Ein Weihnachtsengel aus Atemschutzmasken gebastelt hängt mit Christbaumschmuck in einem Weihnachtsbaum.
Die Kirchen experimentieren mit 2G- und 3G-Gottesdiensten

Wie Weihnachten feiern in der vierten Welle?

Das zweite Pandemiejahr geht auf Weihnachten zu, die vierte Infektionswelle türmt sich immer steiler auf. Noch ist unklar, welche Regeln für Gottesdienste abschließend gelten werden. Es gilt abzuwägen zwischen freiem Zugang und größerer Kapazität.

Von Christoph Scholz und Christoph Renzikowski (KNA) |  Berlin - 13.11.2021

Wie Weihnachtsgottesdienste feiern im zweiten Corona-Jahr? Die Inzidenzzahlen gehen mancherorts durch die Decke, Krankenhäuser und Intensivstationen hissen die weiße Fahne. Die vierte Welle betrifft vor allem Nichtgeimpfte, dazu verletzliche Gruppen, deren Impfschutz nachlässt.

SPD, Grüne und FDP wollen die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" Ende November auslaufen lassen. Am Donnerstag berät der Bundestag den Reformentwurf des Infektionsschutzgesetzes. Ein erneuter Lockdown wäre demnach ausgeschlossen und damit auch ein Verbot von Präsenzgottesdiensten.

Die Ampel-Parteien wollen mit der Reform den Ländern Instrumente an die Hand geben, um auf wechselnde Lagen flexibel reagieren zu können. Dazu gehören 3G- und 2G-Regeln (also größere Freiheiten für Geimpfte und Genesene, bei 3G auch für Getestete), Hygieneregeln wie Maskenpflicht oder Abstandsgebote sowie Auflagen etwa für Schulen, Restaurants, Museen oder Hotels.

Freier Gottesdienstbesuch oder Zugangsbeschränkung?

Nach dem Gottesdienstverbot zu Ostern 2020 und mancher Kritik an vermeintlich vorauseilendem Gehorsam hatten die katholischen Bischöfe auf Präsenzgottesdiensten beharrt. Dabei konnten sie sich auf das Bundesverfassungsgericht stützen, das Verbote als schwere Eingriffe in das Grundrecht auf Religionsfreiheit bewertete. Mit Hygienemaßnahmen wie Abstandhalten, Masken oder besonderer Vorsicht beim Austeilen der Kommunion wurde die Ansteckungsgefahr erfolgreich eingedämmt.

Bei der bislang letzten Videoschalte zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der Länder wurde denn auch die Forderung gestrichen, wonach Ungeimpfte beim Besuch von Gottesdiensten nachweislich negativ getestet sein müssen. Das entspräche der 3G-Regel. Der Vertreter der katholischen Bischofskonferenz in Berlin, Karl Jüsten, hatte dagegen auf die "bewährte Praxis" und den hohen Wert der Religionsfreiheit verwiesen.

Die Spitzenvertreter und Parteivorsitzenden von SPD, Grünen und FDP befinden sich aktuell in Koalitionsverhandlungen für eine neue Regierung. Die Parteien wollen die "epidemische Lage" Ende November auslaufen lassen. Damit würden viele Entscheidungsbefugnisse in der Pandemiebekämpfung an den den Bundestag und die Länder zurückfallen.

Viele Diözesen ergänzen nun diese "bewährte Praxis" eines freien Zugangs zu Gottesdiensten unter Einhaltung eines hohen Hygienestandards durch die Möglichkeit, Gottesdienste auch nach 3G oder 2G-Regeln anzubieten. Die Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn verständigten sich etwa darauf für die Feier von Weihnachten und Silvester.

Nach den Vorgaben müssen Teilnehmer nicht mehr auf Abstand zum Sitznachbarn gehen und brauchen auch keinen Mund-Nase-Schutz zu tragen, wenn sie Platz genommen haben. Die Kirchen dürfen voll besetzt werden und Chöre sowie Gemeinden ohne Masken singen. Fast so wie vor der Pandemie. Und als gäbe es keine Impfdurchbrüche. Vorsorglich betonte der Münsteraner Generalvikar Klaus Winterkamp, dass sich alle Vorgaben für NRW bis Weihnachten noch ändern können.

Mit ihren jetzigen Vorgaben folgen sie offenbar auch Landesempfehlungen. Allerdings widerspricht diese Praxis den Ratschlägen des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Egal, ob bei 2G oder 3G: Das Verhalten der Anwesenden ist ein entscheidender Faktor, um Infektionen zu vermeiden. Die AHA + L Regeln sollten weiter eingehalten werden, auch von Geimpften", heißt es in einem RKI-Flyer für öffentliche Veranstaltungen.

Inzidenzen und Krankhausauslastung in Bayern besonders hoch

Selbst Kinobetreiber und Konzertveranstalter gehen inzwischen vermehrt dazu über, ihren geimpften oder genesenen Gästen zu empfehlen, die Maske aufzubehalten. In Bayern gibt es die Möglichkeit von 3G-Gottesdiensten bereits seit Anfang September, allerdings war zumindest eine medizinische Maske während des gesamten Gottesdienstes Pflicht. Die Bistümer haben die Entscheidung den Pfarrgemeinden überlassen. Dem Vernehmen nach gibt es nur wenige, die davon Gebrauch machen.

Inzwischen hat im Freistaat die Krankenhausampel innerhalb weniger Tage von Grün auf Rot umgeschaltet, für die Veranstaltungsbranche haben sich die Regeln verschärft, von 3G auf 2G. Gottesdienste sind davon ausgenommen, aber die Bistümer haben ihre Anweisungen an die Pfarreien angepasst. Wo bisher eine medizinische Maske genügte, ist jetzt wieder ein FFP2-Schutz Pflicht, aus 3G wurde 3Gplus. Das heißt, statt Schnell- oder Selbsttests muss ein gültiger PCR-Test vorgelegt werden.

Der nächste größere 3Gplus-Gottesdienst ist für 20. November auf dem Freisinger Domberg angekündigt. Leiten will ihn Kardinal Reinhard Marx unmittelbar nach Ablauf seiner Quarantäne. Marx hat sich vergangene Woche mit Corona infiziert, trotz doppelter Impfung. In der Ankündigung heißt es: Alle müssen eine FFP2-Maske tragen. Um Präsenzgottesdienste zu Weihnachten müssen sich Gläubige unter den gegebenen Voraussetzungen offenbar keine Sorgen machen. Über die Form ist aber das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen.

Von Christoph Scholz und Christoph Renzikowski (KNA)