An diesen Orten werden die deutschen Priester ausgebildet
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Ein Überblick über die Regelungen der Bistümer

An diesen Orten werden die deutschen Priester ausgebildet

Der Vorschlag einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz zur Neuausrichtung der Priesterausbildung hat hohe Wellen geschlagen: Denn künftig könnte es sein, dass Seminaristen nur noch an drei Standorten studieren. Doch wo werden zukünftige Priester derzeit ausgebildet? Ein Überblick.

Von Roland Müller |  Bonn - 25.06.2020

Am Dienstag hat die Bischofskonferenz mitgeteilt, dass unter den deutschen Oberhirten eine Neuausrichtung der Priesterausbildung im Gespräch ist. Einzelne Ausbildungsorte sollen stärker gewichtet werden: Das Theologiestudium der Seminaristen könnte sich demnach in Zukunft auf die Studienorte in Münster, Mainz und München konzentrieren. Auch die Ausbildungsstätten, an denen das vorgeschaltete Propädeutikum und der auf das Studium folgende Pastoralkurs angeboten werden, sollen eingeschränkt werden. Doch wo findet die Ausbildung angehender Priester derzeit überhaupt statt? Katholisch.de gibt einen Überblick über die Regeln in den einzelnen (Erz-)Diözesen – denn schon jetzt hat nicht mehr jedes Bistum ein eigenes Priesterseminar.

Bistum Aachen

Die Einführungsphase in das Leben als Seminarist, das sogenannte Propädeutikum, und das Theologiestudium finden in der Regel im Priesterseminar in Münster und an der dortigen Universität statt. Nach Absprache ist beides jedoch auch in Sankt Georgen, also an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten in Frankfurt am Main, möglich. Der Pastoralkurs findet gemeinsam mit den Diözesen Hamburg, Hildesheim, Limburg und Osnabrück statt.

Bistum Augsburg

Das Bistum Augsburg lässt seine Priesteramtskandidaten zusammen mit denen der anderen Bistümer der Münchener Kirchenprovinz in das geistliche Leben starten: Das Propädeutikum für die Bistümer Augsburg, München-Freising, Passau und Regensburg findet gemeinsam in der Drei-Flüsse-Stadt Passau statt. Zum Studium an der Augsburger Universität kehren die angehenden Kleriker in das dortige Priesterseminar zurück, wo auch der anschließende Pastoralkurs angeboten wird.

Erzbistum Bamberg

Das Propädeutikum in Bamberg findet als gemeinsame Veranstaltung der Bistümer der Kirchenprovinz Bamberg (Bamberg, Eichstätt, Speyer und Würzburg) und der fünf ostdeutschen Diözesen (Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg) statt. Während des Theologiestudiums an der Universität Würzburg wohnen die Bamberger Seminaristen im dortigen Priesterseminar. Im März wurde bekannt, dass die Bamberger Seminaristen für ihr Studium künftig an die Universität München gehen und im dortigen Herzoglichen Georgianum wohnen, das als Seminar fungiert. Der Pastoralkurs findet in Kooperation mit Eichstätt, Speyer und Würzburg statt.

Erzbistum Berlin

Auf das Propädeutikum im Bamberger Priesterseminar folgt ein Studium in St. Georgen. Der Pastoralkurs wird in den Seminaren Erfurt, Paderborn und Fulda durchgeführt. Das Priesterseminar St. Petrus der Erzdiözese Berlin "steht mit einigen wenigen Zimmern für verschiedene Veranstaltungen der Aus- und Fortbildung den Kandidaten, Neupriestern sowie anderen Auszubildenden des pastoralen Personals zur Verfügung", heißt es auf der Internetseite des Erzbistums.

Bistum Dresden-Meißen

Auch die Seminaristen aus dem Bistum Dresden-Meißen wohnen für die Zeit des Propädeutikums in Bamberg. Das Studium findet an der Universität Erfurt und im dortigen Priesterseminar statt. Der Pastoralkurs wird in Kooperation mit den Bistümern der Kirchenprovinzen Berlin und Paderborn in den Seminaren in Erfurt, Paderborn und Fulda angeboten. Im Bistum Dresden-Meißen gibt es kein eigenes Priesterseminar mehr, dafür jedoch ein "Priesterseminar auf Zeit". Im Rahmen eines solchen Treffens tauschen sich die Seminaristen mit Bischof Heinrich Timmerevers über ihre Ausbildung und theologische Themen aus.

Bistum Eichstätt

Das Priesterseminar des Bistums Eichstätt ist das Collegium Willibaldinum, wo die Seminaristen während ihres Theologiestudiums an der Katholischen Universität Eichstätt wohnen. Zuvor nehmen sie jedoch am Propädeutikum in Bamberg teil. Der Pastoralkurs findet gemeinsam mit den anderen Diözesen der Kirchenprovinz Bamberg in den Seminaren in Eichstätt und Speyer statt.

Bistum Erfurt

Das Propädeutikum führt die Seminaristen des ostdeutschen Regional-Priesterseminars Erfurt zunächst nach Bamberg. Zum Studium geht es zurück nach Erfurt an die dortige Universität. In Erfurt findet auch der Pastoralkurs statt. Weitere Orte dieses letzten Ausbildungsabschnitts vor der Priesterweihe sind zudem Paderborn und Fulda.

Bistum Essen

Das frühere Priesterseminar des Bistums Essen in Bochum wurde ab 2013 als Studenten- und ab 2015 als Flüchtlingswohnheim genutzt. Heute findet die Ausbildung der Seminaristen im Collegium Borromaeum in Münster statt. Das Studium absolvieren sie an der Münsteraner Universität.

Menschen stehen im Atrium des Hörsaalgebäudes der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt
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Die Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main wurde in der Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz zur Neuausrichtung der Priesterausbildung nicht berücksichtigt.

Erzbistum Freiburg

Am Propädeutikum in Freiburg nehmen neben den Priesteranwärtern der Erzdiözese auch Seminaristen aus Mainz und Basel teil. Anschließend bleiben die Freiburger für das Theologiestudium an der Universität in ihrem Seminar, das ebenfalls den heiligen Karl Borromäus zum Patron hat. Auch der Pastoralkurs findet in der badischen Metropole statt.

Bistum Fulda

Die Priesteramtskandidaten des Bistums absolvieren nach dem Propädeutikum ihr Studium an der theologischen Fakultät in Fulda. Der Pastoralkurs findet in Kooperation mit den Bistümern der Kirchenprovinzen Berlin und Paderborn in Erfurt und Paderborn statt.

Bistum Görlitz

Wie in den anderen ostdeutschen Bistümern gehen auch die Seminaristen der Diözese Görlitz für das Propädeutikum nach Bamberg. Das Studium führt sie an die Universität Erfurt und das dortige Priesterseminar, wo auch der Pastoralkurs mit Stationen in Paderborn und Fulda stattfindet. Ein eigenes Priesterseminar gibt es in der deutschen Diözese mit der geringsten Anzahl an Katholiken nicht.

Erzbistum Hamburg

Die Hamburger Priesteramtskandidaten verbringen ihre Studienzeit in der Regel an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt. Dort wird auch das Propädeutikum mit den Seminaristen der anderen dort vertretenen Diözesen angeboten. Der Pastoralkurs findet in Kooperation mit den Bistümern Aachen, Hildesheim, Limburg und Osnabrück in Hamburg statt.

Bistum Hildesheim

Das Priesterseminar des Bistums Hildesheim wird heute auch als Tagungshaus zur Fort- und Weiterbildung innerhalb der Diözese genutzt. Propädeutikum und Studium der Hildesheimer Seminaristen finden in der Regel in St. Georgen statt, der Pastoralkurs in Zusammenarbeit mit anderen Bistümern in Hamburg.

Erzbistum Köln

Die Kölner Priesteranwärter wohnen während des Propädeutikums und Studiums im Theologenkonvikt Collegium Albertinum in Bonn. Die meisten studieren an der dortigen Universität Theologie, einige Seminaristen absolvieren ihr Studium aber auch in St. Augustin. Die Steyler Missionare haben ihre Hochschule in dem Ort an das Erzbistum Köln abgegeben. Der Umzug in die Domstadt ist bereits geplant. Der Pastoralkurs für die Kölner Seminaristen findet im Erzbischöflichen Priesterseminar statt.

Bistum Limburg

"Das Bischöfliche Priesterseminar ist ein Haus der Gastfreundschaft", heißt es auf der Homepage des Bistums Limburg. Es beherbergt dauerhaft keine Seminaristen mehr, sondern dient der Diözese als Tagungs- und Gästehaus. Propädeutikum und Studium finden in St. Georgen statt, der Pastoralkurs als Kooperationsveranstaltung in Hamburg.

Bistum Magdeburg

Nach dem Propädeutikum in Bamberg gehen die Magdeburger Seminaristen zum Studium an die Universität Erfurt und ins dortige Regional-Priesterseminar. Dort findet auch der Pastoralkurs mit Stationen in Fulda und Paderborn statt. Ein eigenes Priesterseminar besteht in Magdeburg nicht, stattdessen unterstützt die Diözese das Erfurter Seminar.

Bistum Mainz

Die Seminaristen des Bistums Mainz gehen zum Propädeutikum ins Freiburg Priesterseminar. Das Theologiestudium an der Universität und den Pastoralkurs absolvieren sie jedoch in Mainz und wohnen im dortigen Seminar ihrer Diözese.

Erzbistum München und Freising

Das Propädeutikum für die Münchener Seminaristen findet in Passau statt. Für das Theologiestudium an der Universität in München und ihre weitere Ausbildung ziehen sie in die bayerische Hauptstadt. Die philosophischen Studienanteile können auch an der Hochschule für Philosophie des Jesuitenordens in München absolviert werden.

Bistum Münster

Im Priesterseminar Borromaeum in Münster finden für die Seminaristen des Bistums alle Ausbildungsabschnitte vom Propädeutikum bis hin zum Pastoralkurs statt. Das Studium absolvieren sie an der Universität in Münster.

Das Münsteraner Priesterseminar Borromaeum könnte in Zukunft einer von nur noch drei Studienorten für Priesteranwärter in Deutschland sein.

Bistum Osnabrück

Die Priesteramtskandidaten des Bistums Osnabrück studieren entweder an der Universität Münster oder in St. Georgen und wohnen in den dortigen Seminaren. An diesen Orten finden auch die Propädeutika statt. Der Pastoralkurs wird in Kooperation mit anderen Bistümern in Hamburg angeboten. Das Gebäude des diözesanen Priesterseminars wird auch als Tagungs- und Fortbildungshaus genutzt.

Erzbistum Paderborn

Im Paderborner Priesterseminar findet das Propädeutikum der diözesanen Seminaristen statt. Anschließend studieren sie an der Theologischen Fakultät des Erzbistums in Paderborn. Der Pastoralkurs findet gemeinsam mit den Diözesen der eigenen Kirchenprovinz und der Berliner Metropolie statt.

Bistum Passau

Das Propädeutikum in Passau wird in Kooperation mit den Diözesen München, Regensburg und Augsburg angeboten. Zum Studium ziehen die Passauer Seminaristen ins Regensburger Priesterseminar. Dort studieren die Priesteramtskandidaten mit Abitur an der Universität, jene ohne Hochschulreife am Bischöflichen Studium Rudolphinum in Regensburg. Der Pastoralkurs der Diözesen Regensburg und Passau wird gemeinsam veranstaltet.

Bistum Regensburg

Nach dem Propädeutikum in Passau kehren die Seminaristen für das Studium ins Regensburger Priesterseminar zurück. In der Regel studieren sie an der Universität, für Männer ohne Abitur ist eine Ausbildung am Studium Rudolphinum möglich. Der Pastoralkurs findet im Priesterseminar in Regensburg statt.

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Das Propädeutikum und das universitäre Theologiestudium der Seminaristen werden in Tübingen absolviert. Dort wohnen die Studenten im Theologenkonvikt Wilhelmsstift. Der Pastoralkurs findet im Priesterseminar in Rottenburg statt.

Bistum Speyer

Nach dem Propädeutikum in Bamberg und dem Theologiestudium an der Katholischen Universität Eichstätt kehren die Priesteramtskandidaten für den Pastoralkurs ins Speyerer Seminar zurück. Dort werden sie mit den Seminaristen der anderen Bistümer der Kirchenprovinz ausgebildet. Das Priesterseminar in Speyer wird von der Diözese als "Ausbildungsinstitut aller pastoraler Berufsgruppen" bezeichnet.

Bistum Trier

Die erste Phase des Propädeutikums ist im Felixianum, dem Orientierungs- und Sprachenjahr des Bistums, in Trier angesiedelt. Die zweite Phase wird vom Priesterseminar der Jesuitenhochschule Sankt Georgen angeboten. Dort findet auch das Studium statt. Der Pastoralkurs in Trier führt die Seminaristen zurück nach Trier.

Bistum Würzburg

Das Propädeutikum im Bamberg bildet den Auftakt der Ausbildung der Würzburger Seminaristen. Das Theologiestudium findet an der Universität der Bischofsstadt Würzburg statt. Im März wurde verkündet, dass die Würzburger Seminaristen ihr Studium künftig an der Universität München absolvieren und im dortigen Herzoglichen Georgianum wohnen, das als Seminar dient. Die Ausbildungsblöcke des Pastoralkurses führen die angehenden Priester anschließend nach Bamberg und Speyer.

Weitere Priesterseminare

Neben den oben erwähnten Ausbildungsstätten werden deutsche Priesterseminaristen auch am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom ausgebildet. Viele Bischöfe entsenden einige Studierende dorthin, um die Bindung ihrer Diözesen zum Vatikan und zur Weltkirche zu festigen. Für Priesteramtskandidaten ohne Abitur finanzieren zahlreiche Bistümer das Überdiözesane Seminar in Lantershofen. Dort können die Seminaristen zwar keinen staatlich anerkannten Abschluss erhalten, die erworbenen Kenntnisse ermöglichen jedoch die Priesterweihe. Außerdem bestehen in Berlin und Köln Priesterseminare der geistlichen Gemeinschaft des Neokatechumenalen Wegs.

Von Roland Müller