Franz-Josef Overbeck lacht in die Kamera
Nicht mehr viele Menschen, die bisherige Praxis noch für richtig hielten

Bischof Overbeck befürwortet eine Öffnung von Weiheämtern für Frauen

Für die meisten Menschen "ist die bisherige Ämterpraxis und der Zugang zu ihnen in der Kirche faktisch nicht mehr nachvollziehbar", mahnt der neue Vorsitzende der DBK-Glaubenskommission, Bischof Franz-Josef Overbeck. Er befürwortet zudem mehr Mitbestimmung von Laien, wie bei der Wahl eines Bischofs.

Düsseldorf - 28.09.2021

Der neue Vorsitzende der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Franz-Josef Overbeck, spricht sich für Weiheämter für Frauen aus. "Für Menschen mit der tiefen Überzeugung von der Gleichheit aller Menschen ist die bisherige Ämterpraxis und der Zugang zu ihnen in der Kirche faktisch nicht mehr nachvollziehbar", sagte Overbeck am Dienstag im Interview der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (online). Es gebe nicht viele Menschen, die die bisherige Praxis noch für richtig hielten. "Beim weitaus größten Teil findet es keinerlei Zustimmung mehr, dass das Weiheamt ausschließlich Männern vorbehalten sein soll."

Der Essener Bischof ist auch Co-Vorsitzender eines Forums des Reformprozesses Synodaler Weg, bei dem sich die katholische Kirche in Deutschland mit den Themen Macht und Gewaltenteilung in der Kirche beschäftigt. Am Donnerstag beginnt in Frankfurt die zweite Synodalversammlung. Overbeck befürwortet mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten von Laien etwa bei der Wahl eines neuen Bischofs. Sein Forum wolle die Beteiligung aller, die zum Volk Gottes gehörten, anregen.

Synodaler Weg könne Enttäuschung werden, wenn...

Dass auf dem Synodalen Weg viele Meinungen zusammenkämen, empfinde er als "völlig normal", so der Bischof. Am Ende solle ein gemeinsames Ergebnis stehen. Kirchliche Themen könnten in einer von der postmodernen Lebensweise geprägten Welt nicht mehr eindimensional behandelt werden. "Wir werden in der Weltkirche künftig auf ähnliche Fragen sehr unterschiedliche Antworten geben müssen, allein schon weil der Kontext verschieden ist."

Der Synodale Weg kann laut Overbeck zu Enttäuschung führen, etwa wenn demokratische Standards nicht übersetzt werden könnten. Diese seien die Menschen in Deutschland gewohnt. Wer sich jedoch bewusst sei, einer 2.000 Jahre alten Gemeinschaft von Gläubigen anzugehören, werde sich mit Klugheit und Gelassenheit "über jeden Schritt nach vorne freuen".

Im Synodalen Weg beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter seit 2019 über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal verschärft hat. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Zuletzt war verstärkt Kritik am bisherigen Synodalen Weg aufgekommen. So rief der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eine Homepage mit Alternativvorschlägen zum Reformprozess ins Leben. (tmg/KNA)