Vatikan übermittelt Beileidstelegramm nach Japan

"Mit tiefer Traurigkeit": Papst bestürzt über Ermordung von Shinzo Abe

Aktualisiert am 09.07.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Der gewaltsame Tod des früheren japanischen Regierungschefs hat viele Menschen schockiert. Auch Papst Franziskus ist bestürzt über das Attentat auf Shinzo Abe und übermittelt sein aufrichtiges Beileid.

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Nach der Ermordung des ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hat Papst Franziskus sein Beileid übermittelt. "Mit tiefer Traurigkeit" habe das Kirchenoberhaupt von der Ermordung erfahren, heißt es in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an den päpstlichen Botschafter in Tokio.

Der Papst spreche Abes Familie, seinen Freunden und dem ganzen Volk sein herzliches Beileid aus, heißt es in dem Schreiben weiter. Nach "dieser sinnlosen Tat" bete er dafür, "dass die japanische Gesellschaft in ihrem historischen Engagement für Frieden und Gewaltlosigkeit gestärkt wird".

Der 67-jährige frühere Regierungschef Abe war am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Nara niedergeschossen worden. Er erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Abe war 2006 bis 2007 sowie von 2012 bis 2020 Ministerpräsident in Japan gewesen. Im November 2019 hatte Papst Franziskus Japan besucht und war dort auch mit Abe zusammengetroffen.

Tokios Erzbischof würdigt "großen Respekt" Abes für Kirche

Bereits am Freitagabend hatte der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Gallagher, Abe als einen Mann gewürdigt, "der über die Grenzen Japans hinaus großen Einfluss hatte". Zwar sei er auch "eine sehr umstrittene Person, aber ein Mann mit Prinzipien" gewesen, mit "mit einem großen Sinn für das Gemeinwohl seines Volkes", so Gallagher im italienischen TV-Sender TG1.

Ebenfalls am Freitag hatte der Erzbischof von Tokio, Isao Kikuchi, Abes "großen Respekt gegenüber der katholischen Kirche" gewürdigt. Der verstorbene Regierungschef habe besonders den internationalen Einfluss des Heiligen Stuhls zu schätzen gewusst, so Kikuchi. Gleichzeitig erinnerte der Erzbischof daran, dass die japanischen Bischöfe etwa bei den Themen rund um die Nutzung von Atomenergie eine andere Auffassung als der frühere Premierminister gehabt hätten.

Unterdessen sind die Motive des Täters weiter unklar. Japanische Medien berichteten am Samstag unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Mann habe womöglich aus Hass auf die Moon-Sekte ("Vereinigungskirche") gehandelt, der Abe angeblich wohlgesonnen sei. (rom/KNA)