Nach zwei Jahren Zwangspause großes Interesse an Passionsspielen

Karten für Oberammergau sehr gefragt – deutscher Markt springt an

Aktualisiert am 05.04.2022  –  Lesedauer: 

Oberammergau ‐ Die 42. Oberammergauer Passionsspiele waren wegen der Corona-Pandemie 2020 abgesagt und um zwei Jahre verschoben worden. Nun sollen sie endlich stattfinden – und der Andrang auf die Karten ist groß.

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Das Interesse an den Passionsspielen in Oberammergau ist groß. 75 Prozent der Karten seien verkauft, sagte Walter Rutz, Geschäftsführer der Passionsspiele Vertriebs GmbH, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Damit habe der Stand vom November 2021 gehalten werden können. Aus Übersee seien seither wegen der Pandemie-Entwicklung und dann aus Angst vor dem Krieg in der Ukraine teilweise Tickets zurückgegeben worden. "Wir hatten aber das Glück, dass der deutsche Markt nun wahnsinnig anspringt und dies auffangen konnte", erklärte Rutz, der selbst als "Josef von Arimathäa" auf der Bühne stehen wird.

Zu Ostern ist nochmals eine große Werbeaktion geplant, wie der Geschäftsführer bekanntgab. Über den Altersdurchschnitt der Besucher gebe es bisher keine Erhebung. Eine entsprechende Auswertung solle später erfolgen. Das Publikum der Passionsspiele sei traditionell eher älter, aber zunehmend gelinge es auch, die Altersgruppe ab 40 Jahren zu erreichen. Noch vor der Premiere finden in Oberammergau erstmals am 7. und 8. Mai Jugendtage statt. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene und soll ihnen einen Besuch des Spiels zu günstigeren Konditionen ermöglichen. Bisher seien 6.000 Karten verkauft, sagte Rutz. Angemeldet hätten sich vor allem Gruppen aus Deutschland. 2020 sei noch überlegt worden, auch junge Südafrikaner einzuladen. Das habe sich aber nicht umsetzen lassen, auch wegen der generellen Erschwerung von Reisen durch Corona, so der Geschäftsführer.

Die 42. Oberammergauer Passionsspiele waren wegen der Pandemie 2020 abgesagt und um zwei Jahre verschoben worden. Die Premiere ist für 14. Mai geplant. Bis 2. Oktober soll es 103 Vorstellungen geben. Die Spiele gehen auf ein Gelübde von 1633 zurück. Damals gelobten die Oberammergauer, regelmäßig das Leiden und Sterben Jesu auf die Bühne zu bringen, sofern niemand mehr an der Pest sterben sollte. Ab 1680 ging die Gemeinde dazu über, die Aufführungen alle zehn Jahre stattfinden zu lassen. Über 2.000 einheimische Laiendarsteller, Sänger und Musiker werden dieses Mal mitwirken und damit fast die Hälfte der Dorfbewohner.

Museum zeigt Installationen rund um Passion

Unter dem Titel "(IM)MATERIELL – Stoff, Körper, Passion" präsentiert das Oberammergau Museum zudem vom 23. April bis 16. Oktober eine besondere Schau rund um die Passion. Die Besucher erwartet laut Ankündigung ein "spektakuläres Gesamtkunstwerk" aus Gebäude- und Rauminstallation sowie eine ungewöhnliche Ausstellung. Bereits zu sehen ist ein riesiger blauer Würfel, der das von 1910 stammende Haus umgibt. Die textile Ummantelung ist gefertigt aus den Volksgewändern der Passionsspiele 2000 und 2010.

Die "Stoffwand" wird sich laut Mitteilung im Innenbereich fortsetzen und sich durch alle drei Stockwerke ziehen. Dadurch entstünden neue Raumstrukturen. Durch Verhüllung oder Verfremdungen würden nur einige wenige Exponate hervorgehoben. Kernbestand der Sammlung seien figürliche Holzschnitzereien aus fünf Jahrhunderten, die Leben, Leiden, Ängste, Sorgen und Hoffnungen der Menschen thematisierten und damit an das Thema Passion anknüpften. Das Projekt solle auch eine Hommage an die Volkskunst und frühere Generationen sein, die mit Kunstsinn und Mut in dieser kargen Region Schönes geschaffen hätten.

Die Volksgewänder der Passionsspiele als zentraler Bestandteil der Installation symbolisierten die kollektive Geschichte des Dorfes mit seiner bald 400 Jahre langen Theatertradition, heißt es. Bei den Verfremdungen im Innenbereich werde mit den Stoffresten der Gewänder der Passion 2022 gearbeitet. Am Ende der Schau erhalte jeder Besucher ein kleines Stück Stoff als Symbol für (im)materiellen Austausch und Gemeinschaft zwischen den Menschen. Denn: "Erlösung funktioniert nur, wenn man etwas gibt." (tmg/KNA)