Erstmals auch ein Bischof dabei

Segensfeiern für Liebende in rund 80 katholischen Kirchen

Aktualisiert am 11.05.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Zum zweiten Mal gab es nun in zahlreichen katholischen Gemeinden Deutschlands Segnungsfeiern auch für gleichgeschlechtliche Paare. Diesmal war sogar ein Bischof Gast bei einer solchen Feier. Zur Wiederholung der Aktion gibt es aber auch Kritik.

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Katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger haben auch in diesem Jahr hetero- und homosexuelle Paare gesegnet – letztere gegen den Willen des Vatikan. An der zweiten Auflage der Aktion "#liebegewinnt" nahmen laut Veranstalter bundesweit rund 80 Gemeinden teil. Mit dem Essener Weihbischof Ludger Schepers war erstmals ein Bischof bei einer solchen Feier als Gast dabei.

Bei der Premiere der Aktion "#liebegewinnt" im vergangenen Jahr reagierten Seelsorgerinnen und Seelsorger mit insgesamt 110 Gottesdiensten und Segensfeiern auf ein zuvor ergangenes Nein des Vatikan zur Segnung homosexueller Paare. Die römische Glaubenskongregation hatte Mitte März 2021 erklärt, die Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen.

Kritik an der diesjährigen Aktion übte neben anderen auch der Münchner Priester Wolfgang Rothe, der sich im vergangenen Jahr noch beteiligt hatte. Die Wiederholung der Aktion könne als "missverständliches Zeichen wahrgenommen werden", schrieb er auf Twitter. Als Wiederholung werde sie zum Ritual und als solches vom System, "gegen das sie ursprünglich aufbegehrte, gleichsam absorbiert und domestiziert".

Organisatoren wehren sich gegen Kritik

Die Organisatoren, die die Segnungsaktion nach dem gleichnamigen Lied der Kölner Band Brings benannt haben, wehrten sich gegen die Kritik. Die zweite Auflage der Gottesdienste sei nicht einer "Regenbogen-Folklore", sondern einem echten seelsorgerischen Anliegen geschuldet: "Wenn ein 'Rituälchen' dazu beiträgt, dass auch nur ein queeres Paar sich in seinem Glauben und in seiner Liebe angesprochen fühlt, dann war es kein 'Rituälchen' für sie, sondern ein Segen", erklärte der Mitinitiator und Priester Bernd Mönkebüscher aus Hamm.

Am Montag hatte sich auch Papst Franziskus zu seiner Einstellung zu queeren Menschen geäußert. Nach seinen Worten werden sie nicht "von der Kirche", sondern von "Menschen in der Kirche" abgelehnt, schrieb er dem US-amerikanischen Portal "Outreach". Das englische Wort "queer" ist ein Sammelbegriff für sexuelle Minderheiten, unter denen Homosexuelle die größte Gruppe sind.

Vor rund drei Monaten zog die Aktion "#OutInChurch" mit dem öffentlichen Coming-out von 125 queeren katholischen Menschen große Debatten und deutliche Reformforderungen nach sich. Die dazugehörige Doku war die am häufigsten abgerufene in der ARD-Mediathek im ersten Quartal. (tmg/KNA)