Beunruhigt durch starken Zuwachs der AfD

Bischof Bode gratuliert Ministerpräsident Weil zum Wahlsieg

Aktualisiert am 10.10.2022  –  Lesedauer: 

Hannover/Osnabrück ‐ Niedersachsen hat gewählt: Während Bischof Franz-Josef Bode Ministerpräsident Stephan Weil zu dessen Wahlsieg gratuliert, bedauert er zugleich die starken Stimmverluste der CDU. Am meisten beunruhigt ist er aber mit Blick auf die AfD.

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Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) zu seinem Sieg bei der Landtagswahl gratuliert. Zu dem Ergebnis habe sicher auch Weils zugewandte Art beigetragen, sagte Bode am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hannover. Er bedauere zugleich die starken Stimmverluste der CDU. Dort werde man sich Gedanken über die Gründe machen müssen.

"Sehr konstruktiv zusammengearbeitet"

"Was mich am meisten beunruhigt, ist der starke Zuwachs, den die AfD verzeichnet", so Bode. Dieses Ergebnis zeige, dass die Unsicherheit in der Bevölkerung gewachsen sei und die Menschen sich nach einfachen Antworten sehnten. "Dieses Phänomen müssen wir auch als Kirchen klar beachten und mit der künftigen Landesregierung gemeinsam nach Lösungen suchen." Bode erklärte, mit einer rot-grünen Koalition in Niedersachsen habe sein Bistum Osnabrück bereits von 2013 bis 2017 Erfahrung gesammelt. "In dieser Zeit haben wir sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Und ich hoffe, dass uns das auch jetzt wieder gelingen wird."

Der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Felix Bernard, sieht in dem Zuwachs für die AfD keine nachhaltige Entwicklung. Vielmehr habe sich eine allgemeine Unzufriedenheit bei der Wahl ein Ventil gesucht, sagte er dem Kölner Internetportal "domradio.de". Zur AfD seien Wähler von allen demokratischen Parteien abgewandert. Diese seien in Misskredit geraten und hätten nun die Aufgabe, "Vertrauen wieder zurückzugewinnen".

CDU-Politiker: Schlechtes Ergebnis auch wegen Vertrauensverlust der Kirche

Mit Blick auf die starken Stimmverluste der CDU auch im katholisch geprägten Emsland machte der CDU-Politiker und Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann, gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auch den Vertrauensverlust der katholischen Kirche verantwortlich. "Die Prägung durch die Kirche ist in den letzten Jahren dahingeschmolzen", sagte Busemann am Montag. Als bekennender Katholik finde er das "jammerschade". Es gebe kaum noch Pastoren, die Religionsunterricht erteilten, der Gottesdienstbesuch sei auf ein Minimum gesunken. "Mit Ausnahme der Generation 70 plus hat sich die Wahlentscheidung von der Kirche entkoppelt", ergänzte Albert Stegemann, der für die CDU im Bundestag den Wahlkreis Mittelems vertritt. Und weiter: "Die Selbstverständlichkeit, mit der emsländische Katholiken früher CDU gewählt haben, gibt es so nicht mehr."

Aus der Landtagswahl am Sonntag ist die SPD laut vorläufigem Ergebnis trotz Stimmenverlusten als stärkste Kraft mit rund 33,4 Prozent hervorgegangen. Großen Zuwachs erzielten die Grünen, die auf 14,5 Prozent kommen. Beide Parteien können die neue Landesregierung bilden. Weils bisheriger Koalitionspartner CDU verlor Stimmen und wurde mit 28,1 Prozent zweitstärkste Partei. Die AfD legte auf das Doppelte zu und kommt auf 10,9 Prozent. Die FDP schafft es mit 4,7 Prozent voraussichtlich nicht in den Landtag. (stz/KNA)

10.10., 16:20 Uhr: Ergänzt um die Stellungnahmen zum CDU-Ergebnis im Emsland.