Vierte Synodalversammlung beendet – nur Grundtext zur Sexualmoral nicht angenommen

Synodalpräsidium: Haben Zukunft der Kirche in Deutschland verhandelt

Aktualisiert am 10.09.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ Nach einem Eklat am ersten Tag der vierten Synodalversammlung haben die Synodalen in den Folgetagen wichtige Grund- und Handlungstexte verabschiedet. Das Synodalpräsidium zieht zum Ende der dreitägigen Veranstaltung ein gemischtes Fazit.

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Das Synodalpräsidium hat zum Ende der vierten Synodalversammlung ein gemischtes Fazit gezogen. "Wir haben sieben positive und richtungsweisende Entscheidungen getroffen, die eine Signalwirkung für Menschen haben, die sich noch mit der Kirche verbunden fühlen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Synodalen Wegs, Bischof Georg Bätzing, am Samstag in Frankfurt. Gleichzeitig bleibe die Enttäuschung über den zu Beginn der Synodalversammlung abgelehnten Grundtext zur Sexualmoral der katholischen Kirche. Besonders schmerzlich sei die Ablehnung gewesen, weil es "ein wunderbarer Signaltext" gewesen sei.

Gemeistert habe man die entstandene Krise durch eine offene Rede im weiteren Verlauf der Versammlung und eine geänderte Methode, so Bätzing weiter. So wurde etwa die Redezeit der Synodalen von eine auf zwei Minuten verlängert, um die eigenen Argumente besser vortragen zu können. Bätzing kündigte an, die angenommenen Texte als "Aufträge" mit zum Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus mitzunehmen und sie auch in den weltweiten synodalen Prozess einzubringen. "Wir haben hier keine beliebige Materie verhandelt, sondern die Zukunft der Kirche in Deutschland", sagte Bätzing.

Stetter-Karp: "Kräftezehrende Synodalversammlung"

Es war eine "kräftezehrende Synodalversammlung", in der man letztlich jedoch viel geschafft habe, sagte die Präsidentin des Synodalen Wegs und ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Noch immer erschüttert zeigte auch sie sich von der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral zu Beginn der Veranstaltung. Es sei klar zu erkennen gewesen, dass einige Bischöfe weder vor noch nach der Abstimmung ihre Meinung gesagt und stattdessen einfach mit "Nein" gestimmt hätten. Es sei zwar gut, dass die Bischöfe anschließend den Ernst der Lage erkannt hätten. "Eine Meinungsbildung hätte jedoch deutlich eher und nicht erst fünf Minuten vor einer Abstimmung stattfinden können", so Stetter-Karp. Mit Blick auf den Beschluss, einen überdiözesanen Synodalen Rat einzurichten sagte sie: "Wir sind bereit, schwierige Entscheidungen gemeinsam mit den deutschen Bischöfen zu treffen."

Der stellvertretende Vorsitzende der DBK, Bischof Franz-Josef Bode, sprach von einem "Wechselbad der Gefühle". Nach dem "Schock" am ersten Tag sei es zu einer Diskussion gekommen, in der Synodalität in großer Ehrlichkeit ausgeübt worden sei. Als einer der Co-Vorsitzenden der Forums sei er besonders froh darüber, dass der Grundtext zu Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche angenommen wurde. Er sei gespannt, wie das Dokument nun auf vatikanischer und weltkirchlich Ebene angenommen werde.

Der Vizepräsident des ZdK, der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding bezeichnete den Synodalen Weg als Erfolg, auch wenn er mit der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualethik "einen hohen Preis" bezahlt habe. Er erwarte, dass dieses Thema innerhalb der Bischofskonferenz nicht abgehakt werde. Mit Blick auf den Beschluss zur Einrichtung eines "Synodalen Rats" betonte Söding, es gebe nun ein Instrument, Synodalität auf Dauer zu stellen.

Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und Präsident des Synodalen Weges, und Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und des Synodalen Weges, auf der vierten Synodalversammlung in Frankfurt.

Die vierte Synodalversammlung mit mehr als 200 Delegierten hat von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt getagt und dabei über endgültige Fassungen zahlreicher Grund- und Handlungstexte aus den vier Synodalforen "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche" (I), "Priesterliche Existenz heute" (II), "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" (III) und "Leben in gelingenden Beziehungen" (IV) abgestimmt.

Am Donnerstagabend scheiterte der Grundtext für eine Liberalisierung der katholischen Sexuallehre an der Sperrminorität der Bischöfe. Bei der finalen Abstimmung in Zweiter Lesung votierten zwar 82,8 Prozent der anwesenden Delegierten, aber nur 61,1 Prozent der anwesenden Bischöfe für den Text. Die notwendige Zweidrittel-Mehrheit der Oberhirten wurde damit knapp verfehlt. Es folgten der Abbruch der Sitzung sowie eine spontane Protestaktion zahlreicher Synodaler und eine kurzfristig angesetzte Aussprache.

Am Freitagmorgen nahmen die Bischöfe und Laien ihre Beratungen trotz des Eklats am Vorabend wieder auf. Bischof Bätzing sprach zu Beginn von einer "nachhaltigen Krise" des Reformdialogs. Stetter-Karp betonte, man sei bereit, die Beratungen fortzuführen, werde aber auch Grenzen setzen. Am Mittag wurde dann mit großer Mehrheit der Grundtext "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" angenommen, der unter anderem den Wunsch nach der Zulassung von Frauen zu Weiheämtern formuliert. In Zweiter Lesung stimmten 92 Prozent aller Delegierten und knapp 82 Prozent der Bischöfe für das Dokument. Dem vorangegangen war eine durch Bätzing beantragte geheime Aussprache der Bischöfe. Der Vorsitzende des zuständigen Forums III, Bischof Franz-Josef Bode, sprach von einem "historischen Schritt".

Synodaler Rat soll überdiözesane Entscheidungen treffen

Am Freitagabend wurden zudem zwei Handlungstexte des Forums IV in Zweiter Lesung mit deutlichen Mehrheiten angenommen. Im ersten Papier plädieren die Synodalen für eine Neubewertung von Homosexualität in der katholischen Kirche. Die Kirche müsse bekennen, dass sie homosexuellen Menschen durch ihre Lehre und in der Praxis Leid zugefügt habe. Außerdem dürfe keiner Person mehr die Übernahme kirchlicher Ämter oder der Empfang der Priesterweihe wegen ihrer Homosexualität verwehrt werden, heißt es darin. Das zweite Papier fordert eine Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts und damit unter anderem das Ende von Sanktionen gegen wiederverheiratete Geschiedene oder schwule und lesbische Paare.

Der Handlungstext "Synodalität nachhaltig stärken" wurde am Samstag mit über 92 Prozent der Delegierten und über 87 Prozent der deutschen Bischöfe angenommen. Der Text plädiert für die Etablierung eines dauerhaften Gremiums, das der Synodalversammlung ähnelt und bistumsübergreifend gemeinsam berät und Entscheidungen trifft – etwa bei pastoralen Planungen, Zukunftsfragen oder Haushaltsangelegenheiten der Kirche. Zur Vorbereitung soll zunächst ein Synodaler Ausschuss und anschließend ein Synodaler Rat errichtet werden. Das Papier wurde im Vorfeld auch deshalb kontrovers diskutiert, weil der Vatikan Mitte Juli erklärt hatte, dass der Synodale Weg nicht befugt sei, "die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung zu verpflichten".

In Erster Lesung wurden außerdem die Handlungstexte "Enttabuisierung und Normalisierung – Voten zur Situation nicht-heterosexueller Priester" (Forum II) mit über 90 Prozent, "Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt" (Forum IV) mit knapp 95 Prozent und "Verkündigung des Evangeliums durch Frauen in Wort und Sakrament" (Forum III) mit über 93 Prozent angenommen. Die fünfte und letzte Synodalversammlung findet vom 9. bis zum 11. März 2023 statt. (bod/mal)