Unterstützung für umstrittene Seherin soll Hauptgrund für Konflikt sein

Vatikan schaltet sich in Streit von Erzbischof und Ordensfrauen ein

Aktualisiert am 28.04.2022  –  Lesedauer: 

Salta ‐ In den Konflikt eines argentinischen Erzbischofs mit Ordensfrauen hat sich nun der Vatikan eingeschaltet: Die Ordenskongregation schickte dem Kloster einen Brief. Der Hauptstreitpunkt ist die Unterstützung eines nicht anerkannten Marienkults.

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In die Auseinandersetzung zwischen dem argentinischen Erzbischof Mario Antonio Cargnello und den Unbeschuhten Karmelitinnen in der Stadt Salta im Norden des Landes hat sich nun auch der Vatikan eingeschaltet. Die Ordenskongregation hatte die Ordensschwestern Ende März in einem Schreiben dazu ermahnt, sich an ihr Leben in der Klausur zu halten und die bestehenden Probleme mit dem örtlichen Erzbischof „in einem Geist des Dialogs und der Gemeinschaft“ zu lösen, berichtete die argentinische Zeitung "La Nación" am Mittwoch. Knapp zwei Wochen später zeigten die Karmelitinnen Cargnello wegen gewalttätiger Handlungen bei der Polizei an. Der Erzbischof und ein weiterer Priester sollen mehrere Ordensfrauen bei einem Handgemenge während eines Gesprächs geschlagen haben.

Der Vorfall ereignete sich Medienberichten zufolge im August 2020 in Salta, der Bischofsstadt Cargnellos, in der sich auch das Kloster San Bernardo der Karmelitinnen befindet. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zu finanziellen Gründen und Fragen der religiösen Disziplin fand demnach ein Treffen im Kloster der Ordensschwestern statt. Eine der Ordensfrauen filmte das Gespräch auf Anweisung der Oberin mit einem Handy, um eventuell getroffene Absprachen beweisen zu können. Cargnello soll die Ordensschwestern im Gespräch als "Dämoninnen und Verräterinnen" beschimpft haben. Der ihn begleitende Priester entriss daraufhin der Ordensfrau das Handy. Anschließend entwickelte sich eine handgreifliche Auseinandersetzung, in dem die Kleriker mehreren Ordensfrauen auf die Arme schlugen, während sie um das Handy kämpften.

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Einer der Hauptgründe für den Streit zwischen dem Ortsbischof und den Karmelitinnen soll den Berichten zufolge die Unterstützung der Ordensschwestern für die selbsternannte Seherin María Livia Galliano sein. Galliano behauptet, seit 1990 Visionen der Gottesmutter Maria zu empfangen. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich in Salta eine inzwischen in der Volksfrömmigkeit verankerte Verehrung der "Virgen del Cerro" ("Jungfrau vom Berg"). Die Kirche erkennt die angeblichen Marienerscheinungen offiziell nicht an und kritisiert die Rolle Gallianos. Erzbischof Cargnello steht ihren Visionen ablehnend gegenüber, ebenso wie Papst Franziskus, der aus Argentinien stammt und den Kult um die "Virgen del Cerro" kennt. Vor einigen Jahren warf er der Seherin in einem Buch vor, "sich in den Vordergrund zu spielen" und die Visionen der Gottesmutter für eigene Interessen zu nutzen.

Die Karmelitinnen sind Mitglied einer Stiftung, die Galliano nahesteht. Zudem befindet sich die Einsiedelei, in der Galliano wohnt und wo regelmäßig tausende Gläubige zum Gebet zusammenfinden, auf einem Grundstück, das den Ordensfrauen von Spendern anvertraut wurde. Aus diesem Grund soll der Vatikan die Schwestern daran erinnert haben, dass wegen der strengen Klausur der Karmelitinnen weiteren Personen der Aufenthalt auf dem zum Kloster gehörenden Gelände nicht erlaubt sei. Wegen der rund um dieses Thema seit Jahren bestehenden Probleme hatte der Vatikan im vergangenen Jahr den emeritierten argentinischen Bischof Martín de Elizalde als Visitator für das Kloster eingesetzt. Ihn hatten die Ordensschwestern im April ebenfalls bei der Polizei angezeigt. (rom)