Studie sprach von bis zu 330.000 Opfern

Frankreichs Bischöfe stellen Maßnahmen gegen Missbrauch vor

Aktualisiert am 08.11.2021  –  Lesedauer: 

Lourdes ‐ Die Missbrauchsstudie zur Kirche in Frankreich wartete mit schockierenden Zahlen auf. Auf ihrer nun zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung haben die Bischöfe des Landes Maßnahmen vorgestellt, wie sie sexualisierter Gewalt entgegenwirken wollen.

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Mit neu eingerichteten Arbeitsgruppen wollen die französischen Bischöfe den sexuellen Missbrauch in der Kirche aufarbeiten und künftigen Fällen vorbeugen. Die jeweils von Laien geleiteten Gruppen sollen Verwaltung und Strukturen in den einzelnen Diözesen analysieren und konkrete Änderungsvorschläge machen, teilte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe am Montag in Lourdes mit.

Zum Arbeitsfeld der Gruppen zählen demnach unter anderem eine Vereinfachung der innerkirchlichen Strukturen und eine Stärkung der synodalen Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Darüber soll ein regelmäßiger Austausch mit dem Rat und den Gremien der Bischofskonferenz bestehen. Zudem will die Kirche in Frankreich einen Fonds für Anerkennungs- und Entschädigungszahlungen an Missbrauchsbetroffene einrichten. Die notwendigen Gelder soll eine neu eingerichtete Kommission aus dem Verkauf von Kirchengütern aufbringen, erklärte de Moulins-Beaufort. Zusätzlich sei die Aufnahme eines Kredits geplant.

Zuvor wiederholte der Erzbischof von Reims die bereits am Freitag bekannte institutionelle Verantwortung der Kirche für Fälle des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen. Dieser war in einer Anfang Oktober vorgestellten Studie von einer Unabhängigen Untersuchungskommission zu sexuellem Missbrauch in der Kirche (Ciase) aufgearbeitet worden, die die Bischöfe im November 2018 in Auftrag gegeben hatten. Der Bericht rechnete für den Zeitraum seit 1950 auf wissenschaftlicher Basis auf rund 216.000 Opfer sexueller Übergriffe durch Priester, Ordensleute und Kirchenmitarbeiter hoch. Man habe zwischen 2.900 und 3.200 potenzielle Täter ermittelt, hieß es. Nimmt man Laien und Kirchenmitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen, Schulen, Pfarreien und Katechese hinzu, so kommt die Kommission sogar auf geschätzt 330.000 Opfer. Der nach dem Vorsitzenden der Untersuchungskommission, dem früheren Richter Jean-Marc Sauve, benannte Report hatte zu großer Bestürzung geführt.

"Realität der Kirche enthüllt, die wir nicht sehen wollten"

Der Sauve-Report habe "eine Realität der Kirche enthüllt, die wir nicht sehen wollten", so de Moulins-Beaufort. Die nun getroffenen Entscheidungen sollen deshalb umfangreiche Veränderungen herbeiführen, in der Art und Weise, wie sowohl einzelne Bistümer als auch die gesamte Kirche in Frankreich künftig verwaltet werden. "Wir sind noch nicht am Ende des Weges, aber ein Weg ist möglich und wurde abgesteckt. Diesen müssen wir nun Schritt für Schritt gehen", betonte der Reimser Erzbischof.

Zusätzlich sollen die Empfehlungen von Ciase, die das Recht der gesamten Kirche betreffen, nach ihrer Bearbeitung nun an den Papst gesandt werden. Gleichzeitig soll ein päpstlicher Gesandter gemeinsam mit den Bischöfen überprüfen, wie Opfer und Täter behandelt wurden.

De Moulins-Beaufort äußerte große Hoffnung mit Blick auf den synodalen Prozess der Weltkirche. Dass dieser nun beginne, als die Kirche in Frankreich "vom Schock des Ciase-Berichts getroffen wurde", erscheine "wie eine Vorsehung". (tmg/KNA)

8.11., 15 Uhr: Ergänzt um Fonds.