Landschaft in Tansania.
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Neue Studie warnt vor Folgen von "Landgrabbing" in Afrika

Kleinbauern in Gefahr

Hilfswerke - "Landgrabbing" meint den Ankauf großer Agrarflächen durch internationale Konzerne. Genau das passiert vielfach im ostafrikanischen Tansania. Das katholische Hilfswerk Misereor sieht die Existenzgrundlagen für Kleinbauern in Gefahr.

Aachen - 13.07.2015

Der 67-seitige Bericht "A Right to Food Perspective" ("Das Recht auf Nahrung im Blickpunkt") widmet sich der Situation in Tansania. Das ostafrikanische Land ist nach Angaben von Misereor in den vergangenen Jahren immer stärker in den Fokus international tätiger Konzerne gerückt. Zugleich mehrten sich die Klagen von Kleinbauern über Landverluste und Repressionen durch Firmenvertreter und Behörden.

Konkret kritisiert das katholische Hilfswerk, das seit seiner Gründung 1958 in der Region aktiv ist, die mit der Unterstützung von führenden Wirtschaftsnationen, darunter Deutschland, 2010 ins Leben gerufene Initiative "Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania"(SAGCOT).

Auf einem Gebiet von der Größe Italiens will die tansanische Regierung ausgehend von der Hafenstadt Daressalam bis zur Grenze von Sambia im Süden die Ansiedlung privater Unternehmen voranbringen, um die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern. Gleichzeitig sollen Jobs geschaffen werden und die Anwohner der umliegenden Städte und Dörfer neue Verdienstmöglichkeiten erhalten.

Konflikte könnten sich weiter zuspitzen

Die Studie zeige auf, "dass Kleinbauern bislang kaum von den Produktionssteigerungen und den in Aussicht gestellten Zugängen zu nationalen und internationalen Absatzmärkten profitieren und häufig ihr Land durch die Schaffung von Großplantagen verlieren", sagte Kerstin Lanje, Expertin für Welthandel und Ernährung bei Misereor.

SAGCOT-Geschäftsführer Geoffrey Kirenga wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. "Wir wollen keine Inseln des Wohlstands in einem Meer von Armut schaffen." Vielmehr müssten sich alle der inzwischen 84 SAGCOT-Partner auf die drei Hauptziele verpflichten: die Nahrungsmittelsicherheit zu erhöhen, Kleinbauern mit einzubeziehen und umweltfreundlich zu produzieren.

Einer der Mitautoren der Studie, Benedict Mongula, befürchtet unterdessen, dass sich die Konflikte um Landnutzung in Tansania künftig weiter zuspitzen. Der Soziologe an der Universität von Daressalam sprach gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur von einer drohenden Krise. "Angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung weiter wächst, wird es langfristig einen Landmangel geben", so Mongula. "Wenn dann Hirten und Kleinbauern um die wenigen Ackerflächen kämpfen, die von den Investoren noch übrig gelassen wurden, werden wir ein Problem bekommen." (KNA)

Linktipp: Landgrabbing

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Homepage von Misereor.