Rigidität sei eine Gefahr für die Kirche

Konservatives Priesterseminar geschlossen – Papst meldet sich zu Wort

Aktualisiert am 01.08.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Das argentinische Bistum San Rafael kommt nicht zur Ruhe – auch nach dem Rücktritt des Bischofs sorgt die Schließung des konservativen Priesterseminars für Unmut. Papst Franziskus meldet sich nun in einem persönlichen Brief zum Konflikt zu Wort.

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Papst Franziskus sieht in Rigidität eine Gefahr für die Kirche. In einem Brief an einen argentinischen Priester, den die Agentur "aciprensa" am Samstag veröffentlichte, betont der Papst, dass die Starrheit der Auftakt zu einer Ideologie sei, "die so viel Schaden anrichtet und die die Starrköpfe zur Zeit Jesu dazu brachte, ihn zu verurteilen, weil er die Barmherzigkeit über das Gesetz stellte". Franziskus reagiert in seinem Schreiben auf einen Brief eines Priesters der Diözese San Rafael im Zusammenhang mit dem Streit um die Schließung des Priesterseminars des Bistums. In San Rafael seien die Konzilsdekrete über die Priesterausbildung "Optatam totius" und über Dienst und Leben der Priester "Presbyterorum ordinis" "buchstabengetreu" befolgt worden, beteuerte der Priester laut "aciprensa" in seinem Brief an den Papst: "Ist diese Starrheit schlecht? Ist sie Ideologie? Haben wir keinen Platz in der heutigen Kirche?"

"Ich muss Ihnen sagen, dass es eine Sache ist, im Gesetz des Herrn zu wandeln, wie der Psalm uns auffordert zu beten, und eine ganz andere Sache, starr zu sein", so Franziskus in seiner Antwort. Rigidität sei keine Gabe Gottes: "Sanftmut, Güte, Wohlwollen, Vergebung dagegen schon, aber Rigidität nicht!". In der Kirche habe jeder einen Platz, und deshalb sei Rigidität auch nicht möglich, "denn sie verschließt die Türen für 'alle' und hält sie nur für die 'Perfekten' offen", so der Papst weiter.

Proteste wegen Verbots der Mundkommunion im ersten Corona-Sommer

Der damalige Bischof Eduardo Taussig hatte das Seminar im Sommer 2020 geschlossen, nachdem es dort zu massiven Protesten gegen das Verbot der Mundkommunion während der Corona-Pandemie gekommen war. Etwa die Hälfte des Diözesanklerus beteiligte sich an Protesten gegen die Entscheidung. Im Februar nahm Papst Franziskus den Rücktritt des zu diesem Zeitpunkt erst 67-jährigen Taussigs an.

Örtliche Medien werteten die Schließung des Seminars als Versuch Taussigs in Absprache mit dem Vatikan, seine zerstrittene Diözese zu einen. Kurz vor der Schließung hatte der Bischof in einer Video-Botschaft beklagt, dass es eine "große Spaltung, viel Konfrontation und viel Ungehorsam" in seinem Bistum gebe. Die Diözese San Rafael und auch das dortige Priesterseminar hatten sich während der 70er- und 80er-Jahre unter dem Kurs des damaligen Bischofs León Kruk zu einer Hochburg des ultrakonservativen Katholizismus entwickelt. Während dieser Zeit war das Seminar die größte Priesterausbildungsstätte Argentiniens. (fxn)