Vorwürfe von Nachfahren ehemaliger Sklaven in den USA

Kritik an Jesuiten: Orden komme Entschädigungen nicht nach

Aktualisiert am 18.08.2022  –  Lesedauer: 
Das Emblem der Jesuiten über der Hauptkirche des Ordens Il Gesú in Rom.
Bild: © katholisch.de

Washington ‐ Vor anderthalb Jahren kündigten die Jesuiten in den USA an, 100 Millionen US-Dollar für ein Entschädigungsprogramm für Nachfahren ehemaliger Sklaven zur Verfügung zu stellen. Nur wo bleibt das versprochene Geld?

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Nachfahren ehemaliger Sklaven in den USA werfen dem Jesuitenorden Untätigkeit bei der Umsetzung ihres Entschädigungsversprechens vor. Es gebe weiterhin keine Fortschritte in dem Vorgang, erklärte am Dienstag (Ortszeit) der Stiftungsvorsitzende der Wiedergutmachungsinitiative, Joseph Stewart, in einem Offenen Brief. Wenn die Partnerschaft zwischen dem Orden und der Stiftung zerbreche, würden die Sklavennachfahren durch die Jesuiten genauso verraten wie damals.

Vor anderthalb Jahren hatten die Jesuiten in den USA angekündigt, 100 Millionen US-Dollar für ein Entschädigungsprogramm zur Verfügung zu stellen. Dies sollte die größte Anstrengung der römisch-katholischen Kirche zur Wiedergutmachung für den Kauf, den Verkauf und die Versklavung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten werden, wie es hieß.

Stewart hält dem Orden nun vor, die Angelegenheit "auf die lange Bank zu schieben". Der Stiftungschef hatte sich Anfang des Monats schriftlich an den Vatikan gewandt und die Führung des Ordens aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Jesuiten ihr Versprechen einhielten.

Auch Papst Franziskus solle um Verzeihung bitten

Als möglichen Grund für die Verzögerungen deutete Stewart an, die Jesuiten hätten Erlöse aus Plantagen-Verkäufen noch nicht in den Versöhnungs-Fonds eingezahlt. Diese belaufen sich demnach auf 57 Millionen US-Dollar. Stewart drängt in seinem Brief an Ordensgeneral Arturo Sosa auf weitere Grundstücksverkäufe, deren Gewinne bis Weihnachten in den Fonds eingezahlt werden sollten.

Stewart gehört zu den Nachfahren der Sklaven, deren Verkauf die in jesuitischer Trägerschaft befindliche Georgetown Universität in Washington seinerzeit vor dem finanziellen Ruin gerettet hatte. Im Jahr 1838 verkaufte die Universität 272 Männer, Frauen und Kinder an Plantagenbesitzer in Louisiana. Mit dem Erlös von umgerechnet heute über 3,3 Millionen US-Dollar konnten die Schulden der Universität getilgt werden. 1839 bezeichnete Papst Gregor XVI. in seinem Schreiben "In supremo apostolatus" den Sklavenhandel als Verbrechen und drohte allen Kirchenstrafen an, die sich weiter daran beteiligen. 2017 hatten sich die Jesuiten bei den Nachkommen der ehemaligen Sklaven entschuldigt. Stewart forderte, dass Papst Franziskus ebenfalls um Verzeihung bitte. (tmg/KNA)