Überleben der christlichen Minderheit in Region müsse gesichert werden

Kardinal Sako fordert Vereinigung der Kirchen im Nahen Osten

Aktualisiert am 21.09.2022  –  Lesedauer: 

Bagdad ‐ Im Nahen Osten werden Christen vielfach diskriminiert oder sogar verfolgt. Nach Ansicht des irakischen Kardinals Louis Sako ist deshalb eine Einheit der Kirchen besonders wichtig. Darunter sei jedoch keine "Einförmigkeit" zu verstehen.

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Kardinal Louis Sako hat sich für eine Vereinigung der chaldäisch-katholischen Kirche mit der Assyrischen Kirche des Ostens ausgesprochen. Auf diese Weise könne ein wichtiger Beitrag zum Überleben der Christen im Nahen Osten und besonders im Irak geleistet werden, wo beide Kirchen beheimatet sind, heißt es in einer Stellungnahme des Patriarchen von Bagdad, aus der am Dienstag die Nachrichtenseite "Asia News" berichtete. Die Kirchen würden "ein gemeinsames Land, Liturgie, Sprache, Erbe und Geschichte teilen", sagte Sako. Weder das Studium der "östlichen Tradition" noch der Schriften der Kirchenväter habe etwas hervorgebracht, das einer Kircheneinheit entgegenstünde. Das treffe auch auf die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien zu.

Nur durch gemeinsame Anstrengungen werde das Überleben der christlichen Minderheit im Nahen Osten möglich sein, so Sako weiter. Die Christen seien in der Vergangenheit oftmals Opfer von Gewalt und Attacken gewesen. Sie ständen in ihren Ländern in Nahost meist an den Rändern der Gesellschaft und würden zudem unter politischer und institutioneller Marginalisierung leiden. Viele Christen seien dadurch zur Auswanderung in andere Länder auf der ganzen Welt gezwungen worden.

Einheit keine "Einförmigkeit"

Das "Projekt der Einheit" könne durch einen mutigen Dialog und intensive Beschäftigung miteinander zur Wirklichkeit werden, sagte der Kardinal. Unter Einheit dürfe jedoch keine "Einförmigkeit" verstanden werden. Einheit bedeute im Gegenteil einen "gemeinsamen Glauben, Respekt für die Führung jeder der Kirchen, ihre Tradition, Liturgie, Nationalität und Sprache". Die Einheit im Glauben müsse auf der "theologischen Einheit" fußen, die in der Trinität und im Glauben an Gottvater begründet sei. "Ökumene besteht in Diversität und Pluralismus", so Sako. Sie beginne in den Pfarreien, Diözesen, Patriarchaten und führe schließlich zur Einheit der Gesamtkirchen. Man dürfe vor Veränderungen keine Angst haben.

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus. Sie wird von Kardinal Sako geleitet, dem Patriarchen von Bagdad, der dieses Amt sei 2013 innehat. Im 16. Jahrhundert spaltete sich die heutige chaldäisch-katholische Kirche von der ostsyrischen Kirche des Ostens ab und unterstellte sich dem Papst. Mit der Assyrischen Kirche des Ostens, einer Schwesterkirche ohne Union mit Rom, bestehen seit Ende des 20. Jahrhunderts enge ökumenische Beziehungen. Beide Kirchen gewähren einander aus pastoralen Gründen die gegenseitige Teilnahme an den Sakramenten.

Zwischen beiden Kirchen wird ein theologischer Dialog mit dem erklärten Ziel der "vollen Kirchengemeinschaft" geführt. Differenzen bestehen vor allem in der Christologie, so lehnt die Assyrische Kirche des Ostens die Bezeichnung Gottesmutter für Maria ab und spricht von der Mutter Christi. Theologische Ansichten, nach denen die Kirche die Häresie eines strengen Nestorianismus vertritt, also die göttliche und die menschliche Natur Jesu strikt voneinander trennt und eine Zweinaturenlehre propagiert, können nach den ökumenischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte nicht aufrechterhalten werden. (rom)