Erste Stellungnahme des Osnabrücker Oberhirten

Bischof Bode nach Missbrauchsbericht: Ich bin blind gewesen

Aktualisiert am 20.09.2022  –  Lesedauer: 

Osnabrück ‐ Es beschäftige ihn sehr, "wie blind wir eigentlich gewesen sind und wie blind ich gewesen bin für das Leiden und die Perspektiven der Betroffenen": Bischof Franz-Josef Bode reagiert auf den Osnabrücker Missbrauchsbericht.

  • Teilen:

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zeigt sich nach der Veröffentlichung eines Missbrauchsberichts für seine Diözese nachdenklich. "Jetzt beschäftigt es mich sehr, wie blind wir eigentlich gewesen sind und wie blind ich gewesen bin für das Leiden und die Perspektiven der Betroffenen", sagte Bode laut Mitteilung des Bistums Osnabrück am Dienstag. "Ich trage die Verantwortung dafür, auch für das System im Bistum." Den Text wolle er nun studieren und Gespräche führen, "und wir werden gründlich beraten, wie der weitere Weg aussehen wird", so der Bischof. "Ich hatte diesen Zwischenbericht gewollt, damit die Wahrheit auch möglichst schnell ans Licht kommt."

Am Dienstagvormittag war eine Studie der Universität Osnabrück zu Missbrauch in der Diözese seit 1945 vorgestellt worden. Das Bistum hat laut der Untersuchung über das Jahr 2000 hinaus "teils schwerwiegend gegen die Pflichten" zur Verhinderung weiterer Straftaten verstoßen. Insbesondere die Bischöfe treffe "bei Entscheidungen über den weiteren Einsatz Beschuldigter eine individuelle Verantwortung", hieß es. Vor allem unter den früheren Oberhirten Helmut Hermann Wittler (1957-1987) und Ludwig Averkamp (1987-1994) habe es etliche Pflichtverletzungen gegeben. Dies gelte aber auch für den amtierenden Bischof Franz-Josef Bode in seinen ersten Amtsjahren.

Am Donnerstag um 11 Uhr will Bode in einer Pressekonferenz ausführlich auf die Inhalte des Zwischenberichts eingehen. Die Pressekonferenz wird live auf dem YouTube-Kanal des Bistums übertragen. Rund um die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Aufarbeitungsstudie hat die Diözese zudem eine Telefon-Hotline eingerichtet; unter der Nummer 0541-318780 seien vom 20. bis 22. September zwischen 11 und 19 Uhr sowie vom 23. bis 24. September zwischen 10 und 18 Uhr beratungserfahrene Mitarbeiter für Gespräche erreichbar, hieß es. Für Betroffene sexualisierter Gewalt oder geistlichen Missbrauchs seien darüber hinaus die unabhängigen Ansprechpersonen im Bistum erreichbar. (tmg)