Blick durch Türspalt bei der Synodalversammlung
Das war der erste Tag der Synodalversammlung

Der Synodale Weg zwischen Wut und Zuversicht

Die großen Diskussionslinien beim Synodalen Weg traten auch beim ersten Tag der Synodalversammlung offen hervor. Eine Stunde standen unter anderem die Papstentscheidungen der vergangenen Wochen und Monate im Fokus – und brachten auch tieferliegende Konflikte an die Oberfläche.

Von Christoph Brüwer und Moritz Findeisen |  Frankfurt - 30.09.2021

"Wir sind wieder da. Der Synodale Weg geht weiter und er geht weiter in Frankfurt." Große Freude klang bei den Worten von Bischof Georg Bätzing an, als dieser am Donnerstag die Pressekonferenz zur Synodalversammlung eröffnete – ausgerechnet im Raum "Harmonie" des Congress Centers in der Frankfurter Messe. Zum ersten Mal seit über eineinhalb Jahren trafen sich alle Synodalen an einem Ort. Corona habe den Synodalen Weg zwar ausgebremst, aber nicht gestoppt, sagte Bätzing. Er sei zuversichtlich, "dass wir ganz stark zusammenbleiben."

Von dieser "Harmonie" war kurz darauf in der Synodalaula nicht mehr viel zu spüren. Eine Stunde räumte das Synodalpräsidium in der ohnehin vollen Tagesordnung ein, um sich über die jüngsten Personalentscheidungen des Papstes auszusprechen. Die mitunter von Zorn und Nachdruck geprägten zahlreichen Redebeiträge zeigten den gewachsenen Vertrauensverlust in der katholischen Kirche. Die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken benannte Synodale Viola Kohlberger erklärte, dass sie sich nach der Entscheidung des Papstes zu Kardinal Rainer Maria Woelki nicht sicher war, ob sie überhaupt zur Synodalversammlung anreisen wollte.

Overbeck: Klare Kriterien für Umgang mit Fehlern und Rücktritten

Sie sei mit mehr Wut als Liebe nach Frankfurt gekommen, sagte auch Gudrun Lux, die als Einzelpersönlichkeit in die Synodalversammlung gewählt wurde. In der Kirche werde mit zweierlei Maß gemessen: Während bei Gläubigen und Kirchenangestellten strenge Moralvorstellungen angelegt und sanktioniert würden, blieben die Verfehlungen von Bischöfen oft ohne Konsequenzen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck plädierte in Bezug auf bischöfliche Verantwortung dafür, klare Kriterien zu entwickeln, welche Fehler einen Rücktritt unumgänglich machten und dabei zwischen systemischer und persönlicher Schuld zu unterscheiden. Solche Überlegungen müssten Teil der Beratungen in den beiden Synodalforen Macht und Priesterliche Existenz sein.

Der junge Synodale Lukas Nusser kritisierte, dass viele Bischöfe bei Begegnungen vor dem Frankfurter Congress Centrum dem Gespräch mit anderen Mitgliedern des Synodalen Wegs aus dem Weg gegangen seien.

Vor zweiter Synodalversammlung: Wie kann man die Gräben überwinden?

Richtungsentscheidungen stehen an bei der zweiten Versammlung des Synodalen Wegs, die an diesem Donnerstag in Frankfurt beginnt. Insgesamt 16 Texte werden von den Synodalen beraten und diskutiert. Es geht um nicht weniger als die Zukunft und die Einheit der Kirche. Streit ist dabei vorprogrammiert.

Daneben gab es auch Wortmeldungen, die die Verurteilung von Minderheitsmeinungen kritisierten. Das Bischofsamt sei beschädigt, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. "Trotzdem finde ich es schwierig, wenn jetzt gesagt wird, wenn ihr den Texten des Synodalen Wegs nicht zustimmt, dann seid ihr weiter am Missbrauch schuld." Der Berliner Erzbischof Heiner Koch mahnte ebenfalls an, dafür Sorge zu tragen, dass alle Meinungen Raum in der Diskussion hätten.

ZdK-Mitglied Ursula Becker versuchte die Stimmung der emotional aufgeladenen Aussprache aufzugreifen und rief zu einem "stillen Zeichen" auf: Zu den Worten des Magnificat, das Becker als "Hoffnungslied" ankündigte, erhob sich etwa die Hälfte der Synodalen. In der Gesamtwahrnehmung verhallte dieses Protestzeichen von reformorientierten Synodalvertretern in der spärlich beleuchteten Synodalaula allerdings in Stille.

Ein kritisches Warmup hatten katholische Reformgruppen und Frauenverbände bereits am Donnerstagmittag gegeben: Christian Weisner von der Initiative "Wir sind Kirche" sagte, er sehe zwar positive Anzeichen, dass das Problembewusstsein auch bei der Mehrheit der Bischöfe gewachsen sei. Damit die Kirche in Deutschland nicht in der Bedeutungslosigkeit versinke, brauche es nun aber konkrete Reformfortschritte. Die Kirche sei "zu wichtig, als dass wir sie nur den Klerikern überlassen können", so Weisner. Monika Humpert von der Initiative "Maria 2.0" beklagte, dass bischöfliche Rücktritte als Zeichen der Verantwortungsübernahme in der Kirche nicht vorgesehen seien. Dieses Amtsverständnis begünstige "Arroganz und Klerikalismus und wird in einer modernen Gesellschaft nicht mehr akzeptiert".

Nur ein Antrag nicht angenommen

Auffällig geschlossen zeigte sich die Synodalversammlung bei den ersten Abstimmungen: Von insgesamt 15 Änderungsanträgen, die die Antragskommission zuvor zu dem Präambel- und dem theologischen Orientierungstext zusammengefasst hatte, wurden bis auf einen alle mit großer Mehrheit angenommen. Beide Texte wurden damit als Beratungsgrundlage für die weitere inhaltliche Arbeit bestätigt. Von verschiedensten Stimmen wurde deren Qualität gelobt; die Änderungsanträge bezogen sich zumeist auf begriffliche Differenzierung und thematische Schärfung. Die Abstimmungen hinterließen dabei den Eindruck, die Synodalversammlung wolle mit diesen sehr mehrheitsfähigen Texten zu Beginn positive Schwingungen für die zukünftig wohl rauer verlaufenden Debatten sammeln.

Bei der Synodalversammlung warf Bischof Bätzing auch einen Blick nach Rom. Synodalität, Partizipation und Mission seien zentrale Themen des weltweiten Synodalen Wegs. "Ein synodaler Weg auf Ebene der Weltkirche, der mit dem gesamten Gottesvolk gegangen werden soll", so Bätzing. Inwieweit die beim Synodalen Weg behandelten Punkte dort aufgegriffen werden, wird sich zeigen. In Richtung Papst formulierte Bätzing: "Heiliger Vater, wir bearbeiten hier nicht Texte, sondern schreiben Träume auf, die wachsen sollen."

Von Christoph Brüwer und Moritz Findeisen