Warum die EKD die Papstreise nach Lund mit Zurückhaltung sieht

Gedämpfte Freude

Aktualisiert am 28.01.2016  –  Lesedauer: 
Ökumene

Bonn ‐ Franziskus fährt im Oktober zum Reformationsgedenken mit dem Lutherischen Weltbund nach Schweden. Darauf hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auffällig zurückhaltend reagiert. Schließlich steht der Besuch in Konkurrenz zu eigenen Veranstaltungen.

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Erst am Donnerstag sagte er im Münchner Presseclub auf Anfrage, die EKD freue sich sehr darüber. "Wir werden in Wittenberg mit großer Begeisterung nach Lund winken", fügte er hinzu.

Hauptveranstaltung auf deutscher Ebene herabgestuft

Die gedämpfte Freude der EKD hat mehrere Gründe. Zum einen hat sie die ökumenischen Aktivitäten der lutherischen und reformierten Weltorganisationen schon immer nach dem Motto "Mia san mia" behandelt. Zum anderen will sie selbst ebenfalls am 31. Oktober in der Berliner Marienkirche ihr Festjahr zum Reformationsjubiläum eröffnen. Durch den gleichzeitigen Auftritt des Papstes in Lund wird somit eine der Hauptveranstaltungen auf deutscher Ebene zum regionalen Ereignis heruntergestuft. Zwar ist es bei der EKD seit einiger Zeit in Mode gekommen, die Reformation als "Weltbürgerin" zu etikettieren - aber so war das dann auch nicht gemeint.

Auch der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK), Gottfried Locher, reagierte zwiespältig auf die Reise des Papstes nach Schweden. Einerseits sprach er von einer "starken Geste", andererseits zeigte er sich erstaunt darüber, dass der Papst für diesen Anlass keinen Ort in Deutschland oder der Schweiz gewählt habe, den beiden Ländern, wo die Reformation ihren Anfang genommen habe.

In der Tat war in der Vergangenheit öfter über eine mögliche Einladung des Papstes im Jubiläumsjahr nach Deutschland spekuliert worden. Aber abgesehen davon, dass die Planung des Jahres dafür keinen konkreten Anlass bietet, entfalten Papstbesuche immer ihre eigenen Gesetzlichkeiten, und das nicht nur für die Medien. Eine Begegnung mit dem Papst quasi als Höhepunkt des Reformationsgedenkens wäre für viele Protestanten nicht wirklich stimmig.

Papst Franziskus feiert im Petersdom die Messe am Neujahrstag am 1. Januar 2016. Sternsinger aus Deutschland und Österreich bringen als Heilige Drei Könige mit Krone und Gewand kostümiert Wein und Brot für die Kommunion.
Bild: ©KNA (Archivbild)

Papst Franziskus feiert im Petersdom die Messe am Neujahrstag am 1. Januar 2016. Sternsinger aus Deutschland und Österreich bringen als Heilige Drei Könige mit Krone und Gewand kostümiert Wein und Brot für die Kommunion.

Bleibt die Frage, warum EKD und LWB die Terminkollision am 31. Oktober nicht rechtzeitig bemerkt oder sie zu verhindern versucht haben. Anlass für die LWB-Veranstaltung in Lund ist die Gründung des Weltbunds, der heute 145 Mitgliedskirchen in 89 Ländern mit über 72 Millionen Christen vertritt, vor 70 Jahren und zugleich der 50. Jahrestag des ökumenischen Dialogs zwischen dem LWB und der römisch-katholischen Kirche. Keines dieser Ereignisse ist an den 31. Oktober gebunden: Die LWB-Gründungsversammlung war vom 30. Juni bis zum 6. Juli. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der LWB haben nach eigenen Angaben schon zu einem frühen Zeitpunkt im Planungsprozess des Anlasses entschieden, dass beide Kirchen mit einem möglichst hohen Vertreter anwesend sein sollen.

Kuriose Spekulationen

Kurios mutet angesichts dessen die Spekulation des reformierten Schweizer Kirchenpräsidenten Locher an, das katholische Kirchenoberhaupt habe den 499. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers genutzt, um darauf hinzuweisen, dass es bei der Reformation nicht darum gegangen sei, eine neue Kirche zu gründen, sondern die eine, universelle Kirche von innen her zu erneuern. Dies dürfte für die Terminplanung des LWB nun wirklich nicht ausschlaggebend gewesen sein.

Tatsächlich erweist es sich hier vor allem als Nachteil, dass die nationalen Akteure wie EKD und SEK und die internationalen wie der LWB oder die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen weitgehend unkoordiniert nebeneinander her arbeiten - auch wenn Bedford-Strohm jetzt von einem "Einvernehmen" sprach. So hat sich die EKD etwa für das vom LWB und dem Päpstlichen Einheitsrat 2013 vorgelegte Dokument "Vom Konflikt zur Gemeinschaft" ebenso wenig interessiert wie für die jetzt auf dieser Grundlage entwickelte gemeinsame Liturgie für einen Gedenkgottesdienst. Sie wird in Lund von Papst Franziskus und dem LWB-Präsidenten, Bischof Munib Younan, gefeiert. In Deutschland bereiten die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz zum selben Thema einen eigenen Entwurf vor.

Linktipp: Franziskus reist zum Reformationsjubiläum

Lutheraner und Katholiken sollen zusammenrücken, wünscht sich Papst Franziskus. Der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen geben ein Beispiel: Eine gemeinsame Liturgie für ökumenische Gottesdienste.
Von Norbert Zonker (KNA)