Das ökumenische Miteinander lebt

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bewertet den Besuch des Ehrenoberhauptes der Weltorthodoxie, des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., als wichtigen Impuls für die Ökumene in Deutschland.

Ökumene | München - 18.05.2014

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bewertet den Besuch des Ehrenoberhauptes der Weltorthodoxie, des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., als wichtigen Impuls für die Ökumene in Deutschland.

"Das ökumenische Miteinander lebt und wird von den Gemeinden getragen", sagte Marx am Sonntag in München zum Abschluss der Deutschlandreise von Bartholomaios I.. Der Besuch des Patriarchen habe die enge ökumenischen Verbindung zwischen der griechisch-orthodoxen und der katholischen Kirche gezeigt: "Ich freue mich, dass ich einen Gegenbesuch beim Patriarchen in Konstantinopel voraussichtlich zum Andreasfest Ende November 2014 machen kann."

Beten für Christen in der Türkei

Der Kardinal war Bartholomaios seit Freitag bei verschiedenen offiziellen Veranstaltungen begegnet und hatte ihn auch zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen. "Ich bin dem Patriarchen dankbar für das mutige und lebendige christliche Zeugnis, dass er in der Türkei gibt, mit dem er aber auch viele Gläubige hier in Deutschland beeindruckt", betonte Marx. "In unserem Gespräch habe ich Patriarch Bartholomaios die Solidarität der katholischen Kirche Deutschlands ausgedrückt. Die kleine christliche Minderheit in der Türkei braucht unser Gebet und unsere Unterstützung."

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Ökumene-Bischof Gerhard Feige über den Besuch von Patriarch Bartholomaios I. und einen EU-Beitritt der Türkei.  

Mit Blick auf das ökumenische Gespräch in Deutschland sprach der Vorsitzende der Bischofskonferenz von "sichtbaren Fortschritten", gerade was die Herausgabe der Texte über die Feste der Kirche in Ost und West angehe. "Dieser Dialog und das Suchen nach gemeinsamen theologischen Positionen ermutigen mich. Ich bin der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland dankbar für alle Unterstützung, die sie uns zuteilwerden lässt."

Blick nach vorne

Zur bevorstehenden Heilig-Land-Reise von Papst Franziskus und der Begegnung des Papstes mit Patriarch Bartholomaios in der Jerusalemer Grabeskirche betonte Marx, dieses Treffen als Zentrum der Reise werde "länger in die Geschichte hineinwirken, als es den Moment dauert". Dabei gehe es vor allem um den Blick nach vorne: "Gerade in einem Land wie Israel und Palästina, wo die Christen weniger als zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist das gemeinsame Auftreten der Kirche eine Ermutigung für die Christen vor Ort. Das wollen Bartholomaios und Franziskus leisten." In den Gesprächen mit dem Patriarchen habe er gespürt, wie sehr ihm an dieser Begegnung gelegen sei. Alle Christen in Deutschland ruft Marx daher auf, "dieses wichtige Ereignis für die Kirche und die Ökumene im Gebet zu begleiten".

Bereits am Dienstag war Patriarch Bartholomaios I. im Rahmen seiner Deutschlandreise mit dem Vorsitzenden der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Bischof Karl-Heinz Wiesemann, und weiteren Mitgliedern der Bischofskonferenz in Bonn zusammengetroffen. (KNA)

Zur Person: Bartholomaios I.

Bartholomaios I. ist der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel. Als 270. Nachfolger des Apostels Andreas trägt er den Titel "Ökumenischer Patriarch", der ihn zum Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie mit ihren rund 300 Millionen Mitgliedern macht. Allerdings verfügt er mit diesem Ehrenamt über keinerlei Jurisdiktionsbefugnisse über die nationalen Kirchen. Der 74-Jährige ist ein weltweit anerkannter Theologe und Ökumeniker. Sein Bemühen gilt der Einheit der Weltorthodoxie und dem Dialog mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Mehrmals besuchte der Patriarch den Vatikan. Der promovierte Kirchenrechtler, der sieben Sprachen fließend spricht, ist ein vertrauenswürdiger Gesprächspartner für Islam und Judentum. Weltweite Anerkennung findet Bartholomaios I. auch für sein ökologisches Engagement, das ihm den Ehrennamen "Grüner Patriarch" einbrachte. Die türkischen Behörden erkennen weder den Titel des Ökumenischen Patriarchen noch jedwede gesamtorthodoxe Aufgaben des Patriarchates an. Sie sehen in Bartholomaios I. lediglich den obersten Seelsorger der wenigen tausend in der Türkei verbliebenen griechisch-orthodoxen Christen. Während deren Zahl stetig sinkt, sind dem Patriarchat jedoch direkt rund 3,5 Millionen Gläubige in Teilen von Griechenland sowie in der Diaspora in Nord- und Südamerika, Mittel- und Westeuropa sowie in Australien unterstellt. (KNA)

Zur Person: Bartholomaios I.

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