Gemeinsame Erklärung zur Taufe kritisch bewertet

Katholisch-lutherisches Dialogpapier stößt auf Vorbehalte im Vatikan

Aktualisiert am 12.04.2022  –  Lesedauer: 
Ein Kind wird getauft und damit in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen.
Bild: © KNA

Vatikanstadt ‐ Als sich Katholiken und Lutheraner 1999 auf eine gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre einigten, war das eine ökumenische Sensation – gut 20 Jahre später bleibt die Einigung aus: Ein Dokument zur Taufe ist in Rom vorerst durchgefallen.

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Der jüngste Dialogschritt zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund stößt im Vatikan auf Vorbehalte. Aus dem Vorwort des Dialogberichts "Baptism and Growth in Communion", der Ende vergangener Woche veröffentlicht wurde, geht hervor, dass das bereits 2019 von einer ökumenischen Kommission fertiggestellte Dialogdokument zum Tauf- und Kirchenverständnis zwar von der lutherischen Seite angenommen wurde, auf katholischer Seite dagegen durch den Päpstlichen Einheitsrat und die Glaubenskongregation "kritisch bewertet" wurde. "Dabei hat die katholische Seite ernsthafte Bedenken geäußert, die sich vor allem auf verschiedene ekklesiologische Voraussetzungen und Konsequenzen sowie auf Unklarheiten und Missverständnisse in der gewählten Terminologie beziehen", heißt es in dem bislang nur in englischer Sprache verfügbaren Dokument.

Im Vorwort betonten die beiden Unterzeichner, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, und der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, dass ihre Organisationen nach Lösungen suchten. Dennoch könne das Dokument von katholischer Seite vorerst nur als "offenes Studiendokument" angesehen werden, das für eine Annahme noch nicht bereit sei. Eine Publikation sei daher nur zusammen mit dem einschränkenden Vorwort möglich. Am ökumenischen Dialog wolle man aber weiterhin festhalten, insbesondere mit Blick auf den 500. Jahrestag des Augsburger Reichstags, der im Jahr 1530 mit der "Confessio Augustana" die evangelische Lehre maßgeblich geprägt hatte.

Streit um den Leib Christi

Welche Vorbehalte gegen das 80-seitige Dokument herrschen, in dem eine ökumenische Theologie der Taufe und ihre Bedeutung für die Einheit der Kirche ausgearbeitet wird, wird nicht näher ausgeführt. Auf seiner Webseite hat der Einheitsrat jedoch einen Kommentar des emeritierten Würzburger Fundamentaltheologen Wolfgang Klausnitzer zu dem Dokument veröffentlicht. Klausnitzer bemängelt vor allem die These, dass nicht nur jeder einzelne Getaufte, sondern auch kirchliche Gemeinschaften Teil des Leibes Christi seien. Menschen würden jedoch durch die Taufe nicht "in eine alle getrennten christlichen Kirchen umfassende (himmlische, transzendente, außerempirische o. ä.) Wirklichkeit eingegliedert", sondern in eine "ganz konkrete, sichtbare Kirche, die sich durch 'äußere' Zeichen und Strukturen definiert". Laut Klausnitzer ist die These des Dokuments weder aus den lutherischen Bekenntnisschriften oder den lehramtlichen Aussagen der Katholischen Kirche ableitbar noch theologisch plausibel. "Ein Überspringen der existierenden Kirchentrennung" durch eine "Flucht von der sichtbaren zur unsichtbaren Kirche" habe der evangelische Theologe Karl Barth als den Versuch erklärt, "den Skandal bzw. die 'Sünde' der Vielheit der faktischen Kirchen (und der Kirchenspaltung) wegerklären und sie damit kaschieren zu wollen", so Klausnitzer weiter.

Die römisch-katholische Kirche und der lutherische Weltbund befinden sich seit Jahrzehnten in einem Dialog zur Förderung der Kircheneinheit. Seit 1967 wurden elf gemeinsame Papier veröffentlicht. Ein erster Höhepunkt war 1999 die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg. 2013 hatte die lutherisch-römisch-katholische Einheitskommission ein gemeinsames Papier mit dem Titel "Vom Konflikt zur Gemeinschaft" vorgelegt. Mit dem Dokument über die Taufe sollte die Kommission, die ihre Arbeit 2019 abgeschlossen hat, einen weiteren Meilenstein im ökumenischen Dialog setzen. (fxn)