröffentlichte Text ist der erste in einer Reihe weiterer Artikel, die sich den Themen der anderen Synodalforen widmen. Das Bistum teilte mit, Voderholzer hoffe auf folgende Beiträge, die sich auch Fragestellungen widmeten, die nicht beim Synodalen Weg diskutiert würden. Dies könnten etwa die Punkte "Bewahrung der Schöpfung", "missionarische Pastoral" oder "Kirchesein in postpandemischer Zeit" sein. Der Regensburger Bischof verwies in diesem Zusammenhang zudem auf den alternativen Satzungsentwurf zum Reformprozess von ihm und dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Themen vorsehe, die eine große Bedeutung für die Kirche besäßen.

Alternativen zu Texten des Synodalen Wegs vorstellen

Der gemeinsame Nenner aller Beiträge müsse sein, "Anregungen zu formulieren, die geeignet seien, dem Vertrauensverlust und der Glaubenserosion entgegenzuwirken". Die theologischen Argumente müssten dabei seriös begründet werden. Bei Reformüberlegungen sei im Sinne der Weltkirche zu denken, damit die Einheit mit dem Papst gewahrt bleibe: "Ich bin der Überzeugung, dass nur ein Synodaler Weg gut und zielführend ist, der mit und in der ganzen Kirche gegangen wird", so Voderholzer. Zu den vom Synodalen Weg vorgelegten Texten gebe es gute Alternativen, die er auf der neuen Internetseite vorstellen wolle. "Der Text 'Vollmacht und Verantwortung' zeigt beispielhaft, dass es tragfähige Argumente und zielführende Wege für Reformüberlegungen gibt, die sich nicht in Strukturdebatten oder Sonderwegen erschöpfen."

Der Synodale Weg wurde 2019 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ins Leben gerufen, um die Gründe für den kirchlichen Missbrauchsskandal aufzuarbeiten. Gleichzeitig will sich die Kirche in Deutschland mit dem Reformprozess auf einen Weg der Erneuerung begeben. Zu den vier Hauptthemen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche gibt es inhaltliche Foren. Befürworter des Synodalen Wegs hoffen auf die Umsetzung von weitreichenden Reformen, Kritiker befürchten eine Spaltung der Kirche. Die mehr als 200 Synodalen treffen sich vom 30. September bis zum 2. Oktober in Frankfurt am Main zu ihrer nächsten Vollversammlung. (rom)

3.9., 12:50 Uhr: Ergänzt um weitere Details.