Früher Judo, Tennis und Fußball – heute Hometrainer

Sportbischof Oster: Kirche und Sport können gemeinsam viel bewirken

Aktualisiert am 08.10.2022  –  Lesedauer: 
Stefan Oster, Bischof von Passau, im Gespräch im Bischöflichen Ordinariat in Passau
Bild: © KNA/Maria Irl

Passau ‐ Der Passauer Bischof Stefan Oster hat einen neuen "Nebenjob". Die Deutsche Bischofskonferenz ernannte ihn jüngst zum Sportbeauftragten. Im Interview spricht er über seine Verbindung zum Sport und darüber, welche Sport-Persönlichkeit ihn inspiriert.

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Der Passauer Bischof Stefan Oster ist der neue Sportbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Eigenschaft feiert er am Wochenende in München das 50-jährige Bestehen der Olympiaseelsorge mit. In jungen Jahren legte er Gegner auf die Matte, heute hält er sich daheim mit einem Crosstrainer fit. Unter den Sportgrößen der Gegenwart hat es ihm vor allem einer angetan: der Teamchef des FC Liverpool, Jürgen Klopp.

Frage: Herr Bischof, Sie sind seit Kurzem Sportbischof der katholischen Kirche in Deutschland. Welche Berührung haben Sie zum Sport?

Oster: Ich habe bis zu meiner Bischofszeit regelmäßig und intensiv Sport gemacht.

Frage: In welchen Disziplinen?

Oster: In meiner Kindheit und frühen Jugend war ich recht erfolgreich als Judoka. Später habe ich Tennis und Fußball gespielt, beides gern, aber nicht allzu gut.

Frage: Als Sie zur Schule gingen, hieß das entsprechende Fach noch Turnen. Ihre liebste Leibesübung?

Oster: Damals war ich ziemlich beweglich und konnte viele Übungen im Bodenturnen ganz gut. Aber am liebsten waren mir doch Basketball und Fußball.

Frage: Ihr bester Trainer?

Oster: War ein Judo-Trainer meiner Kindheit. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, dass er die zwei wichtigsten Eigenschaften hatte, die ein Trainer und ein Lehrer braucht: Er hatte Leidenschaft für sein Metier. Und er hatte wirklich ein Herz für Kinder und Jugendliche. Von ihm habe ich wirklich viel gelernt, sportlich und menschlich.

„Kirche und Sport können gemeinsam viel bewirken, wenn sie sich für Werte einsetzen wie Solidarität, Integration, Inklusion, Fairness.“

—  Zitat: Bischof Stefan Oster

Frage: Mit wem würden Sie gern einmal das Trikot tauschen?

Oster: Heute beschäftigen mich philosophische Fragen im Blick auf den Sport – und ich suche im Sport auch Bilder für die Verkündigung. Dinge wie Mannschaftsgeist, Askese, Training, Spiel, Einsatz. All das kann auch Metapher für das Glaubensleben sein. Insofern finde ich zum Beispiel den Teamchef des FC Liverpool, Jürgen Klopp, eine interessante Persönlichkeit. Er ist ein erfolgreicher Trainer und spricht zugleich offen von seinem Christsein.

Frage: Als Bischof haben Sie einen vollen Terminkalender. Bleibt da noch Zeit für körperliche Ertüchtigung? Wenigstens bei Bischofstreffen könnten Sie mit Ihrem Bamberger Amtsbruder eine morgendliche Joggingrunde drehen.

Oster: Ich habe einen Crosstrainer daheim, den ich regelmäßig nutze, und ich mache Gymnastik. Bei der Bischofskonferenz drehe ich manchmal eine Runde zu Fuß.

Frage: Der organisierte Sport hat inzwischen ein ähnliches Glaubwürdigkeitsproblem wie die Kirche. Gibt es etwas, wo beide voneinander lernen können?

Oster: Der professionelle Sport hat vielfach seine Glaubwürdigkeit verloren: Kommerz, Doping, Korruption, ungehörige Vermengung mit politischen Interessen und mehr. Kirche und Sport können gemeinsam viel bewirken, wenn sie sich für Werte einsetzen wie Solidarität, Integration, Inklusion, Fairness. Auch bei der grundsätzlichen Sorge um Gesundheit gibt es Berührungspunkte. Tatsächlich glaube ich, dass eine angemessene Sorge um leibliche und seelische Gesundheit, die uns der Glaube ja aufgibt, körperliche Tätigkeit unbedingt mit einschließt.

Frage: Die deutsche Olympiaseelsorge begeht mit Ihnen das 50-jährige Bestehen. Was gibt es da zu feiern?

Oster: Da lasse ich mich selbst überraschen, da ich ja neu dabei bin. Mir erzählt die katholische Olympia-Seelsorgerin Elisabeth Keilmann, dass sowohl bei den Olympischen Spielen wie bei den Paralympics die Seelsorgerinnen und Seelsorger die deutschen Mannschaften begleiten, Gottesdienste anbieten und sie auch in Krisen unterstützen. Dabei geht es nicht nur um den Sport – um Sieg und Niederlage –, sondern um den ganzen Menschen mit all den Erfahrungen von Freude, Leid, Gelingen, auch um Grenzen. Sie halten gewissermaßen die Tür zur Seele der Menschen offen und hoffentlich auch zum Himmel – vor allem dort, wo manchmal die Sorge um die Physis allzu dominant oder der psychische Druck auf die Athleten immer größer wird. Da ist es ein wertvolles Gut, mit den Sportseelsorgerinnen und Sportseelsorgern offen sprechen zu können.

Von Christoph Renzikowski (KNA)