Gegen die Vorgaben aus dem Vatikan

Flämische Bischöfe wagen Vorstoß für Homosexuellen-Segnung

Aktualisiert am 20.09.2022  –  Lesedauer: 

Den Haag/Brüssel ‐ Die römische Glaubenskongregation hatte erklärt, dass die Kirche keine Vollmacht habe, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Die Bischöfe der belgischen Region Flandern wollen den Weg dafür nun dennoch freimachen.

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Gegen die Vorgaben aus dem Vatikan wollen die Bischöfe der belgischen Region Flandern den Weg für die Segnung homosexueller Paare freimachen. Die verantwortlichen Geistlichen, unter ihnen Brüssels Kardinal Jozef De Kesel (Foto) nehmen mit diesem Vorstoß in der Weltkirche eine Vorreiterrolle ein.

Am Dienstag veröffentlichten sie ein entsprechendes Schreiben unter dem Titel "Für eine einladende Kirche, die niemanden ausschließt". Darin enthalten ist auch ein Vorschlag für entsprechende Gebete und eine kirchliche Segnungsfeier. Dabei müsse aber "der Unterschied zu dem, was die Kirche unter einem Sakrament versteht, deutlich bleiben", heißt es mit Blick auf die Eheschließung.

Die römische Glaubenskongregation hatte in einem im März 2021 veröffentlichten Schreiben erklärt, die Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Denn zu diesen gehörten sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe von Mann und Frau. Gott segne sündige Menschen, nicht aber die Sünde, so die Vatikanbehörde.

Kritik am Vatikan aus verschiedenen Ländern

Das Nein des Vatikan war in Belgien, Deutschland und anderen Ländern auf Kritik gestoßen. Das römische Nein werde von vielen gläubigen gleichgeschlechtlichen Paaren sowie ihren Familien und Freunden als "besonders schmerzhaft empfunden", hieß es damals in einer Stellungnahme der Belgischen Bischofskonferenz. In Deutschland hatte es als Reaktion auf das vatikanische Nein bereits mehrfach Segnungsfeiern auch für gleichgeschlechtliche Paare gegeben. An der zweiten Auflage der Aktion "#liebegewinnt" nahmen im Mai bundesweit rund 80 Gemeinden teil.

Mit der Veröffentlichung neuer liturgischer Vorgaben wollen die flämischen Bischöfe den Betroffenen entgegenkommen. Ziel sei es, "die Seelsorge und Beratung für homosexuelle Menschen strukturell zu verankern". Dazu richten sie außerdem eine zentrale Kontaktstelle Homosexualität und Glaube ein. Außerdem wollen sie in jedem Bistum eine Kontaktperson benennen, die sich im Rahmen der Familienseelsorge um das Thema kümmert.

Der Text sei nicht dem Vatikan zur Prüfung vorgelegt worden, berichtete die Zeitung "Nederlands Dagblad". Er sieht neben Gebeten und einer Bibellesung einen Moment der "Verpflichtung der beiden Beteiligten" vor, in dem sie "gemeinsam vor Gott zum Ausdruck bringen, wie sie sich füreinander einsetzen". Nach Ansicht der Bischöfe aus Flandern entspricht der Vorstoß dem Willen von Papst Franziskus, der Situation homosexueller Menschen konkrete Aufmerksamkeit zu schenken. Dies habe er 2016 in seinem Schreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie zum Ausdruck gebracht. (tmg/KNA)