Kirchenvertreter fordern Konsequenzen für Täter

Nach Hinrichtungen: Bätzing verurteilt russische Kriegsverbrechen

Aktualisiert am 04.04.2022  –  Lesedauer: 

Kiew/Bonn ‐ "Die Ermordung von Zivilisten ist auch im Krieg ein schweres Verbrechen, das gesühnt werden muss": Bischof Bätzing und weitere Kirchenvertreter zeigen sich nach mutmaßlichen Hinrichtungen durch die russische Armee entsetzt – und fordern Konsequenzen.

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Nachdem Bildmaterial aus der Ukraine auf die Hinrichtung von Zivilisten durch die russische Armee hinweisen, haben Kirchenvertreter Konsequenzen für die Täter gefordert und den Hinterbliebenen ihr Beileid ausgesprochen. "Die Ermordung von Zivilisten ist auch im Krieg ein schweres Verbrechen, das gesühnt werden muss", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, am Sonntagabend auf Twitter. "Die russische Armee, Justiz und Regierung sind verpflichtet, gegen die Verantwortlichen vorzugehen, sonst handeln sie selbst kriminell."

Bätzing zeigte sich schockiert über die Berichte und Bilder aus Butscha, einem Vorort von Kiew, den die ukrainische Armee am Sonntag zurückerobert hatte. Dort soll es zu regelrechten Hinrichtungen von Zivilisten durch russische Soldaten gekommen sein. "Ich bete für die Opfer und die Hinterbliebenen – und um Reue für die Täter", so der Limburger Bischof.

Der Primas der anglikanischen Kirche, Justin Welby, sieht in den Taten von Butscha, wie "mit dem Krieg der Verlust unserer Menschlichkeit" eintritt. "Mögen die, die diesen Kampf gegen das Volk der Ukraine anführen ihre Menschlichkeit wiederfinden und dieses widerwärtige Töten von Gottes kostbaren Kindern einstellen", schrieb der Erzbischof von Canterbury auf Twitter.

Ukrainische Kirchenoberhäupter entsetzt

Auch die Oberhäupter der orthodoxen und der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine verurteilten die Taten. "Nur wenige Dutzend Kilometer von Kiew entfernt, in den befreiten Städten, sehen wir entsetzliche Kriegsverbrechen", sagte der griechisch-katholische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk in seiner täglichen Videoansprache. Er sprach von "Massengräbern mit Hunderten leblosen Körpern". Europa habe schon einmal nach der Befreiung seiner Städte von den Nazis furchtbare Bilder gesehen, heute gebe es ähnliche Szenen in der Ukraine, so Schewtschuk. Es sei wichtig, dass die ganze Welt hinschaue.

Metropolit Epiphanius von der eigenständigen (autokephalen) Orthodoxen Kirche der Ukraine schrieb auf Twitter: "Hunderte, vielleicht tausende Unschuldige wurden in den wenigen Wochen der russischen Besetzung zu Tode gequält." Die Zivilisten hätten für die Besatzer keine Gefahr dargestellt, ihre Tötung sei ohne "militärische Notwendigkeit" geschehen.

Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein forderte eine Bestrafung der mutmaßlichen Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine. "Die Bilder aus Butscha erschüttern mich", erklärte Stäblein am Sonntagabend und fügte hinzu: "Die Verantwortlichen müssen vor Gericht." Der Theologe ist Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Flüchtlingsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). (tmg/KNA/epd)