Erzbischof besucht ukrainisch-katholischen Gottesdienst in München

Kardinal Marx: Moskauer Patriarch soll Einfluss auf Putin nehmen

Aktualisiert am 27.02.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ "Ich bitte inständig den Patriarchen von Moskau, dass er Einfluss nimmt auf diesen Präsidenten, damit der Krieg beendet wird": Kardinal Reinhard Marx hat Kyrill I. gebeten, sich bei Wladimir Putin für Frieden in der Ukraine einzusetzen.

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat an das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., appelliert, sich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin für Frieden einzusetzen. "Ich bitte inständig den Patriarchen von Moskau, dass er Einfluss nimmt auf diesen Präsidenten, damit der Krieg beendet wird, damit die Waffen niedergelegt werden", sagte Marx am Sonntag bei einem ukrainisch-katholischen Gottesdienst in München. Bischöfe seien keine Politiker, "aber wir haben den Auftrag und die Pflicht, das Evangelium vom Frieden zu verkünden gerade denen gegenüber, die meinen, mit Gewalt und Terror politische Ziele durchzusetzen", fügte er hinzu.

Der Erzbischof versicherte den ukrainischen Katholiken die Solidarität ihrer deutschen Glaubensgeschwister in Gebet und konkreter Nothilfe. Dabei wolle man sich auch gemeinsam um Flüchtlinge kümmern, die in München erwartet werden, das mit der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Städtepartnerschaft pflegt. Marx hatte auf Einladung des ukrainisch-katholischen Bischofs Bohdan Dzyurakh den Gottesdienst besucht und am Ende der Feier zu der Gemeinde gesprochen. Dabei äußerte er sich auch entsetzt darüber, "dass das so in Europa im 21. Jahrhundert passiert". Abschließend beteten beide Bischöfe gemeinsam auf Deutsch und Ukrainisch das Friedensgebet, das Papst Johannes Paul II. (1978-2005) am Vortag des Beginns des Irakkriegs 1991 gesprochen hatte.

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Kyrill I. hatte sich am Donnerstagabend zum Angriff auf die Ukraine zu Wort gemeldet, dabei jedoch von einer Verurteilung des russischen Vorgehens abgesehen. Stattdessen forderte er "alle Konfliktparteien auf, alles zu tun, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden". Zudem rief er zu Gebeten für eine "schnelle Wiederherstellung des Friedens" auf. Der Partriarch sprach in seiner schriftlichen Botschaft weder Kreml-Chef Putin an noch erwähnte er, dass Russland den Angriff auf die Ukraine begonnen hatte. Auch gebrauchte er die Worte "Krieg" oder "Militär" an keiner Stelle. Er habe tiefes Mitgefühl mit allen, die von "Unheil" betroffen seien, so Kyrill I.

Am Sonntag nahm das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche dann erneut Stellung zu dem Konflikt. In einer Predigt bezeichnete er die Gegner Russlands als "Kräfte des Bösen". "Wir dürfen uns nicht von dunklen und feindlichen äußeren Kräften verhöhnen lassen", betonte er laut dem auf der Internetseite der Kirche veröffentlichten Manuskript. Angesichts der "gegenwärtigen politischen Situation" in der Ukraine müsse alles getan werden, "um den Frieden zwischen unseren Völkern zu bewahren und gleichzeitig unsere gemeinsame historische Heimat vor allen Handlungen von außen zu schützen, die diese Einheit zerstören können". Der Patriarch rief die Gläubigen auf, für den Frieden und für die Einheit der ukrainisch-orthodoxen Kirche zu beten. "Der Garant für die Brüderlichkeit ist unsere geeinte orthodoxe Kirche", betonte er. (stz/KNA)

27.02.2022, 16:30 Uhr: ergänzt um neue Aussagen von Kyrill I.