Misereor-Aktion für Entwicklungsprojekte startet in Freiburg

Bischof Burger: "Die Eigeninitiative der Menschen ist beeindruckend"

Aktualisiert am 05.03.2022  –  Lesedauer: 

Freiburg ‐ Bei der diesjährigen Misereor-Fastenaktion stehen soziale Gerechtigkeit, der Klimawandel sowie die Philippinen und Bangladesch im Mittelpunkt. Erzbischof Stephan Burger betont im Interview: Die Menschen dort bleiben nicht nur passiv.

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Hilfsprojekte für soziale Gerechtigkeit und gegen die Folgen des Klimawandels stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor. Am Sonntag wird die Spendenaktion mit einem ARD-Gottesdienst im Freiburger Münster eröffnet. Misereor-Bischof Stephan Burger warnt im Interview vor Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Menschen im globalen Süden.

Frage: Herr Erzbischof, was will die Misereor-Fastenaktion "Es geht! Gerecht." erreichen?

Burger: Wir wollen ins Bewusstsein bringen, dass in vielen Ländern des Südens weitaus mehr Menschen als hier in Deutschland und Europa in existenzieller Not sind. Sie kämpfen im wahrsten Sinne des Wortes um ihre Existenz und um die ihrer Kinder. Es geht der Misereor-Fastenaktion darum, lebensnotwendige Hilfen zu leisten, soziale Gerechtigkeit zu fördern und für Klimagerechtigkeit einzustehen.

Frage: Unterstützt werden beispielsweise Bewohner von Elendsvierteln in Bangladesch, die kleine eigene Gemüsegärten anlegen. Auf den Philippinen soll Bambus als Hochwasserschutz gepflanzt werden. Sind solche Projekte nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Burger: Keineswegs, solidarische Hilfe lohnt sich immer, für jeden Einzelnen. Wer einmal mit Menschen im globalen Süden sprechen konnte, ihr Schicksal wirklich an sich heranlässt, der erkennt, dass jede noch so klein scheinende Unterstützung viel bewegen kann.

Frage: Sie sind als Misereor-Bischof häufig unterwegs. Weil es wegen Corona zuletzt schwierig war, organisierten Sie einen digitalen Austausch mit Projektpartnern in Bangladesch und auf den Philippinen. An welche Begegnung erinnern Sie sich besonders?

Burger: Wir hatten Videotelefonate mit Menschen aus den beiden Projekten für natürlichen Hochwasserschutz und Urban Gardening in den Slums von Dhaka. Es ist beeindruckend, mit welcher großen Eigeninitiative die Menschen hier vorangehen. Sie bleiben keineswegs nur passiv und warten darauf, dass die ach so schlauen Europäer ihnen auf die Sprünge helfen. Nein, sie wollen eigenständig Verbesserungen umsetzen. Und das können wir unterstützen.

Bild: ©Fotolia.com/kamilpetran

Die Folgen des Klimawandels stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor.

Frage: Dennoch ist der umwelt- und ressourcenvernichtende Lebensstil der reichen Länder die Hauptursache des menschengemachten Klimawandels – die dramatischen Folgen treffen bislang jedoch vor allem die Schwächsten in den Ländern des Südens. Macht Sie das wütend?

Burger: Diese Fakten muss ich zur Kenntnis nehmen. Daraus folgt dann aber, dass wir im globalen Norden in der Pflicht stehen, die Dinge zu ändern. Damit sich diese verheerende Spirale nicht weiter fortentwickelt. Wir tragen eine Verantwortung zu Solidarität, davor sollte sich niemand wegducken.

Frage: Sehen Sie hier in Deutschland Hinweise auf einen solchen Bewusstseinswandel?

Burger: In den vergangenen Jahren hat sich vieles bewegt. Ich denke gerade auch an die große Bewegung Fridays for Future, wo die junge Generation die Probleme klar benennt und politischen Druck macht. Zugleich dürfen wir nicht verkennen, es gibt immer noch große wirtschaftliche Interessen, die manches Zugehen auf den globalen Süden bremsen.

Frage: Was folgt daraus für die Kirchen?

Burger: Misereor und weitere katholische Hilfswerke wie Adveniat oder Caritas international leisten schon seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag, um diese Fragen immer neu ins Bewusstsein und auf die politische Tagesordnung zu bringen. Konkret hoffe ich, dass es in den kommenden Wochen mit der Fastenaktion 2022 wieder gelingt, viele Menschen zu erreichen. Wir zeigen, dass wir als Kirche bereit sind, auch künftig Verantwortung für die Verlierer von Konflikten, Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit zu übernehmen.

Von Volker Hasenauer (KNA)