27-Jähriger äußert auch Kritik am Synodalen Weg

Seminaristen-Sprecher beklagt Generalverdacht gegen angehende Priester

Aktualisiert am 18.02.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Der Vorsitzende der Deutschen Seminarsprecherkonferenz beklagt ein negatives Klima gegenüber angehenden Priestern. Zudem äußert er deutliche Kritik am Begriff "Pflichtzölibat" und spricht sich gegen eine Priesterweihe von Frauen aus.

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Der Vorsitzende der Deutschen Seminarsprecherkonferenz (SSK), Marvin Schwedler, hat ein negatives gesellschaftliches Klima gegenüber angehenden katholischen Priestern beklagt. "Wir werden schon massiv unter Generalverdacht gestellt; das erlebe ich leider so", sagte Schwedler am Freitag in einem Interview mit dem Kölner Internetportal "domradio.de". Dies sei nicht nur bei ihm im Bistum Regensburg so, sondern gehe Seminaristen anderswo genauso. "Sobald wir sagen, dass wir Priester werden möchten, werden wir kritisch beäugt. Das ist sehr schade, schließlich gibt es ja auch all die vielen Priester, die gute Arbeit leisten", so Schwedler.

Es sei schmerzhaft, wenn man als Seminarist schräg angeschaut und angesprochen werde. "Aber auch im Familien- und Freundeskreis müssen wir uns immer wieder dafür rechtfertigen, warum wir heute noch Priester werden möchten", so der 27-Jährige weiter. Er selbst habe in seiner Kindheit und Jugend immer gute Erfahrungen mit der Kirche gemacht: "Ich hatte einen Pfarrer in meiner Heimatgemeinde, der ein großes Vorbild für mich war und immer noch ist. Ich habe Kirche dort eigentlich immer als sehr positiv erfahren." Dies habe ihn auch dazu bewegt, selbst Priester werden zu wollen. "Natürlich habe auch ich mit mir gerungen, natürlich gibt es auch Höhen und Tiefen. Angesichts des Sturms, den wir gerade in der katholischen Kirche in Deutschland erleben, ist es ganz sicher nicht einfach, eine solche Entscheidung zu treffen", sagte Schwedler. Er sei am Ende jedoch zu dem Schluss gelangt, dass er es zumindest probieren wolle.

Seminaristen "relativ einig" für zölibatäre Lebensform

Mit Blick auf den Synodalen Weg kritisierte Schwedler, dass das Synodalforum "Priesterliche Existenz heute" die Seminaristen bislang nicht nach ihrer Sicht der Dinge gefragt habe. "Da erhoffen wir uns doch, dass wir noch in die Diskussionen einbezogen werden", so der SSK-Vorsitzende. Bei der letzten Seminarsprecherkonferenz sei man sich ziemlich einig gewesen, dass man für eine synodale Kirche sei: "Wir waren uns aber auch relativ einig, dass wir weiter für die zölibatäre Lebensform sind, weil es die Lebensform Jesu war, aber dass wir uns kreative Möglichkeiten vorstellen können, wie priesterliches Leben heute gut gelingen kann."

Deutlich sprach sich Schwedler in diesem Zusammenhang gegen den Begriff "Pflichtzölibat" aus. "Ich bin schon sehr kritisch, wenn ich vom so genannten Pflichtzölibat höre. Nach meiner Auffassung gibt es einen solchen Pflichtzölibat nicht", so der Seminarist. Es sei doch eine freie Entscheidung, Priester zu werden, und zum priesterlichen Leben gehöre der Zölibat dazu. Er sei zwar nicht fakultativ, aber eine Überbetonung der Pflicht halte er nicht für angebracht. "Eine mögliche Lockerung des Zölibats sehe ich daher kritisch, weil es in meinen Augen nicht nur Nachteile hat, wenn Priester nicht verheiratet sind. Ich glaube auch nicht, dass die Lockerung des so genannten Pflichtzölibats das Problem des Priestermangels löst; ich glaube nicht, dass dann wieder mehr junge Männer Priester werden wollen", so Schwedler.

Schwedler gegen Priesterweihe von Frauen

Der SSK-Vorsitzende schloss darüber hinaus auch eine Priesterweihe von Frauen aus: "In meinen Augen hat Johannes Paul II. schon 1994 mit seiner Autorität als Papst diese Diskussion für beendet erklärt, weil die Kirche nicht die Kompetenz hat, Frauen zu Priestern zu weihen." Er finde, dass es wunderbare Möglichkeiten für Frauen gebe, auf andere Weise in der Kirche zu wirken. "Wir haben großartige Frauen in der Kirchengeschichte, Mutter Teresa zum Beispiel. Warum muss es da zwangsläufig möglich sein, dass Frauen zu Priestern geweiht werden?", fragte Schwedler. Er freue sich über jede Frau, die sich in die Kirche einbringen wolle. Die Priesterweihe sei ja schließlich nicht dafür erforderlich, dass man ein authentisches und überzeugendes Christsein leben könne.

Die SSK wurde 1968 in Mainz gegründet und versteht sich laut Schwedler als Gremium, das die Interessen von Theologiestudenten in der Priesterausbildung vertritt. Aktuell gibt es seinen Angaben zufolge 305 Seminaristen in ganz Deutschland. Die einzelnen Priesterseminare wählten Sprecher, die die Studenten in der SSK verträten. (stz)