"Stehen unter ständigem Druck durch Staatsorgane und Plünderer"

Moskautreue ukrainische Kirche wehrt sich gegen Anfeindungen

Aktualisiert am 27.05.2022  –  Lesedauer: 

Kiew ‐ Viele ukrainisch-orthodoxe Gemeinden haben sich von Moskau losgesagt. Diejenigen, die ihrer Mutterkirche treu bleiben, seien starker öffentlicher Anfeindung ausgesetzt, beklagt ihr Metropolit Onufri – obwohl sie den russischen Angriff ablehnten.

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Die zum Moskauer Patriarchat gehörende ukrainisch-orthodoxe Kirche beklagt eine zunehmende Feindseligkeit gegen sie in der Gesellschaft. Gegner der Kirche hätten bereits mehr als 40 Gotteshäuser überfallen, sagte ihr Oberhaupt, Metropolit Onufri, am Freitag bei einer Versammlung von Bischöfen, Priestern und Laien aus allen ukrainischen Diözesen in Kiew. Mehr als 20 Mal hätten Kommunalpolitiker zudem rechtswidrig die Arbeit von örtlichen Pfarreien verboten oder eingeschränkt.

"Gemeinden der Ukrainischen Orthodoxen Kirche stehen unter ständigem Druck durch Staatsorgane und Plünderer", so Onufri laut Kirchenangaben. Es handele sich um bewusste Verstöße gegen den Verfassungsgrundsatz der Trennung von Kirche und Staat und der Gleichheit aller vor dem Gesetz. Er verwies auch darauf, dass eine Abgeordnete im ukrainischen Parlament ein Verbot der Kirche des Moskauer Patriarchats und der Verstaatlichung ihres Eigentums beantragt habe.

Onufri: Haben Krieg von Anfang an verurteilt

Der Kirche wird vorgeworfen, Kreml-Chef Wladimir Putin zu unterstützen und unpatriotisch zu sein. Zwei ihrer Geistlichen waren unter anderem wegen Kooperation mit dem russischen Geheimdienst festgenommen worden. Onufri wies die Anschuldigungen zurück. Die Kirche habe für die ukrainischen Streitkräfte militärische Ausrüstung im Wert von 1,5 Millionen Hrywnja (umgerechnet 48.000 Euro) besorgt. Zudem habe man Soldaten und ihren Familien 190 Tonnen "humanitäre Hilfe" übergeben.

Seine Kirche habe Russlands Einmarsch in die Ukraine von Anfang an verurteilt, so der 77-jährige Metropolit. "Die Stimme unserer Kirche ist leider ungehört geblieben", fügte er hinzu. Im Krieg wurden ihm zufolge mehr als 80 Kirchen zerstört und auch Geistliche und Gläubige der Kirche getötet.

Rund 60 Prozent der etwa 41 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und der Ende 2018 gegründeten eigenständigen (autokephalen) Orthodoxen Kirche der Ukraine. Die moskautreue Kirche zählt in der Ukraine mit rund 12.000 Pfarreien zwar deutlich mehr als jede andere Konfession. Aber in Umfragen bekannten sich die meisten Bürger zur neuen, unabhängigen orthodoxen Kirche. Zu ihr sollen in den vergangenen drei Monaten etwa 400 ehemalige Gemeinden des Moskauer Patriarchats gewechselt sein. Nach eigenen Angaben zählt sie nun etwa 7.600 Pfarreien. (KNA)

28.05., 17:00 Uhr: Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass sich die gesamte ukrainisch-orthodoxe Kirche von Moskau unabhängig erklärt hat.