Deutsche Bischöfe rufen zu Spenden für die Ukraine auf

Selenskyj telefoniert erneut mit Papst – befürwortet Vermittlung

Aktualisiert am 22.03.2022  –  Lesedauer: 

Kiew/Rom ‐ Wolodymyr Selenskyj und Papst Franziskus haben sich telefonisch über die Lage in der Ukraine ausgetauscht. Der Präsident berichtete im Anschluss auf Twitter über das Gespräch – und sprach seinen Dank aus.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag in einem erneuten Telefonat mit Papst Franziskus eine Vermittlerrolle des Vatikan befürwortet. "Eine vermittelnde Rolle des Heiligen Stuhls bei der Beendigung des menschlichen Leidens wäre zu begrüßen", schrieb Selenskyj auf Twitter. Er habe dem Papst noch einmal die humanitäre Lage im Land und die Blockade der humanitären Korridore geschildert. Außerdem lud der Präsident den Papst erneut in die Ukraine ein und dankte Franziskus für dessen Gebete für die Ukraine und den Frieden. Der Vatikan bestätigte das Telefonat ohne Nennung von Details.

In einer Videoansprache an das italienische Parlament sagte der Präsident anschließend, der Papst habe Verständnis dafür gezeigt, dass die Ukraine Frieden wolle und sich dafür selbst verteidige. Selenskyj nutzte die Ansprache an die italienischen Parlamentarier, um für weitere Unterstützung zu werben. Es brauche mehr und härtere Sanktionen gegen Russland. Jeden Tag wachse die Zahl der getöteten Kinder; jeden Tag würden weitere Städte zerstört. "Mariupol ist wie euer Genua. Stellen Sie sich Ihr zerstörtes Genua vor; stellen Sie sich vor, dass alle Menschen aus Genua weglaufen", so der Präsident. Die Ukraine stehe zwischen Europa und Russland. In einer kurzen Aussprache nach der Rede des ukrainischen Präsidenten sagte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi: "Italien will die Ukraine in der Europäischen Union." Zudem befürwortete Draghi Medienberichten zufolge weitere Waffenlieferungen an die Ukraine, damit diese sich verteidigen könne. "Der Widerstand des ukrainischen Volkes ist heldenhaft", so Draghi. Die Ukraine verteidige nicht nur sich selbst, sondern auch Europas Frieden, Freiheit und Sicherheit.

Bereits Ende Februar hatte Franziskus mit Selenskyj telefoniert. In dem Gespräch habe der Papst seinen tiefgreifenden Schmerz über die aktuellen tragischen Ereignisse in der Ukraine zum Ausdruck gebracht, teilte die ukrainische Botschaft beim Heiligen Stuhl per Twitter mit. Der Vatikan bestätigte auch damals das Telefonat ohne weitere Details. Selenskyj selbst bedankte sich via Twitter für die Gebete des Papstes. Das ukrainische Volk spüre den spirituellen Rückhalt.

Bischöfe rufen zu Spenden für die Ukraine auf

Unterdessen rufen die deutschen Bischöfe zu Spenden und Solidarität für die Ukraine auf. "Vielen fehlt es am Allernötigsten, an Nahrung, Kleidung und einem provisorischen Dach über dem Kopf", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, am Dienstag. Auch diejenigen, die nach Deutschland gekommen seien, bräuchten Unterstützung. Spenden seien "ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe", die zeige, "wer wir als Christen sind", betonte Bätzing.

Bereits nach wenigen Wochen habe der Krieg gegen die Ukraine "unzählige Opfer" gefordert, heißt es weiter. Tauende Soldaten und Zivilisten seien zu Tode gekommen, noch viel mehr seien verletzt worden oder hätten ihr Hab und Gut verloren. Deutschland sei "nach der großen Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015/2016 erneut gefordert, Schutzsuchenden die Hand entgegenzustrecken".

Neben den Staaten stünden auch die Gesellschaften, die Kirchen sowie alle Bürgerinnen und Bürger in der Pflicht, betonen die Bischöfe. Die deutschen Bistümer hätten deshalb "bereits in den ersten Wochen des Krieges große Beträge aus ihren Fonds für Katastrophenhilfe und weltkirchliche Arbeit zur Verfügung gestellt". Konkret nennen die Bischöfe Caritas international und das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis als mögliche Empfänger-Organisationen für Spenden. (tmg/KNA)

22.3., 16:45 Uhr: Ergänzt um weitere Details.