Trotz attestiertem Fehlverhalten im Münchner Missbrauchsgutachten

Herrmann: Sollten uns weiter der Verdienste Benedikts bewusst sein

Aktualisiert am 03.05.2022  –  Lesedauer: 

Köln/München/Vatikanstadt ‐ Seit der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens wurde viel Kritik an Benedikt XVI. laut. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat nach einem Besuch bei dem emeritierten Papst jedoch für ein positiveres Urteil plädiert.

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Gut drei Monate nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens und dem darin aufgelisteten Fehlverhalten des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger – dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI. – hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für ein positiveres Urteil über das frühere Kirchenoberhaupt plädiert. Trotz aller Fehler, die Benedikt wohl auch selbst bewusst seien und für die er die Opfer um Vergebung gebeten habe, sei es trotzdem richtig, "dass wir uns nach wie vor auch mit ihm zusammen seiner großen Verdienste bewusst sind", sagte Herrmann am Dienstag in einem Interview von domradio.de.

"Einem schwerkranken Menschen unsere Sympathie bekunden"

Gerade auch aus christlicher Nächstenliebe halte er es für richtig, einem Menschen, der auch schwerkrank sei, "unsere Sympathie zu bekunden und im Gebet und im Gedanken mit ihm unterwegs zu sein", so der Minister. Auch wenn Ratzinger als Erzbischof von München und Freising Fehler gemacht habe, sei dies kein Grund, nicht mehr mit ihm zu reden. Herrmann äußerte sich nach einem Besuch bei Benedikt XVI. am Sonntag im Vatikan.

Das im Januar veröffentlichte Gutachten zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising hatte Ratzinger, der von 1977 bis 1982 an der Spitze der Erzdiözese stand, in vier Fällen ein Fehlverhalten attestiert. In der Öffentlichkeit hatten danach vor allem die später korrigierten Aussagen des emeritierten Papstes zu einer Ordinariatssitzung im Januar 1980 für Diskussionen gesorgt.

Herrmann: Benedikt ist körperlich schwach, aber geistig voll da

In dem Interview äußerte sich Herrmann auch zum Gesundheitszustand des emeritierten Papstes. "Er ist körperlich schwach, aber er ist geistig voll da. Ich habe Benedikt die Grüße aus Bayern überbringen können und er hat sich sichtbar sehr darüber gefreut", so der Politiker. Als kleines Gastgeschenk habe er ihm eine Kerze aus Altötting mit einem Bildnis der Schwarzen Madonna von Altötting mitgebracht: "Darüber hat er sich auch sichtbar sehr gefreut."

Das Gespräch mit Benedikt bezeichnete der CSU-Politiker als "gut". "Allerdings ist es in der Tat so, dass man nur ein, zwei Sätze gut verstehen kann und dann wird die Stimme erst mal wieder schwach und dann braucht er erst wieder ein paar Minuten, ich sage das jetzt mal mit meinen Worten, um wieder genügend Luft zu haben, um dann wieder weitersprechen zu können", so Herrmann wörtlich. Benedikt nehme aber alles genau wahr und sei insofern voll auf der Höhe der Zeit. Er habe es, so der Minister, "als große Freude wahrgenommen, dass ich ihn noch einmal besuchen konnte". (stz)