"Dieses Geschenk" wolle die lateinische Kirche bewahren

Papst: Zölibat soll bleiben – Freundschaften unter Priestern helfen

Aktualisiert am 17.02.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Was ist für die priesterliche Existenz heute von Bedeutung? Laut Papst Franziskus gehört eine offene und ehrliche Beziehung zum eigenen Bischof sowie Nähe und Gemeinschaft mit anderen Priestern dazu. Dann gelinge auch das zölibatäre Leben.

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Papst Franziskus will am Zölibat für katholische Priester festhalten. Mit Hilfe wahrer Freundschaften unter Priestern sei es möglich, den Zölibat zu leben, sagte der Papst am Donnerstag im Vatikan. "Dieses Geschenk" wolle die lateinische Kirche daher bewahren. Franziskus äußerte sich zu Beginn eines dreitägigen Symposiums über Fehlentwicklungen im katholischen Priesterbild.

In seiner persönlich gefärbten Eröffnungsrede vor rund 500 Zuhörern in der vatikanischen Audienzhalle warnte der Papst die Kongressteilnehmer vor rein abstrakten Auswegen aus der aktuellen Krise des katholischen Priestertums. Weder eine Flucht zurück in frühere Traditionen noch vermeintlich neueste Reformen und Maßnahmen böten eine Lösung.

Stattdessen legte das Kirchenoberhaupt katholischen Priestern nahe, vier wesentliche Formen von Nähe zu pflegen. Dies sei zum einen die in einem ehrlichen Gebetsleben gepflegte Nähe zu Gott. Eine solche sei aber nur möglich und konkret, wenn der Priester gleichzeitig nah am Leben der Menschen in seiner Gemeinde sei und dieses teile. Die dritte und vierte Säule priesterlicher Existenz sind nach Aussage des Papstes eine offene und ehrliche Beziehung zum eigenen Bischof sowie Nähe und Gemeinschaft mit anderen Priestern. Leider seien Beziehungen zwischen Klerikern aber oft von Neid geprägt, sagte Franziskus.

Lehramt habe Sakrament der Priesterweihe überbetont

Das Symposium findet angesichts von sexuellem Missbrauch und dessen Vertuschung durch Kleriker statt. Die Veranstaltung soll laut Kurienkardinal Marc Ouellet eine "Bestandsaufnahme aktueller soziologischer Studien vornehmen sowie historische, kulturelle und theologische Ursachen analysieren", die zu Klerikalismus und seinen diversen Formen von Missbrauch führen.

Aufgabe des bis Samstag dauernden Symposiums ist es laut Ouellet, das allgemeine Priestertum aller getauften Christen und das besondere der ordinierten wieder in ein richtiges Verhältnis zu setzen. Durch seine Abgrenzung von der protestantischen Reformation habe das katholische Lehramt das Sakrament der Priesterweihe überbetont. Damit habe die römisch-katholische Kirche "eine klerikale Machtmentalität und Haltung übermäßiger Kontrolle der Kleriker über die gesamte kirchliche Gemeinschaft gebilligt". Bei der von Franziskus angestoßenen Weltsynode gehe es daher auch hier um "ein neues Gleichgewicht". (tmg/KNA)