Oberhirte und weiterer Kleriker sollen Karmelitinnen im Streit geschlagen haben

Erzbischof von Ordensfrauen wegen gewalttätiger Handlungen angezeigt

Aktualisiert am 19.04.2022  –  Lesedauer: 

Salta ‐ Es geht um psychische, physische und ökonomische Gewalt: Ein argentinischer Erzbischof wurde deshalb von zwei Karmelitinnen angezeigt. In einem Streit soll der Oberhirte die Schwestern "Dämoninnen und Verräterinnen" genannt und sie geschlagen haben.

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Der argentinische Erzbischof Mario Antonio Cargnello ist von zwei Ordensfrauen wegen gewalttätiger Handlungen angezeigt worden. Der Oberhirte von Salta im Norden Argentiniens soll psychische, physische und ökonomische Gewalt gegenüber mehreren Frauen aus dem Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ausgeübt haben, berichteten lokale Medien am Montag. Cargnello erschien gestern mit seinem Anwalt vor dem Gericht für Fälle familiärer und sexualisierter Gewalt in Salta, nachdem die Anzeige von zwei Ordensfrauen, eine von ihnen die Oberin des Konvents, in der vergangenen Woche öffentlich bekannt geworden war. Bis zur nächsten Anhörung Anfang Mai darf sich der Erzbischof dem Kloster der Karmelitinnen in San Bernardo, in dem 15 Ordensfrauen leben, nicht nähern. Neben Cargnello sollen auch der emeritierte Bischof Martín de Elizalde und ein an der Kathedrale von Salta tätiger Priester von den Ordensfrauen angezeigt worden sein.

Die gewalttätigen Handlungen der Kleriker sollen sich Medienberichten zufolge im August 2020 ereignet haben. Demnach war Cargnello mit Bauarbeiten im unter Denkmalschutz stehenden Konvent der in Klausur lebenden Ordensfrauen nicht einverstanden. Er habe ihnen vorgeworfen, durch Bauarbeiter im Kloster sowohl die staatlichen Abstandsbestimmungen aufgrund der Corona-Pandemie als auch die kirchlichen Vorgaben der Ordensklausur verletzt zu haben. In einem daraufhin stattgefundenen Treffen im Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen sollen diese und weitere kritische Themen diskutiert worden sein. Eine der Ordensfrauen filmte das Gespräch auf Anweisung der Oberin mit einem Handy, um eventuell getroffene Absprachen beweisen zu können. Aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen soll Cargnello die Ordensschwestern als "Dämoninnen und Verräterinnen" beschimpft haben. Der ihn begleitende Priester riss im Laufe des Gesprächs der Ordensfrau das Handy aus der Hand. Anschließend entwickelte sich anscheinend ein Handgemenge, in dem die Kleriker mehrere Ordensfrauen auf die Arme schlugen, während sie um das Handy kämpften.

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In den Auseinandersetzungen ging es nach Recherchen lokaler Medien auch um finanzielle Abhängigkeiten zwischen der Erzdiözese Salta und dem Konvent der Karmelitinnen. Außerdem sollen unterschiedliche Auffassungen zur in Salta verehrten "Virgen del Cerro" ("Jungfrau vom Berg") eine Rolle gespielt haben. Die Ordensfrauen sollen den Sarg einer verstorbenen Mitschwester mit einem Bild dieser Muttergottesstatue geschmückt haben, deren Verehrung in der lokalen Volksfrömmigkeit eine große Rolle spielt, von der Amtskirche jedoch nicht anerkannt ist. Cargnello soll sich darüber empört haben. Nach dem Vorfall vor knapp zwei Jahren hatten die Ordensfrauen das Video des Angriffs durch den Erzbischof an den Vatikan geschickt und dort Anzeige erstattet. Nun folgt die strafrechtliche Untersuchung durch die argentinische Justiz. Während der Gottesdienste der Karwoche äußerte sich Cargnello nicht zu den Anschuldigungen.

Gegen Cargnello soll laut Medienberichten aktuell zudem eine weitere Untersuchung wegen Verleumdung laufen. Er soll über einen Theologieprofessor Missbrauchsvorwürfe verbreitet haben, die schließlich zur Entlassung des Dozenten an einer Universität führten, in der Cargnello als Großkanzler der Leitung angehört. (rom)