Nachfolger mit sofortiger Wirkung berufen

Rücktritt: Speyerer Generalvikar Andreas Sturm wird alt-katholisch

Aktualisiert am 13.05.2022  –  Lesedauer: 

Speyer ‐ Vier Jahre lang stand Andreas Sturm an der Spitze der Verwaltung des Bistums Speyer. Nun tritt der Generalvikar zurück – und verlässt die römisch-katholische Kirche. Als Priester will er weiterhin wirken – aber in der alt-katholischen Kirche.

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Der bisherige Speyerer Generalvikar Andreas Sturm tritt von seinem Amt zurück und wird künftig in der alt-katholischen Kirche als Pfarrer wirken. Das Bistum Speyer teilte mit, dass Bischof Karl-Heinz Wiesemann den Rücktritt am Freitag angenommen und Sturm von allen priesterlichen Aufgaben entbunden hat. Sturm, der seit 2018 an der Spitze der Verwaltung der Diözese stand, äußerte sich in einer persönlichen Erklärung zu seinen Beweggründen. "Ich habe im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann. Gleichzeitig erlebe ich, wie viel Hoffnung in laufende Prozesse wie zum Beispiel den Synodalen Weg gesetzt wird." Er sei aber nicht mehr in der Lage, "diese Hoffnung auch zu verkünden und ehrlich und aufrichtig mitzutragen, weil ich sie schlichtweg nicht mehr habe", so Sturm weiter. Zugleich erlebe er das Bistum auf einem guten Weg, sowohl mit Blick auf die Aufarbeitung von Missbrauch wie in Bezug auf die Umsetzung des diözesanen Visionsprozesses.

Zum Nachfolger Sturms ernannte der Bischof mit sofortiger Wirkung den bisherigen Regens des Speyerer Priesterseminars Markus Magin. Magin habe sich an seinen bisherigen Wirkungsorten als Kaplan, Pfarrer und seit 2009 als Regens durch ein "breites theologisches Wissen, eine tiefe geistliche Verwurzelung und ein großes Organisations- und Kommunikationstalent" ausgezeichnet. Er danke Magin für seine Bereitschaft, "dieses verantwortungsvolle Amt in dieser schwierigen Zeit anzutreten". 

"Ich hatte einfach keine Kraft mehr"

Wiesemann habe den Rücktritt seines bisherigen Generalvikars "mit großem Bedauern" angenommen, heißt es in einem Brief an alle Mitarbeitenden. Das sei ihm persönlich äußerst schwer gefallen, denn er habe mit seinem Generalvikar auf "zutiefst vertrauensvolle Weise“ zusammengearbeitet. "Nicht zuletzt in der langen Zeit meiner Erkrankung im letzten Jahr hat er, zusammen mit Weihbischof Otto Georgens, das Bistum mit großem Einsatz in seiner sympathischen und weltoffenen Art durch diese schwierige Phase geführt. Dafür bin und bleibe ich ihm zutiefst dankbar", so Wiesemann weiter. "Andreas Sturm hat viel Positives in unser Bistum eingebracht mit seiner zupackenden und begeisternden Art und seinem leidenschaftlichen Einsatz für eine erneuerte, von Gott berührte und menschennahe Kirche, die alle Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation ernstnimmt und für sie zum Segen wird", betonte der Bischof. Dieser habe für sich eine persönliche Weg- und Richtungsentscheidung getroffen. Damit finde "eine Wegstrecke gemeinsam getragener Verantwortung ihren Abschluss". In seiner persönlichen Erklärung betonte Sturm, dass er nicht mit Ärger und Wut gehe, "sondern mit einer großen Hoffnung für mich und meine eigene Berufung". Er bitte alle um Verzeihung, die er mit seinem Schritt enttäusche, verletze und verärgere: "Ich hatte einfach keine Kraft mehr."

Sturm war 20 Jahre lang Pfarrer im Bistum und wirkte neben der Gemeindeseelsorge unter anderem als Referent für Ministrantenpastoral, Geistlicher Leiter der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und als Diözesanpräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Vor seiner Berufung zum Generalvikar war er Pfarrer und Dekan in der Saarpfalz.

Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland entstand in den 1870er Jahren in Abgrenzung zu den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils (1869–1870) zur Unfehlbarkeit und zum Jurisdiktionsprimat des Papstes. Zum deutschen Bistum gehören gut 16.000 Mitglieder in 60 Pfarrgemeinden. Die Kirchenordnung der alt-katholischen Kirche ist bischöflich-synodal. In den letzten Jahren erlebt die Kirche mit mehreren Hunderten Beitritten pro Jahr einen großen Zustrom an Mitgliedern, die zuvor zur römisch-katholischen Kirche gehörten. Bei der Bistumssynode im vergangenen Jahr äußerte sich Bischof Matthias Ring mit Sorge über den Zustand der römisch-katholischen Kirche. "Einige sprechen von einer Implosion, mir kam immer wieder der Begriff der Kernschmelze in den Sinn", so Ring. (fxn)