Gremien würdigen Einsatz für Aufarbeitung und Geschlechtergerechtigkeit

Respekt und Bedauern nach Rücktritt von Speyerer Generalvikar Sturm

Aktualisiert am 16.05.2022  –  Lesedauer: 
Porträtfoto von Andreas Sturm
Bild: © Bistum Speyer

Speyer ‐ Die Nachricht am Freitag erschütterte die Menschen weit über die Grenzen des Bistums Speyer hinaus: Der beliebte Generalvikar Andreas Sturm trat zurück und kündigte an, alt-katholisch zu werden. Bei den Laien ist das Bedauern groß.

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Mit Bedauern, Respekt und Dank reagieren in Speyer diözesane Gremien und Verbände auf den Rücktritt von Generalvikar Andreas Sturm. Nach der Mitteilung des Bistums am Freitag, dass Sturm sein Amt niederlegt und er künftig als Priester in der alt-katholischen Kirche wirken wird, äußerten sich am Montag die Diözesanversammlung, der Katholikenrat und der Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Stellungnahmen.

Der Vorstand der Diözesanversammlung, die aus Mitgliedern der verschiedenen Vertretungsgremien besteht und als Pastoralrat den Bischof berät, würdigte Sturms Einsatz für die Aufarbeitung des Missbrauchs in der katholischen Kirche und für Geschlechtergerechtigkeit. "Für diese klaren Positionierungen und das Voranbringen der Themen, die viele Gläubige bewegen, sind wir ihm sehr dankbar", so die Stellungnahme. "Für unsere altkatholischen Schwestern und Brüder wird er als Seelsorger ein Segen sein." Die Gründe für den Rücktritt seien nachvollziehbar. Dennoch bedauere der Vorstand, "einen menschennahen Fürsprecher, der für eine moderne Kirche steht, nicht mehr als 'Mitstreiter' an unserer Seite zu wissen".

"Eine Person, die einem Zuversicht gab"

Auch der Katholikenrat bedauerte den Rücktritt. "Gerade in diesen Themen, welche Veränderungen in unseren Kirchen bedürfen, war Andreas Sturm eine Person, die einem Zuversicht gab", würdigte das Vorstandsmitglied Hede Strubel-Metz den ehemaligen Generalvikar. Die aktuelle Situation in Kirche lasse viele Menschen zweifeln, ob sich alte Strukturen noch verändern ließen. Das Vorstandsmitglied Stefan Angert betonte, dass der Rat weiterhin daran glaube, dass es sich lohne, "für eine neue menschenfreundliche Kirche einzusetzen". Dafür sei es aber notwendig, den Kurs, den auch Sturm als Generalvikar mitgeprägt habe, beizubehalten.

Der BDKJ zeigte sich nachdenklich. Diözesanvorsitzender Thomas Heitz würdigte Sturm, der von 2010 bis 2015 BDKJ-Diözesanpräses war. An vielen Stellen habe er als Generalvikar die Werte des BDKJ im Bistum vertreten und wichtige Reformprozesse mit auf den Weg gebracht. "Wir können nachvollziehen, dass dieses Wirken viel Kraft kostet und verstehen die Gründe, die Andreas Sturm für sein Ausscheiden aus dem Dienst genannt hat. Gleichzeitig bedauern wir, dass mit ihm ein so großer Fürsprecher für eine menschennahe, moderne Kirche zu diesem Zeitpunkt geht", so Heitz. Er hoffe, dass die Aufarbeitung von Missbrauch und eine Stärkung von Geschlechtergerechtigkeit, für die Sturm gestanden habe, auch weiterhin ein Schwerpunkt des Bistums bleibe. "Gerade in den aktuell laufenden Prozessen von Einsparmaßnahmen, Neuorientierung an der Bistumsvision, aber auch den vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, hoffen wir, dass unser Bistum auch künftig die richtigen Prioritäten setzen wird. Kirche muss wieder glaubwürdig werden und sich mit Leben anfüllen lassen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden", so der Diözesanvorsitzende weiter.

Am Freitag hatte das Bistum Speyer mitgeteilt, dass Bischof Karl-Heinz Wiesemann der Rücktrittsbitte seines Generalvikars unverzüglich entsprochen hatte. Zum Nachfolger Sturms ernannte der Bischof mit sofortiger Wirkung den bisherigen Regens des Speyerer Priesterseminars Markus Magin. In einer durch das Bistum veröffentlichten Stellungnahme begründete Sturm seinen Schritt damit, dass er das Vertrauen in die Erneuerungsfähigkeit der Kirche verloren habe. Er gehe aber nicht mit Ärger und Wut, "sondern mit einer großen Hoffnung für mich und meine eigene Berufung". Sturm bitte alle um Verzeihung, die er mit seinem Rücktritt und seinem Übertritt zur alt-katholischen Kirche enttäusche, verletze und verärgere: "Ich hatte einfach keine Kraft mehr." Sturm war 20 Jahre lang Pfarrer im Bistum und wirkte neben der Gemeindeseelsorge unter anderem als Referent für Ministrantenpastoral, Geistlicher Leiter der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und als Diözesanpräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Vor seiner Berufung zum Generalvikar war er Pfarrer und Dekan in der Saarpfalz. (fxn)