Scharfe Kritik des vatikanischen "Ökumeneministers"

Kardinal Koch wirft Patriarch Kyrill I. "Häresie" vor

Aktualisiert am 29.06.2022  –  Lesedauer: 

Würzburg ‐ Mit scharfen Worten kritisiert Kardinal Kurt Koch den Moskauer Patriarchen Kyrill: Der vatikanische Ökumeneminister spricht von "Häresie" – und erzählt, wie eine gemeinsame Erklärung von Papst und Patriarch gegen den Krieg gescheitert ist.

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Der vatikanische "Ökumeneminister" Kardinal Kurt Koch hat die religiöse Rechtfertigung des Kriegs gegen die Ukraine durch den Moskauer Patriarchen Kyrill I. scharf kritisiert. "Den brutalen Angriffskrieg Putins als 'Spezialoperation' zu verharmlosen, ist ein Missbrauch der Sprache. Ich muss dies als absolut unmögliche Position verurteilen", sagte er in einem Interview der in Würzburg erscheinenden Wochenzeitung "Die Tagespost" (Donnerstag).

Als "Häresie" (Irrlehre) wertete der Präfekt der Kurienbehörde zur Förderung der Einheit der Christen, "dass der Patriarch aus pseudoreligiösen Gründen den brutalen und absurden Krieg in der Ukraine zu legitimieren wagt". Mit Blick auf die von Kyrill postulierte nationale Einheit von Russen und Ukrainern aufgrund der "Taufe der Kiewer Rus" im Jahr 988 fügte er hinzu: "Wenn Russen und Ukrainer aus demselben Taufbad hervorgegangen sind, die Russen heute aber die Ukrainer angreifen und Krieg führen, dann wird die Einheit dementiert."

Zu keinem gemeinsamen Wort mit dem Papst bereit

In dem Interview erläuterte der Kardinal, wie es zu der Videokonferenz von Papst Franziskus und Kyrill im März gekommen ist. Er selbst, so Koch, habe dem damaligen Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew, bei einem Gespräch im Februar eine gemeinsame Erklärung von Papst und Patriarch gegen den Krieg in der Ukraine vorgeschlagen. Kurz nach dieser Sitzung habe er die Antwort erhalten, dass der Patriarch zu keinem gemeinsamen Wort mit dem Papst bereit sei. Erst Wochen später habe Moskau eine Zoom-Konferenz mit dem Papst gewünscht.

Da unmittelbar danach das russisch-orthodoxe Patriarchat die Erklärung veröffentlicht habe, der Patriarch sei dafür dankbar, dass der Papst und er eine gemeinsame Sicht des Konflikts in der Ukraine hätten, "musste Rom öffentlich kommunizieren, was der Papst wirklich gesagt hat", betonte Koch.

Zurückhaltend äußerte sich der Kardinal mit Blick auf eine zweite Begegnung von Papst und Patriarch. Würde eine solche stattfinden, wenn noch immer kriegerische Handlungen erfolgten und Kyrill an seiner unhaltbaren Rechtfertigung des Krieges festhielte, "wäre sie schwerwiegenden Missverständnissen ausgesetzt", unterstrich der "Ökumeneminister". Allerdings dürfe man "die Türen nie schließen". (KNA)