Pilgerweg für Klimagerechtigkeit macht am UN-Standort Bonn Halt

"Es ist unsere verdammte Christenpflicht"

Aktualisiert am 30.10.2015  –  Lesedauer: 
"Es ist unsere verdammte Christenpflicht"
Bild: © KNA
Pilgern

Bonn ‐ Der Pilgerweg für Klimagerechtigkeit machte am Freitag in Bonn Halt. Hier beteten die Christen gemeinsam und kamen mit Politikern ins Gespräch. Mit Verweis auf die Bibel und Papst Franziskus machen sich die Pilger für den Umweltschutz stark.

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Dort soll im Dezember eine Klimaschutzvereinbarung in Nachfolge des Kyoto-Protokolls verabschiedet werden. Der "Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" startete im September in Flensburg und will an seinen vielen Etappen durch Deutschland und Frankreich den politisch Verantwortlichen zeigen, dass "gerechter Klimaschutz gewollt ist und mitgetragen wird", sagt Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. In der ehemaligen Hauptstadt machen die Klimapilger Station, weil Bonn inzwischen ein Standort der UN und einiger umwelt- und entwicklungspolitischer Organisationen ist.

Christen fordern nachprüfbare Klimaschutzziele

Rund 250 Menschen ziehen gemeinsam zum UN-Klimasekretariat, beten dort mit Bischof Stephan Ackermann bei einer "Fünf vor Zwölf"-Andacht und diskutieren anschließend in den Räumen der "Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit" über Klima- und Umweltpolitik. Mit dabei sind rund 35 Dauerpilger, darunter auch ein Hund, Etappenpilger, engagierte Christen und mehrere Grundschulklassen, die sich derzeit im Unterricht mit dem Klima beschäftigen. Christine Kollak pilgert von Köln nach Bonn mit. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim katholischen Hilfswerk Misereor sind für sie dessen "Hungertuchwallfahrten" für soziale Gerechtigkeit seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. "Da war der Schritt hin zum Klimapilgern nicht weit", sagt die 72-Jährige.

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Bei der Andacht erinnert Bischof Ackermann "die Regierungen an den moralischen Imperativ, zugunsten der Armen, der Schöpfung und der kommenden Generationen zu handeln". Der Vorrang des globalen Gemeinwohls vor nationalen Interessen müsse im öffentlichen Bewusstsein verankert ebenso wie in der Politik auf allen Ebenen durchgesetzt werden. Dafür fordert Ackermann stärkere internationale Institutionen und Mechanismen, die die Umsetzung von Selbstverpflichtungen der Regierungen regelmäßig überprüfen und in der Lage sind, Sanktionen zu verhängen.

Ackermann sagt, er wolle mit der Andacht Rückenwind geben und Mut machen auf dem Weg nach Paris. Er erwähnt, dass das UN-Klimasekretariat "manche Rückschläge verkraften musste". Die Kirchenvertreter wollen ihr Engagement aber nicht allein auf das Pariser Treffen beschränken. Das Kompromisspapier bei der Vorbereitungskonferenz in Bonn vergangene Woche etwa bezeichnet Kortmann als "zu lau und nicht akzeptabel".

Gibt es für die Klimapilger einen "Plan B" für den Fall, dass die Konferenz in Paris scheitert oder mit ihren Forderungen nicht weit genug geht? Ja, sagt Prälat Bernd Klaschkla, Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, denn Paris sei nur ein Schritt. Die Themen Klimagerechtigkeit, Umweltschutz, Bewahrung der Schöpfung werden auf der Tagesordnung der Kirche bleiben, das zeige auch die erste Umwelt-Enzyklika eines Papstes, die Franziskus im Juni veröffentlichte.

Dossier "Klimapilgern"

Anlässlich der UN-Klimakonferenz Anfang Dezember in Paris lädt ein breites ökumenisches Bündnis zu einem Pilgerweg für Klimagerechtigkeit ein. Der Pilgerweg startete am 13. September 2015 in Flensburg und endet am 28. November 2015 in Paris. Auf unserem Partnerportal weltkirche.katholisch.de finden Sie dazu ein ausführliches Dossier.

Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt, verweist auf die vielen Akteure beim Thema Klimaschutz. Es komme auf jeden Einzelnen an: Auf dem Pilgerweg treffe man mit vielen Menschen zusammen, die in ihren Kirchengemeinden, in Verbänden und ihren Kommunen mit Veränderungen begonnen haben. Auch die Bundesregierung und die EU könnten Klimaschutzziele vorantreiben, unabhängig davon, was in Paris beschossen werde.

Die Bewahrung der Schöpfung als Teil des christlichen Grundgesetzes

Karin Kortmann fügt hinzu: "Die Bewahrung der Schöpfung ist uns ins christliche Grundgesetz geschrieben." Auch mit Blick auf Folgen wie Fluchtbewegungen aufgrund von Wetterextremen sagt sie: "Es ist unsere verdammte Menschen- und Christenpflicht, dass der Klimaschutz umgesetzt wird."

Von Agathe Lukassek