Oberhirte und Generalvikar sollen in "bescheidenere" Wohnungen ziehen

Bistum verkauft Bischofshaus für Missbrauchsentschädigung

Aktualisiert am 13.12.2021  –  Lesedauer: 

Paris ‐ Man wollte unbedingt vermeiden, Gelder für Pfarreien oder Seelsorge für Missbrauchsentschädigungen zu beschneiden. "So fiel die Wahl auf das Bischofshaus." Bischof und Generalvikar des französischen Bistums Creteil werden künftig bescheidener wohnen.

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Das französische Bistum Creteil im Großraum Paris will das Bischofshaus verkaufen, um den Entschädigungsfonds für Opfer sexuellen Missbrauchs aufzustocken. Die Ankündigung von Bischof Dominique Blanchet wurde am Wochenende in allen Gottesdiensten der Diözese verlesen, wie die Zeitung "La Croix" (Montag) berichtet.

"Wir hatten nicht viele Möglichkeiten, einen institutionellen Beitrag zu leisten, weil wir ein junges Bistum sind", erläutert Sprecherin Carine Cloix. Zudem habe man unbedingt vermeiden wollen, Gelder für Pfarreien oder Seelsorge zu beschneiden. "So fiel die Wahl auf das Bischofshaus mit rund 250 Quadratmetern im Stadtzentrum."

Verkauf solle mindestens mehrere hunderttausend Euro einbringen

Neben dem Bischof ist dort laut Bericht derzeit auch der Generalvikar untergebracht. Beide sollen bis spätestens September 2022 in "bescheidenere" Wohnungen ziehen. Der Verkauf solle mindestens mehrere hunderttausend Euro einbringen.

Derzeit ist rechtlich noch nicht endgültig geklärt, wie französische Diözesen den Hilfsfonds zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch (Selam-Fonds) direkt finanzieren können. Die meisten ihrer Einkünfte sind rechtlich an die weitere Finanzierung der kirchlichen Kernaufgaben gebunden. Eine Klärung zwischen staatlicher Verwaltung und Bischofskonferenz ist laut Bericht im Gange.

Die jüngst veröffentlichte Studie zu Missbrauch in der katholischen Kirche in Frankreich hatte für Bestürzung gesorgt. Der Abschlussbericht der unabhängigen Untersuchungskommission schätzt die Zahl minderjähriger Opfer sexueller Übergriffe durch Priester, Ordensleute und Mitarbeiter der Kirche seit 1950 auf bis zu 330.000. Man habe zudem zwischen 2.900 und 3.200 potenzielle Täter ermittelt, so das Ergebnis. (tmg/KNA)