Standpunkt

In 50 Jahren: Nur noch ökumenische Gemeinden?

Aktualisiert am 03.06.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Zum Katholikentag in Stuttgart kamen deutlich weniger Besucher als zu früheren Ausgaben des Formats. Angesichts dessen denkt Gabriele Höfling darüber nach, wie durch ökumenische Zusammenarbeit Angebote erhalten werden können.

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Nach dem Katholikentag hat Klaus Pfeffer, Generalvikar im Bistum Essen, einen bemerkenswerten wie naheliegenden Vorschlag gemacht: Er sei dafür, dass künftig nur noch gemeinsame Kirchentage der evangelischen und katholischen Kirche stattfinden, schrieb er auf Facebook. Dem ist angesichts des im Vergleich zur geringen Besucherzahl völlig überdimensionierten Treffens in Stuttgart nur zuzustimmen. Aber das kann nur ein Anfang sein: Im Zuge ihrer sich beschleunigenden Marginalisierung werden die Kirchen in den nächsten Jahrzehnten in einer nie dagewesenen Form zusammenarbeiten müssen, wollen sie nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.  

Ansätze davon sind an vielen Stellen bereits vorhanden. Beispiel Religionsunterricht: In Nordrhein-Westfalen will nun sogar das Erzbistum Köln in den sogenannten konfessionell-kooperativen Unterricht einsteigen, den es dort schon seit einigen Jahren gibt. In Niedersachen ist angesichts geringer Schülerzahlen gar ein echter gemeinsamer christlicher Religionsunterricht geplant. Beispiel politischer Diskurs: Auch hier sollten sich die Kirchen zusammentun – das gilt für Themen wie eine neue Friedensethik angesichts des Ukraine-Kriegs genauso wie für ethische Debatten etwa um Sterbehilfe oder Abtreibung. Auch Bischof Georg Bätzing sagte auf dem Katholikentag, besonders gut würden die Kirchen gehört, wenn sie mit einer Stimme sprechen.

Beispiel Pfarreien: Ein ökumenischer Chor in einem Stadtteil hat nach der Pandemie möglicherweise eine größere Überlebenschance als jeweils ein katholischer und ein evangelischer. Und natürlich kann man das angesichts von quälenden Strukturreformen und XXL-Pfarreien auch über ökumenische Gemeinden nachdenken. Den Vorschlag hat der evangelische Landesbischof Ralf Meister schon vor einigen Jahren gemacht. Die erste Ökumenekirche Mannheims weist ebenfalls in diese Richtung.

Noch sind das Einzelbeispiele. 50 Jahre weitergedacht, ist eine mehr oder weniger flächendeckende Landschaft ökumenischer Gemeinden in Deutschland aber durchaus vorstellbar. Klar: Bei einem solchen Gedankenexperiment ist nicht jedem wohl, ungelöste theologische Probleme zu gemeinsamem Abendmahl/Eucharistie sind außen vor. Aber wer weiß, vielleicht wirkt der Zwang zur praktischen Zusammenarbeit ja auch auf dieser Ebene als Katalysator für eine Annäherung.

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Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei der Katholischen Nachrichten-Agentur und bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.