Pastor Hyeon Soo Lim erklärte sich unter Zwang durch das nordkoreanische Regime selbst zum Staatsfeind.
Unter Druck des kommunistischen Regimes zeigte er sich selbst an

Nordkorea inszeniert Pastor als Staatsfeind

Christenverfolgung - Bei einer inszenierten Pressekonferenz hat sich ein kanadischer Pastor selbst als Staatsfeind Nordkoreas angezeigt. Unter Druck des Regimes gab er zu, am Umsturz des Systems gearbeitet zu haben. Er ist nicht der erste.

Bonn/Seoul - 31.07.2015

Staatlichen Medien des weithin isolierten Landes verbreiteten das Zitat am Freitag. Bei der Presseveranstaltung am Donnerstag sollen auch ausländische Medienvertreter anwesend gewesen sein. Der Vorsteher einer koreanischen protestantischen Kirchengemeinde in Kanada habe während der Ermittlungen "seine sämtlichen Verbrechen" gestanden.

Lim wurde außerdem der illegalen Einreise beschuldigt. Er war den Berichten zufolge nach der Ankunft in Nordkorea über die nordöstliche Stadt Rason im Februar nach Pjöngjang gereist. Kanadische Medien hatten im März unter Berufung auf Lims Kirche berichtet, der Pastor sei mehr als 100 Mal zu humanitären Zwecken nach Nordkorea gereist.  

Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Südkoreaner, Amerikaner und andere Ausländer wegen des Vorwurfs "feindseliger Handlungen" oder der Spionage festgehalten.

Im Juni kam es bei einem katholischen Gottesdienst in Pjöngjang zum Eklat: Ein regimetreuer "Priester" hob nach der Predigt, an der auch eine deutsche Delegation teilnahm, zu einer Hasspredigt gegen Südkorea an.

Der Druck auf Christen ist "extrem hoch"

Überdies gelten Christen in Nordkorea als besonders bedroht. Das Hilfswerk "Kirche in Not" schreibt im Länderbericht über Nordkorea: "Die christliche Gemeinschaft wird vom Regime gnadenlos unterdrückt." Christen könnten ihren Glauben nur im Geheimen praktizieren und müssten bei öffentlichen Bekenntnissen stets mit staatlichen Repressalien rechnen. Auch "Open Doors" bezeichnet den Druck auf Christen in Nordkorea als "extrem hoch". Das private christliche Hilfswerk setzt den kommunistischen Staat seit über zehn Jahre an die Spitze seines Weltverfolgungsindex. Die Rangliste soll anhand unterschiedlicher Kriterien wie "Privatleben", "Leben im Staat" oder "kirchliches Leben" darstellen, wie frei Christen im jeweiligen Land ihren Glauben bekennen können. Nach Schätzungen leben nur etwa 4.000 Katholiken im Land.

Nordkoreanischer "Pater" Predigt Hass und Gewalt

Im Juni sorgte der Fall eines regimetreuen "Paters" für Aufsehen, der in einer Predigt zum "Heiligen Krieg der Wiedervereinigung" gegen Südkorea aufrief. Anlässlich des Besuchs einer deutschen Delegation in Nordkorea wurde in der Hauptstadt Pjöngjang eine katholische Messe gefeiert. An der Messe nahm neben den deutschen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auch ein Benediktiner-Pater aus St. Ottilien als Konzelebrant teil. Dieser verließ aus Protest gegen die Hasspredigt des nordkoreanischen "Priesters" noch während der Messe den Altarraum. (kim/dpa)