Drei Priester wollen Klärung durch Staatsanwaltschaft

Anzeige gegen Woelki wegen Verdacht auf Falschaussage im Fall Pilz

Aktualisiert am 02.09.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Medienberichte haben Zweifel an einer eidesstattlichen Versicherung von Kardinal Woelki im Fall Pilz geweckt. Das Erzbistum hält daran fest, dass der Erzbischof die Wahrheit gesagt hat. Ob das so ist, soll jetzt die Staatsanwaltschaft klären.

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Drei Priester haben eine Strafanzeige gegen Kardinal Rainer Maria Woelki wegen des Verdachts einer falschen Versicherung an Eides Statt im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Pilz erstattet. Wolfgang Rothe, Bernd Mönkebüscher und Burkhard Hose haben ihre Anzeige mit Datum vom Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft Köln eingereicht, die katholisch.de vorliegt. Keiner der drei Anzeigeerstatter ist Kölner Diözesanpriester. In der Anzeige beziehen sie sich auf die Berichterstattung von "Christ und Welt" und des Deutschlandfunks, in der Zweifel an den durch den Kardinal getätigten Aussagen zum Zeitpunkt seiner Kenntnis des Falls Pilz aufgeworfen wurden. Das Strafrecht sieht für eine falsche eidesstattliche Versicherung ein Strafmaß von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe vor. Gegenüber katholisch.de bezeichnete die Pressestelle des Erzbistum den Verdacht, Woelki habe eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben, am Freitagnachmittag als "geradezu absurd".

Die Priester begründeten ihre Anzeige damit, dass es die Aufgabe unabhängig ermittelnder Behörden sei, die Vorwürfe zu klären. "Wie viele andere Kirchenmitglieder haben wir kein Vertrauen mehr in Erklärungen der erzbischöflichen Pressestelle oder der vom Kardinal beauftragten Anwälte", heißt es in einer Pressemitteilung von Rothe, Mönkebüscher und Hose vom Freitag. Neben der Frage der rechtlichen Verantwortung treibe sie auch die Frage nach der moralischen Verantwortung um: "Wer soll einer Kirche, die sich mit ihren Amtsträgern hinter Eidesstattlichen Erklärungen, Medienberatern und Rechtsanwälten verschanzt und nur noch um den eigenen Machterhalt besorgt scheint, überhaupt noch vertrauen?" Ein solches Verhalten schade zuerst den Überlebenden des Missbrauchs, aber auch den Menschen, "die ihre Biographien als Hauptamtliche oder im freiwilligen Engagement ganz dieser Kirche gewidmet haben und die keine Antwort mehr auf die Frage finden, wie sie noch in solchen Systemen arbeiten können". Die Anzeige solle auch ein "Weckruf" an die anderen Bischöfe in Deutschland sein, von denen sie eine Stellungnahme zu den Vorgängen der vergangenen Wochen vermissen. Die Frage, wie mit Missbrauchsbetroffenen umgegangen werde, sei eine Frage, bei der es keine Nichteinmischung geben könne.

Erzbistum sieht keine Widersprüche

Woelki hatte gegenüber dem Landgericht Köln an Eides Statt versichert, erst in der vierten Juniwoche 2022 durch das Erzbistum Köln mit dem Fall befasst worden zu sein. Den Berichten war zu entnehmen, dass das Büro des Kardinals bereits vor diesem Zeitpunkt einen Betroffenen zu einem Gespräch mit Woelki eingeladen hatte. Das Erzbistum betonte auf Anfrage, dass das Schreiben vom 6. Mai, das mit den Worten "der Herr Kardinal bat mich bei Ihnen anzufragen" beginnt, "ohne jede Befassung von Herrn Kardinal Woelki formuliert und versandt wurde" und die Formulierung durch das Büro "autonom gewählt" worden sei und lediglich auf eine allgemeine Bitte des Kardinals zur Vereinbarung von derartigen Gesprächen Bezug nehme.

Am Freitag erläuterte die Pressestelle des Erzbistums den Ablauf gegenüber katholisch.de erneut. Dass die Einladung bereits im Mai ausgesprochen worden war, stehe in keiner Weise im Gegensatz zu der eidesstattlichen Versicherung. "Wie in jedem anderen Vorzimmer dieser Welt erledigt die Einladung und die Terminierung die dafür zuständige Mitarbeiterin selbständig – und natürlich nicht der Kardinal. So war es auch in diesem Fall: Herr Kardinal Woelki war mit der Einladung und Terminierung gar nicht befasst", so das Erzbistum.

Die am Mittwoch von der Zeit-Beilage "Christ und Welt" und dem Radiosender Deutschlandfunk veröffentlichte Recherche zeichnet den Fall eines 1956 geborenen Mannes nach, der als Ikonenmaler in der von Winfried Pilz geleiteten Bildungsstätte Haus Altenberg gelebt hat. Bereits 1988 soll der Maler gegenüber dem damaligen Weihbischof Josef Plöger erstmals von der Vergewaltigung durch Pilz und mögliche weitere Betroffene berichtet haben, allerdings ohne Konsequenzen für den Priester. Erst 2012 sei Pilz durch den damaligen Personalchef und heutigen Weihbischof Ansgar Puff sowie der Bistumsjustiziarin zu Vorwürfen befragt worden. Das Vorgehen gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Kirchenrecht führte schließlich zu der Auflage gegen Pilz, Situationen auszuschließen, in denen Minderjährige seiner alleinigen Einflussnahme ausgesetzt sind, so der Bericht. Ende Juni hatte das Erzbistum Köln selbst über Vorwürfe gegen Pilz informiert und mögliche weitere Betroffene aufgefordert, sich zu melden. (fxn)

2. September 2022, 17.30 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme des Erzbistums.